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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-27 · Heft 5 (27.1.1874) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 5 (27.1.1874)
Date
1874-01-27
Page
Seite 73 (sequence 7)
Language
German
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73 die Ursache, daß sowohl die Fortschrittspartei als die orthodoxe Gemeinde in Miskolcz einen Ausgleich anstreben. Daß die Wortführer in den Gemeinden eine Spaltung hier und da lieber sehen, als eine Vereinigung, brauchen wir an dieser Stelle nicht hervorzuheben. Wohl halten auch wir eine Vereinigung in diesem Augenblicke für sehr schwierig, da die Seminarfrage bei uns nur wenig Sympathie hervorruft, und die Fortschrittspartei zur Eröffnung einer jüdischen Hochschule sich nicht verstehen will. Die an Seelenzahl bedeutendste Gemeinde Oberungarns S. a. Ujhely hat sich denn auch dieser Tage der orthodoxen Durchführungscommission in Budapest angeschlossen, und die Statuten derselben, wenn auch mit Modificationen, angenommen. Vor Kurzem langte der Präses der Durchführungscommission in dieser Gemeinde an, inspicirte die Gemeindeschule und ordnete verschiedene obfchwebende Fragen. Wie wir vernehmen, soll auch Miskolcz, die zweitgrößte Gemeinde Ungarns, gewillt sein, sich der orthodoxen Durchführungscommission anzuschließen, da sie nur auf diesem Wege in der Lage ist, den Zwist aus ihrer Gemeinde zu bannen. In unserem Gebirge hat sich denn auch Tokaj und Tolc sva organisirt, nur Ciszka ist gewillt, confequent die si.-uus cjuo-Gemeinde zu machen, da fein Rabbis ein berühmter Chassid, nicht gewillt ist, die Einkünfte der Neologen zu verlieren. I. I. Rosenmeher. Aus der Theißgegend, im December. (Privatmitth.) „Der jüdische Congreß in Ungarn" von Leopold Löw ist in zweiter Auflage soeben unter dem Titel: „Beitrag zur jüdischen Geschichte Ungarns", Budapest, Verlag von Aigner, erschienen. Wir haben nicht nöthig, die Bedeutung Löws für die Geschichtsschreibung der ungarischen Juden lobend hervorzuheben, da die Verdienste dieses Gelehrten nach dieser Richtung zur Genüge bekannt sind. Wie wir erfahren, soll Herr Oberrabbi Löw die Geschichte der ungarischen Juden im Manuscript schon seit Jahren druckreif liegen haben, und wollen wir durch diese Zeilen den emsigen Verleger Aigner in Budapest sowohl, als den Autor aufmerksam gemacht haben, im Interesse der Culturentwickelung unseres Landes, diese gewiß treffliche Arbeit recht bald zu veröffentlichen. Von dem Redacteur der Schul- und Gemeindezeitung, Director Nathan Fischer, erscheint vom Januar an die ungarische Beilage seines Blattes fortan allwöchentlich. Z .. . . Schweden. Norrköping, im Januar. (Privatmitth.) Der Vorwurf, daß die Juden sich größtentheils dem Handel eignen, verschwindet auch hier zu Lande, und-haben wir Dies den neueren humaneren Gesetzen zu verdanken. Auch hier werden die höheren Lehranstalten und Gymnasien, sowie Akademien von israelitischen Jünglingen besucht, und bei der Universität in Upsala befindet sich gegenwärtig auch ein weiblicher israelitischer Student, nämlich Fräulein Johanna Lewysohn, die Tochter des Rabbiners Hr. L. Lewysohn zu Stockholm, welche mit großem Lobe ihr Studentenexamen bestanden, und auch bei der Akademie sich die Achtung und Zufriedenheit der Professoren erworben, welche in Hinsicht ihrer guten Fortschritte die besten Hoffnungen für ihre Zukunft hegen. Aber auch auf der industriellen Bahn habe ich Ihnen heute eine Auszeichnung mitzutheilen. Der Disponent und Director einer der größten hiesigen Tuchfabriken, Herr Hermann Wahren, welcher in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste Ritter des Wasaordens und Stadtbevollmächtigter ist, feierte Sonnabend den 3. Januar den 10jährigen Bestand der von ihm gestifteten Actiengesellschaft. Von den Honoratioren der Stadt, welche zum Festmittage eingeladen waren, sprach besonders der hiesige Justitiebürgermeister C. I. Stolpe feine Anerkennung der vorzüglichen Verdienste aus, welche sich Herr Wahren durch umsichtige Anordnung in seinem Etablissement, sowie väterliche Fürsorge für das Wohl der Arbeiter und den Fortschritt in der Industrie erworben hat. Im Arbeiterverein, wo sich die in der Tuchfabrik beschäftigten 450 Arbeiter ebenfalls zu einem festlichen Mahle versammelt halten, und wohin auch die Gäste zur Theilnahme eingeladen waren, sprach ein Arbeiter, von den anderen beauftragt, mit sichtbarer Rührung seine und der Mitarbeiter aufrichtige, herzliche Dankbarkeit aus, welche sie dem Disponenten schuldig sind, für seine ständige Fürsorge, das Wohl und Wohlergehen der Arbeiter zu befördern,. und bei dem Nutzen der Gesellschaft auch den Vortheil und den Genuß des Arbeiters nicht zu vergessen. Ehre solchem Streben und solcher Erkenntniß, — Herr Wahren ist erster Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde. Amerika. Savannah (Georgia), im December. Die amerikanischen Journale haben zahlreiche Details über den Lebenslauf des Richters Cardozo gegeben, der im Alter von 87 Jahren zu Savannah verstorben ist. Der Dahingeschiedene war der erste Redacteur von Journalen in den Südstaaten, vielleicht selbst in den ganzen Vereinigten Staaten. Cardozo wurde zu Savannah am 17. Juni 1786 geboren; gegen 1790 ließen sich seine Eltern zu Charleston S. C. nieder, wo Cardozo eine völlig englische Erziehung erhielt, und in seinem zwölften Jahre in ein Geschäft gethan wurde. Im Jahre 1816 trat er als Redacteur in den Souiliern pairiote von Charleston, dessen Eigenthümer er 1823 wurde. Er hatte viele Jahre dem Studium der Principien des Wechselgeschäfts, des Handels und der Finanzen gewidmet, und seine ursprüngliche Idee war, sein Journal zu

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