Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1874)
- Date
- 1874-01-20
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
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60 Ein Pardel lebt an einem Ort Mit Weib und Kind zufrieden, Für seinen Haushalt reichte aus, Was täglich ihm beschieden, Ein Fuchs wohnt' auch in seiner Näh', Der nennt sich seinen Freund; o weh! Fuchs sprach bei sich Vielleicht haßt mich Der Pardel dort, mein Nachbar, Und fehlt die Beute ihm einmal Für seiner Kinder große Zahl, Ergreift er mich boshafter Weise Giebt seinen Kindern mich zur Speise. Komm' also ich ihm schlau zuvor, Such', ihn zu überlisten, Naun' Trügerisches ihm in's Ohr, Das Leben mir zu fristen, Der Weise spricht: Der Rath ist gut. Der vor dem Unglück kommt, Der nach dem Unglück ist verfehlt Zu nichts mehr dieser frommt. — Entfernen aus der Nachbarschaft Muß ich vor allen Dingen Den Pardel, daß auf keinen Fall Mein Sturz ihm müg gelingen, Vertreib ich ihn aus seinem HauS, Bevor er jaget mich hinaus, Verstoß' ich ihn aus seinem Ort, Eh' er mich treibet von hier fort. Vielleicht wird mir es gar gelingen, Ihm den verdienten Tod zu bringen, Denn unsere Weisen ja schon lehren: Such', stets bei Zeiten Dich zu wehren, Wer, Dich zu tödten, unternommen, Dem suche Du zuvorzukommen! — Was er beschlossen, auszuführen, Sah man am andern Tag spazieren Den Fuchs aus seiner Höhl' heraus Eilfertig in des Pardels Haus, Der staunet: „Ei, was bringst denn Du?" Der Fuchs: „Merk' auf und höre zu! Ich komm' von einem Ort gar schön, Wie ich noch keinen je gefehn, Der Myrthen und der Rosen Duft Durchwürzet dort die heitere Luft, Es nisten Schwalb' und Turteltaube Im ewiggrünen frischen Laube. Der munteren Gazellen Heerde, Die frohe Schaar leichtfüß'ger Pferde, Die Lämmlein auch mit wollgem Schnee, Sie tummeln sich im duft'gen Klee. Darum gar schnell und unverweilt Bin ich zu Dir hierhergeeilt, Dir alles dieses zu erzählen, Damit Du magst den Ort Dir wählen; Du wirst in jenen frischen Gründen 'Ne schönere Heimath denn hier finden." Der Pardel d'rauf: „Ich muß gestehn. Ich möcht' das schöne Land Wohl sehn." Der Fuchs nun führte ihn dorthin, Der arglos war in seinem Sinn; Als er den schönen Platz erblickt. War er vor Wonne ganz entzückt: — Wie lieblich waren dort die Wege, Wie reizend, herrlich die Gehege! Die Bäume in dem frischen Grün, Die Blumen in dem Farbenglüh'n, Die Myrthe mit dem würz'gen Duft Und die belebend heilere Luft, Das frohe Leben auf der Weide, Die ungebundene heitere Freude — Dies alles weckt in feiner Brust Erhabene Wonne, höhere Lust. — Da denkt der Fuchs in seinem Herzen: Fürwahr, Dir kommen noch die Schmerzen, Die große und unbändige Freud', Verwandelt sich in bitteres Leid! Der Pardel d'rauf zum Fuchs begann: „Du bist mein wahrer Freund! Wohlan, Ich weiß, daß Du mich wirklich liebst, Daß Du mich nimmermehr betrübst, So mögest Du gesegnet sein Mein Freund, zugleich Gebieter mein! Doch jetzt geh' ich nach Haus zurück, Theil' meiner Frau nun mit mein Glück, Will mit ihr alles überlegen. Wie es sich ziemt von Rechtenswegen." Dem Fuchs jedoch ist Dies nicht lieb, Dem Erzschelm und dem Herzensdieb, Er kennt des Pardels kleine Frau, Sie ist ihm zu gescheidt und schlau. Darum der Fuchs zum Pardel spricht: „O, trau bei Leib' den Frauen nicht! Sie sind so bös und herzensschlecht, Wem geben sie wohl jemals Recht? Gefühllos bleibt ihr enges Herz Bei fremdem Leid, bei fremdem Schmerz, Im Widersprechen webt ihr Sein, Sagt der Mann: ja, die Frau sagt: nein. Hab' acht auf Dich, der Weise warnt, Daß Frauenlieb Dich nicht umgarnt, Daß Du vollführest keine That Nach Frauen tück'schem, bösen Rath; Vielmehr rath' ich zu Deinem Heil: Hör' sie und thu das Gegentheil! Denn wer auf ihre Worte hört, Ist, daß man ihn verbrenne, werth!" „Und doch," der Pardel hierauf spricht, „Halt' ich es für des Mannes Pflicht, Sich zu berathen mit der Frau, Denn schon der Weise sagt es: Schau, Mit Nächsten alles überlegen, Das bringt dem Menschen wahren Segen!" Der Fuchs: „Ich möcht' Dich gern belehren, Du aber willst auf Rath nicht hören. Gab doch der Weise uns schon kund: Vor deiner Frau hüt' deinen Mund!" Der Pardel drauf: „Es ist mir klar, Daß das, was Du gesagt, ist wahr,