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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-27 · Heft 5 (27.1.1874) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 5 (27.1.1874)
Date
1874-01-27
Page
Seite 72 (sequence 6)
Language
German
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72 lWir theilen Dies mit, und werden ähnliche Einrichtungen, sobald uns darüber berichtet wird, besprechen lassen, um immer wieder darauf aufmerksam zu machen, daß es in Preußen gegenwärtig nur der nachdrücklichen Verwendung Seitens des Gemeindevorstandes bedarf, um eine solche Veranstaltung herbeizuführen. Redaction.) Oesterreichisch - ungarische Monarchie. Prag, Mitte Januar. (Privatmitth.) . Dieser Tage haben hier die Ergänzungswahlen in die Cultusgemeinöerepräsentanz stattgefunden. Trotz der von einer gewissen Seite ausgegangenen Agitation, „neue Männer" in die Gemeindevertretung zu bringen, war die Betheiligung an den Wahlen eine ziemlich schwache, und wurden die statutenmäßig ausgeschiedenen Mitglieder bis auf eins wieder gewählt. An Stelle dieses einen trat Herr Di*, jur. Arnold Rosenbacher, der aber keineswegs zu den „neuen Männern" gehört, und an Stelle eines schon vor längerer Zeit verstorbenen Repräsentanzmitgliedes Herr Dr. mcd. Teller in die Repräsentanz ein. Uebrigens sind hier die Wahlen in die Cultusrepräsentanz nicht von solcher Bedeutung wie anverswo, weil bekanntlich die vielen hier bestehenden Synagogen und Synagögchen ihre eigenen nur von den Mitgliedern der betreffenden Synagoge gewählten Vorstände haben, welche die Angelegenheiten der bezüglichen Synagogen selbstständig verwalten, die auf den öffentlichen Gottesdienst bezughabenden nicht ausgenommen. Die Repräsentanz als solche mischt sich weder in die materiellen Verhältnisse der einzelnen Synagogen, noch übt sie welchen Einfluß auf die äußere Form und Gestaltung des in denselben herrschenden Cultus. Ob die Repräsentanz dieses Verfahren den zahllosen großen und kleinen Synagogen gegenüber aus purer Enthaltsamkeit, oder aber, weil ihr keine Einflußnahme zusteht, beobachtet, Das zu untersuchen ist nicht unsere Sache, wird aber gewiß einmal zur Erörterung kommen. So lange aber die gegenwärtigen Verhältnisse fortdauern, wird die Prager Gemeinde nicht im Stande sein, Großes zu leisten. Vor wenigen Tagen feierte der langjährige Vorsteher des „Vereines für geregelten Gottesdienst", Herr S. L. Frankl, der zugleich Mitglied der Repräsentanz ist, seinen 70.,Geburtstag. Sowohl für die Repräsentanz als für die Tempelgemeinde war Das eine Veranlassung, Gratulationsadressen an Herrn Frankl zu überreichen, in welchen dessen Verdienste dankbarst anerkannt werden. An der Adresse der Tempelgemeinde wird die Einführung des Orgelspiels beim Gottesdienste als eines seiner wesentlichsten Verdienste hervorgehoben; nichtsdestoweniger ist dieselbe von allen Mitgliedern der Tempelgemeinde, darunter auch Herr Prof. Dr. Kämpf, unterschrieben worden. Prag, 12. Januar. (Privatmitth.) Bei den Anfangs Januar dieses Jahres in vielen böhmischen Gemeinden vorgenommenen Gemeindewahlen wurden in vielen, meist ganz czechischen Städten, — wir erwähnen hier nur die große Prager Vorstadt Carolinenthal und die bedeutende Handelsladt Pardubitz, — Abgeordnete jüdischer Confession in den Stadtrath gewählt. Dieses Resultat ist um so erfreulicher, da in den meisten betreffenden Gemeinden sich die verfassungstreue und die mit derselben stets einige israelitische Bevölkerung bisher der Wahl gänzlich zu enthalten pflegte. Daß Dies nicht nach dem Geschmacke der leitenden czechischen Organe ist, läßt sich leicht denken, und es werden von denselben alle möglichen Mittel und Mittelchen angewandt, um, — freilich nur aus politischen Gründen, — die jüdische Bevölkerung Böhmens der christlichen immer mehr zu entfremden. Glücklicherweise werden derlei Versuche nur in den seltensten Fällen von einem entsprechenden Erfolge gekrönt, denn das böhmische Volk, das politisch reif, wie leicht kein anderes ist, beginnt, trotz der Ohrenbläser seiner sog. „Führer" einzusehen, daß es nur sich selbst schaden würde, wenn es einem so mächtigen Factor, wie es die jüdische Bevölkerung Böhmens, weniger durch ihre numerische Größe als durch ihre Intelligenz geworden ist, noch länger jeden Einfluß auf die innere Verwaltung des Landes und der Gemeinden vorenthalten wollte. Aus Pest wird uns das Absterben des verdienten Di*. me«I. Adolph Herrmann, Primärarztes des allgemeinen israelitischen Krankenhauses und Docenten an der k. Universität zu Pest berichtet. Durch ein treffliches Werk über die „Cholera" hatte sich Herrmann auch außerhalb Ungarns Namen und Anerkennung erworben. — v. Lemberg, 12. Januar. In der Abendsitzung des Landtags wurde der Antrag des Landesausschusses, wonach von nun an auch Israeliten in das lemberger Landesspital ausgenommen werden sollen, angenommen. Lemberg, 15. Januar. Das Cen tralwahlcomitö der Juden beschloß auf Antrag des Dr. Byk, wegen der Unmöglichkeit der Wahl eines Parteigenossen den relativ besseren und liberaleren Zbyszewski gegen den ultramontanen Czerkawski zu empfehlen, gegen die Politik Zbyszewski's aber sich zu verwahren. Aus dem Tokajergebirge, im Januar. (Privatmitth.) Wie wir aus competenter Quelle erfahren, rüsten sich wiederholt im Lande die Parteien gegen einander, und dürften die dermalen streitigen Punkte in Bälde vor den Landtag kommen. Uns will es scheinen, daß dieser Kampf dem Fortschritte wenig nützen wird, da auf diesem Wege die Intelligenz sich immer mehr und mehr dem Volke entfremdet, und die geistige Entwickelung des Landes dabei leidet. Die materielle traurige Lage Ungarns trägt nicht wenig dazu bei, wenn die Mehrzahl der Gemeindeglieder den Frieden um jeden Preis wünschen, und Dies ist denn auch

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