Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1874)
- Date
- 1874-01-20
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
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Daß Frauenrath, klingt er auch süß, Sich oft verkehrt in Bitterniß; Dennoch will meine Frau ich fragen; Wenn aber sie mir „nein" wird sagen, So werde ich, ich will Dirs schwören, An ihr Gered mich nimmer kehren!" „„So ist es recht, so mag es sein, Eil' Du nach Haus, ich harr' hier Dein."" In sehr ergötzlicher Weise überlegt nun der Pardel die Angelegenheit mit seiner Frau, die ihn vor dem Fuchse warnt, und ihm erzähl!, wie der Fuchs den Löwen geprellt hat; dagegen erzählt der Fuchs Geschichtchen, wie Männer durch ihre Frauen bethört und in's Unglück gebracht worden sind. Diese machen auf den Pardel solchen Eindruck, daß er Nichts von seiner Frau hören will, und den Abzug nach der ihm von dem Fuchs gepriesenen Gegend befiehlt. Der Erfolg wird im Schlnßgedicht geschildert: . ' Der Pardel jetzt mit Weib und Kind Verläßt den Heimathort, Trübselig blickt das Weib zurück, Sie gehet ungern fort. Dem Zug voran der falsche Freund, Der Fuchs, mit schlauem Blick, Zu führen sie, so lüget er, Den Weg zum wahren Glück. Sie kommen an: es ist ein Land An Wasserbächen reich. Der Fuchs hebt segnend seine Hand: „Nun freut des Glückes euch!"- Der schlaue Fuchs, wie ist er froh, Daß ihm sein Plan geglückt: „Den Pardel hätt' ich wahrlich nicht Gehalten für so dumm." Der aber wähnt gar glücklich sich; — Doch als die Regenzeit Begann, und alles Wasser schwoll Im Lande weit und breit: Da war die Wiese, wo sich jetzt Der Pardel halt' gesetzt, Weil sie so wasserreich, zumeist Gefahren ausgesetzt. — Es war um tiefe Mitternacht, Da wälzt sich mit Gebraus Die Wasserfluth mit wucht'gem Prall Hinan an Pardels Haus. Sie wachen auf, die eben noch Geruht so sanft und gut; O weh! es hat ergriffen sie Die rasend schnelle Fluth. : Es packet sie der wilde Strom, Den Pardel, Weib und Kind, Sie wissen's, daß sie ohne Wahl Dem Tod verfallen sind. Und noch im letzten Todeskampf Der Pardel heult und klagt: : „O weh, daß all dies schwere Leid Ich über mich gebracht! So geht es dem, der thörichi glaubt Dem Fuchs, der falsch und schlau, Und nicht auf das hört, was ihm räch, Die liebe, treue Frau." Sprach's; da reißt ihn mit Weib und Kind Die wilde Fluth herab, Um über Allen schließet sich Das nasse Wogengrab. Ein Z«m Lippvr in Suenös-Äyres. Es ist stets ein Gegenstand des Interesses und der Genugthuung, wenn in den entferntesten Ländern unsere Glaubensgenossen, — Leute, die sich meist vorher durchaus nicht gekannt hatten, — zu gottesdienstlichen Handlungen sich zusammenfinden, und damit beweisen, daß sie die treue Anhänglichkeit an die Religion der Väter über Meere und Länder tragen. So bethätigt sich stets von neuem die Lebenskraft des Judenthnmes. Wir entnehmen den folgenden Bericht dem Educatore israeliia. Einige Tage vor dem letzten Jom Kippur constituirte sich eine kleine Anzahl englischer Juden in Buenos-Ahres als Comitö, und richtete ein Rundschreiben an ihre als solche bekannten Glaubensgenossen in der Hauptstadt der argentinischen Republik, in welchem.es dieselben benachrichtigte, daß der Kippur dieses Jahr auf den 1. October falle, und sie aufforderte, dieses Fest in Übereinstimmung mit dem Ritus zu feiern, und sich zu diesem Zwecke am 30. September 1873 um 4 Uhr Nachmittags in einem Locale in der eale 23 <le Mayo Nr. 37 einzufinden, das zu einem provisorischen Bethause umgewattdelt war. Uni die Kosten zu decken, fügte das Rundschreiben hinzu, und damit die Söhne Israels sich brüderlich vereinigten zu dem Mahle, welches dem Fasten vorangeht, und demjenigen, welches ihm folgt, wurde jeder Beitretende eingeladen, einen Beitrag von 3 Livres Sterling (20 Thlr.) zu entrichten. Siebenundfünfzig Personen entsprachen dieser Aufforderung. An dem bestimmten Tage und zur festgesetzten Stunde waren sie alle vereinigt: nach Austausch des Bruderkusses setzten sie sich an die Tafel, die in einem Saale neben dem als Bethaus eingerichteten aufgestellt war. Nach Beendigung des Mahles bekleideten sich alle mit dem weißen Gewände und dem Taleth, und betraten, das Machsor in der Hand, um 51/2 Uhr das Betzimmer. Obwohl improvisirt bot dasselbe doch einen sehr befriedigenden Anblick; mit Weiß ausgeschlagen, glänzend erleuchtet, hatte es einen Aron Kodesch, welcher zwei prächtige Sepharim enthielt, die aus England gekommen waren, und welche ein deutscher Israelit bis dahin in seinem eigenen Hause aufbewahrt hatte. Die gottesdienstliche Feier dauerte bis gegen Mitternacht (!); um 5 Uhr Morgens begann man dieselbe von neuem und dehnte sie bis gegen 9 Uhr Abends(?) aus.