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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-27 · Heft 5 (27.1.1874) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 5 (27.1.1874)
Date
1874-01-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Diese Ze.tuna erscheint wöchentlich einmal in 2 vis 2'fe Boqen. Preis BrerteNähria l Thlr. Inserate werden mit 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren utaum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestelli.ngen au. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an l)r. L'. Philippson in Bonn; hinsichtlich des Bezugs und der Inserate an Laumnärtnrr's Suchliandlung inLeipzig. Inserate, welche biS vouner»- tag cingehen, sinden inder i arauffolgenden Nummer Berücksichtigung. 38. Jahrgang. Leipzig, den 27. Januar 1874. JV? 5. Inhalt. Leitende Artikel: Die Conservativen. — Der Islam und das Judeuthum. II — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Provinz Posen, Vom Nekar, Dessau, Linz am Rhein. — Oesterreichisch-un.qarische Monarchie: Prag, Aus Pest, Lemberg, Aus dem Tokajergebirgc, Aus der Theißgegend. — Schw eben: Norrköpiug.-Amerika: Savannah (Georgia). — Feuilleton: Intriguen vor siebzig Jahren. — Egoismus — überall. — Vermischtes. Jßelieiidb öCtfcl&ed Bonn, den 21. Januar. Die Conservativen. Während in den Landschaften, in welchen die katholische Bevölkerung die vorwiegende oder doch eine beträchtliche ist, bei den jetzigen Reichstagswahlen nur die Frage zwischen Ultramontanen und, Liberalen war, abgesehen von der Partei der Socialdemokraten, — fand in den eigentlich protestantischen Ländern der Streit entweder nur zwischen den National-Liberalen und der Fortschrittspartei, oder zwischen den Liberalen und Conservaliven statt. Die Ultramontanen und die Conservativen traten als die entschiedenen Gegner der jetzigen Reichsregierung auf. Aber während die ersteren voll Energie, Thatkraft und wenn auch nicht Enthusiasmus, doch Fanatismus sind, gleichen die Conservativen, die aus den preußischen Reactionären vor 1866 unv den Pietisten bestehen, bloßen Schatten, Schemen aus vergangener Zeit ohne Kraft und Saft, und ihre Stimmen wiederholen nur in schwächlichen, heiseren Tönen, was sie früher so oft ausgestoßen haben und eine Zeitlang sogar zur Geltung brachten. Auch sie haben nichts verlernt, aber auch nichts zugelernt, sie haben nichts vergessen, aber sie sagen ihre alte Aufgabe nur stammelnd und stotternd her. Es versteht sich also von selbst, daß die Juden dabei eine Rolle spielen, weil sie ohne diese alles Salzes und aller Würze zu entbehren meinen, und ihre ganze Pointe in dem Satz besteht: die Liberalen sind Juden, die Juden sind liberal, und beide wollen deshalb den Staat und das Volk entchristlichen. Das ist die ganze Weisheit der alten preußischen Conservativen. Mehr ist ihnen nicht geblieben, wenn sie überhaupt jemals mehr besaßen, nur daß ihnen die Regierung früher die Macht gab, jetzt aber entzogen hat, da sie in dieser Gesellschaft nichts mehr ausrichten konnte. So liegt uns ein Flugblatt „An das mecklenburgische Volk" vor: „Wen wählen wir in den deutschen Reichstag?" Wir würden dasselbe kaum der Erwähnung werth halten, wenn dieses Blatt nicht doch im Lande der Obotriten einiges Aufsehen gemacht, so daß die deutschen Zeitungen davon sprachen, und nicht in Mecklenburg selbst diese Conservativen immer noch das Ruder in den Händen hätten. Das Blatt ist in wahrem Altweibergeschwätz abgesaßt, wie es bei Denen herauszukommen pflegt, welche zum Volke sprechen wollen, und das Herz und die Begabung dazu nicht im geringsten Maße besitzen. Die Kraftstelle des ganzen Blattes ist daher folgende: „Dagegen wissen nun freilich auch die Liberalen nicht recht was zu sagen. Darum reden sie auch sehr schön und erbaulich von Gottesfurcht und Christenchum. Nur verstehen sie ganz was Anderes darunter, als was wir so nennen. Das kannst du bald merken. Frage sie nur einmal, was sie von der Bibel halten und was sie von unserm Herrn Christus halten, — da wirst du bald merken, wie der Wind weht. Darum findest du auch, daß die meisten Juden zur liberalen Partei sich halten, und daß viele Schreiber liberaler Zeitungen Juden sind. Die Juden hassen das Christenchum ebenso gririMP, wie ihre Väter

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