Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1874)
- Date
- 1874-01-27
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
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69 der Kaaba, war er ihnen gefolgt, — nein, zu Medina nahm er selbst den „Tag der Versöhnung" an, Datum, Name und Alles. Alles, was er dagegen verlangte, war, baß sie ihn als den Propheten der Heiden (Ummisanerkennen und für seine Sendung Zeugniß ablegen sollten. Doch der Schleier war plötzlich zerrissen vor den Augen der Juden. Wenn sie geglaubt hatten, in ihm ein Mittel zu treffen, ganz Arabien zum Judenthum zu bekehren, und ihn eifrig gepflegt und ermuthigt hatten, ihn unterwiesen in Gesetz und Legenden und ihn veranlaßt hatten, an sich und seine Sendung zu glauben, so wurden sie plötzlich gewahr, daß ihr muthmaßliches Werkzeug ein Ding von immer wachsender Macht geworden war; und sie ergriffen ihre Zuflucht zu den gefährlichsten Waffen, die denkbar sind, um jenen Geist zu dämpfen, dem sie in die Höhe zu kommen geholfen halten. Sie verlachten ihn öffentlich. Sie erzählten Geschichten, wie er zu seinen „Offenbarungen"gekommen sei. Sie, die so besorgt gewesen waren, ihn einzuführen in den Midrasch, forderten ihn heraus durch abgeschmackte Fragen über die haggadistische Lehre, worauf er unklug genug war, ernsthafte Antworten zu geben, — um seine Messiasschaft zu erproben, mit der sie ihn unaufhörlich verhöhnten. Sie legten die Bibel vor und zeigten, wie verschieden die Erzählungen, die er von den Patriarchen und Anderen erzählte, von den in jenem Buche enthaltenen wären; sie, die diese haggadistische Gestaltung selbst hervorgebracht hatten. In der That stimmten diese Erzählungen nicht, und selbst Christen (Omayyah und Andere) bezeugten jene Thatsache. Was blieb für Muhammed übrig, als zu erklären, daß in diesen Fällen sowohl Juden als Christen ihre Bücher gefälscht hätten, und daß sie sie nicht verständen, — indem er die rabbinische Bezeichnung gewisser Gelehrten auf sie anwandte, daß, obwohl sie Bücher hätten, sie nur wie „mit denselben beladenen Esel" wären, und ihren Inhalt nicht begriffen, oder, daß sie närrische Geschichten verbreitet hätten, daß es das Buch selbst sei. Er erklärte jetzt „daß von allen Menschen Juden und Götzenanbeter die Muslims am meisten haßten." Und in Wahrheit, auf die Frage, ob sie Muhammeds Lehre oder den Götzendienst vorzögen, pflegten sie zu antworten, — wie ihre Vorfahren es Jahrhunderte zuvor gethan hatten, — „Götzendienst", — da Götzendiener es nicht besser wüßten, während es solche gäbe, die wissentlich die reine Lehre entstellten und Streit und Zwietracht säeten zwischen Israel und ihrem Vater, welcher ist im Himmel." Einige fanatische Juden hatten sogar Anschläge auf sein Leben, — einer, unschuldig genug, — durch Zauberei; ein anderer durch das ' ernstlichere Geschoß eines Steines. Man schrieb Satiren und Possen auf ihn, Männer und Weiber. Es war kein Ende in ihren Herausforderungen. Man mißdeutete seine koranischen Worte, — „verflechtend ihre Zungen" — in der Art, daß man denselben einen beleidigenden Sinn gab. Ihr „Blicke auf uns," klang gleich „O wir Verfluchten." Für „Vergebung" sagten sie „Sünde"; für „Frieden über Dich" —„Verachtung über Dich", und dergleichen. Sie machten sich lustig über seinen Ausdruck „Gott einen guten Lohn geben", — „daß wir reich sind und Er arm" .sagten sie, — offenbar die ähnlichen Ausdrücke der Mischnah selbst vergessend, die von gewissen guten Thaten spricht als Zinsen bringend in dieser Welt, während das Capital für das Jenseits aufbewahrt würde. Und das Unvermeidliche geschah. Der Bruch trat ein, und es ward gehaßt, selbst bis zum Tode, auf beiden Seiten. Es war zu spät, einen anderen Glauben, andere Lehren, andere Legenden zu substituiren, selbst wenn sie zur Hand gewesen wären. Doch soviel als geschehen konnte, ohne den ganzen Bau zu gefährden, um den unheilbaren Bruch zu zeigen, geschah jetzt. Die Gläubigen sollten nicht länger ihr Antlitz gen Jerusalem wenden, sondern gen Mekka. Freitag ward zum Tage der Ruhe gemacht, und der Ruf zum Gebet ward eingeführt, als ein vermeintlicher Protest gegen die Trompete der Synagoge, obgleich die Trompete kaum jemals zum Zwecke des Rufs zum Gebet gebraucht worden war. Die Juden sollten nicht gegrüßt.werden auf den Straßen; die Gläubigen sollten sich des Speisens mit ihnen enthalten; sie werden als Ausgestoßene erklärt, — und bitterlich hatten sie ihr verlorenes Spiel zu beklagen." Muhammed selbst führte wiederholt Krieg gegen benachbarte jüdische Stämme, und will schließlich durch das Gifteiner Jüdin gestorben sein, das aber erst nach Jahren gewirkt haben soll, — man sieht auch hier eine Sage, um die neue Religion recht drastisch von dem Boden zu trennen, aus dem sie erwachsen, den Bekennern der neuen Religion das Recht zu gewähren, gegen ihre Lehrer feindlich aufzutreten. Alles Dies dient, um uns jeden Zweifel zu benehmen, daß Muhammed den wesentlichsten Theil seiner Lehre den arabischen Juden verdankte, daß er ohne sie gar nicht denkbar sei, und daß die Araber für seine Lehre selbst durch die Juden vorbereitet worden. Dies muß sich denn auch innerlich erweisen, und Deutsch stand nicht an, diesen Beweis führen zu wollen, wurde jedoch hierin durch den Tod verhindert. Nachdem er eine Charakterisirung des Korans, in dessen Form und Sprache, — nachdrücklich, aber doch verworren, — versucht hat, hebt er hervor, daß Muhammed selbst seine Lehre als die Abrahams bezeichnet. Er fragt daher, was in jener Zeit als Lehre Abrahams angesehen wurde, stellt hierüber einige Stellen des Midrasch zusammen, — wozu ihm das „Leben Abrahams" von Dr. B. Beer noch reichhaltigeres Material geboten hatte, — und zeigt, daß Muhammed im Koran fast dieselben Worte für diese Lehre Abrahams verwendet. Selbst der bekannte Midrasch, auf welche Weise Abraham zur Erkenntniß des einzigen Gottes gekommen, wie er sich hierauf gegen die Götzenbilder seines Vaters benommen u. s. w>, findet sich im Koran erzählt. Die Lehre Abrahams, nach dem Midrasch von Muhammed aufgefaßt, bildete das Fundament der Lehre dieses großen Apostels der 5*