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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-27 · Heft 5 (27.1.1874) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 5 (27.1.1874)
Date
1874-01-27
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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68 unseren Herrn Christum. Du wirst weiter bemerken, daß die eigentlichen Liberalen sehr selten zur Kirche und noch viel seltener zum heiligen Abendmahl gehen. Wer wirklich ein fleißiger Kirchgänger und ein treuer Abendmahlsgast ist, der ist im Grunde conservativ, und wenn er sich dabei doch liberal nennt, so steht er an einem Platz, wohin er nicht gehört." Sicherlich fordert Niemand, daß wir hier das Kraftwort dieser Herren: „Die Juden hassen das Christenthum" zum so und so vielten Male widerlegen sollen. Die Conservativen selbst am wenigsten, weil sie sich gar nicht widerlegt haben wollen und schließlich doch bei ihrem Satze bleiben, dessen sie gar nicht entbehren könnten. Die Juden stimmen mit den Dogmen des Christenthums nicht überein, aber sie haben niemals mehr verlangt, als daß ihnen das Bekenntniß ihrer Religion freigegeben, und daß hieran keine bürgerlichen Nachtheile geknüpft seien. Sie haben niemals Propaganda gegen das Christenthum getrieben, und haben dieses nur bekämpft, wenn sie es zur Vertheidigung ihrer Existenz mußten. Befragt man nur einfach die Geschichte und zwar bis auf den heutigen Tag, so kann es nicht zweifelhaft sein, von welcher Seite „der grimmige Haß" gefühlt, ausgesprochen und bethätigt worden ist. Das Flugblatt zieht nun vorzugsweise gegen die Civilehe los. Es stellt diese so dar, als ob sie die kirchliche Trauung gänzlich verdrängen wolle und werde. Es klagt, daß die Ehe dadurch ganz zu Grunde gehen werde, da sie jetzt schon über alle Maßen verdorben sei! Es gesteht Dies zu, während die kirchliche Trauung bis jetzt unbedingtes Gesetz gewesen. Eines seiner Hauptargumente ist: der die Civilehe schließende Bürgermeister oder Registrator könnte ja zukünftig ein Jude sein, und eines Juden Segeu wolle doch Keiner haben. Nun, der Bürgermeister hat bei der Civilehe, wenn er will, einen Glückwunsch, nicht aber einen Segensspruch hinzuzusügen. Andererseits haben die priesterlichen Lippen, von welchen der Segen ausgesprochen wird, seit vielen Jahrhunderten auch so viele Flüche ausgestoßen, wie niemals jüdische Lippen thaten! Wir hoffen, daß wir uns mit diesen Conservativen nicht öfter mehr zu beschäftigen haben; ihr Lied ist wirklich ausgepfiffen.*) Der Islam uu- Las ÄuLmthum. n. Aus dieser Schilderung geht deutlich hervor, welch' einen bedeutenden Einfluß die Juden und das Judenthum auf die geistige Welt der Araber vor Muhammed übten, welche bestim- *) Wie sehr diese Conservativen Schemen sind, hat sich denn auch bei den Wahlen vollständig erwiesen. Trotz des oben erwähnten Wahlaufrufs „An das mecklenburgische Volk", hat dieses letztere, da es 7 Abgeordnete in den Reichstag zu senden hat, sechs National-Liberale und einen Fortschrittsmann gewählt, während keiner der conservativen Candidaten, selbst aus dem höchsten Adel, es auf über 600 Stimmen gebracht hat. mende Rolle sie in ihr spielten. Aber noch mehr. Kurz vor Muhammed bildete sich eine Secte, die Hanifs, die den arabischen Fetischismus verwarfen und den einzigen Gott Abrahams anbeteten, auch gewisse Rollen besaßen, deren Inhalt mit midraschischen Stellen übereinstimmten, und unter ihnen war ein gewisser Zaid, der das Verzehren von Blut und von Theilen götzendienerischer Opfer untersagte. Dieser Secte schloß sich auch Muhammed an und achtete den Zaid sehr hoch. Aber noch in anderer, unmittelbarer Weise bereiteten die Juden dem Muhammed das Feld vor, dessen er sich in fruchtbarster Weise bemächtigte. Man weiß, wie viel bei solchen Vorgängen auf die ersten, günstigen oder ungünstigen Schritte ankommt. In dem Augenblicke, wo der Keim sich entfalten soll, kann dieser , auf's leichteste erstickt werden; ist er aber erst hierüber hinaus, so vermag nichts mehr sein wunderbares Wachsthum zu verhindern. In Mekka stieß Muhammed auf geringen Anklang und um so heftigeren Widerstand. Er war hier des Unterliegens gewiß. In Medina aber wohnten viele Juden, die mit ihren arabischen Mitbewohnern in Frieden lebten, sich jedoch oft über religiöse Dinge mit ihnen unterhielten. Sie wiesen auf ihren gemeinsamen Stammvater Abraham hin und auf Jsmael, erzählten ihnen viele Legenden von diesen, verhöhnten ihren Aberglauben und bedrohten sie mit ihrem Messias, wenn sie in ihrem Unglauben beharrten. Die Araber in Medina erkannten die Superiorität der jüdischen Religion an, aber ihr arabischer Stolz verhinderte sie, der Lehre von Männern sich zu beugen, die nicht zu ihrem Stamme gehörten. Da vernahmen sie durch Pilger von dem arabischen Manne in Mekka, der als Prophet aufgetreten sei, den einzigen Gott verkünde und sie zugleich von der Furcht vor dem jüdischen Messias befreie, wenn sie ihren Unglauben vertauschten. Sie sandten Deputationen an ihn und schlossen mit ihm einen geheimen Vertrag. Muhammed organisirte sie unter zwölf Aufsehern. Als Dies bekannt wurde, ward es für die Mekkaner zum Signale des Angriffes. Muhammed floh nach Medina, wo er mit offenen Armen empfangen wurde; ohne die vollständige Vorbereitung durch die Juden in Medina hätte Dies schwerlich stattfinden können, und doch war Dies die eigentliche Geburtsstätte des Islam. Dennoch lag es gerade in diesen Verhältnissen, daß der Streit zwischen Muhammed und den Juden in erbittertster Weise ausbrechen mußte. Lassen wir Herrn Deutsch hierüber sprechen: „Er war stufenweise dahingelangt, als Heiliger betrachtet zu werden, und nahm so viel von den Dogmen, den Legenden und Ceremonien der Juden an, als immer verträglich war mit seiner Sendung als Prophet der Araber und als einer, der mit Ausschluß des fundamentalen Dogma's von der Sohnschaft sich auch mit den Christen zu einigen wünschte. Er bezieht sich beharrlich auf das Zeugniß der Juden, nennt sie die ersten Annehmer des Gesetzes, und nicht blos in solchen Dingen, wie die Wendung nach Jerusalem im Gebete, statt nach dem nationalen Heiligthum,

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