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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-20 · Heft 4 (20.1.1874) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 4 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 unseren Standpunkt nach der Linken hin zum Thal Gehenna, nach vorn hin zum tiefeingeschnittenen Thal ab, durch welches sich das Bett des nun fast gänzlich versiegten Bachs Kidron dahinzieht: Getsemane. Unten an dessen diesseitigem Rande zeigen sich manche geweihte Stätten, welche der altisraelitischen und solche, die der christlichen Legende ihren Heiligenschein danken. Darüber steigt ziemlich steil aufwärts zu bedeutender, den Tempelberg völlig beherrschenden Höhe der Oelberg empor, von zahlreichen, vereinzelten Olivenbäumen auch heute noch bestanden. Seine höchste Kuppe krönt nun die Himmelfahrtscapelle. Noch weit umher im Umkreise der heiligen Stadt, der hiervor uns ausgebreitet liegt, auf den Spuren, welche David, Salomo, die jüdischen Könige, der Stifter des Christenthums und seine Apostel, die verheerenden Legionen des Titus, die saracenischen Eroberer, die Kreuzfahrer, die lateinischen und griechischen Bekenner diesem Boden ausgeprägt haben, könnten wir unsere Leser führen. Aber besser sie treten selbst dort heran und überlassen sich der Führerschaft des kundigsten Cicerone, Herrn Jllö's selbst, des mit seinem Gegenstände innig vertrauten, fleißigen und kunstfertigen Autors dieses merkwürdigen Werks. Amerika. Baltimore, 19. December. (Privatmitth.) Bor uns liegt der „Deutsche Correspondent" vom gestrigen Datum, welcher eine mehrere Spalten füllende Beschreibung des 18. Stiftungsfestes der hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsgesellschaft enthält. Nun ist daraus allerdings nichts Besonderes hervorzuheben, was als außergewöhnlich oder charakteristisch zu bezeichnen wäre. Aber wohlthuend ist es doch, aus solchen Darstellungen die fortgesetzte Entwickelung und Ausdehnung zu gewahren, welche die Änstitute unserer Glaubensgenossen in Amerika trotz allen Schwankungen des politischen, financiellen und religiösen Lebens nehmen, ebenso wie die Bildung des Geistes, welcher sich unter ihnen immer mehr ausbreitet. Die Reden., welche an diesem Feste, zu dem xine außergewöhnliche Zahl von Theilnehmern sich versammelt hatten, gehalten worden, und unter denen sich besonders die des Herrn Abraham Nachmann und des Rabbiners Dr. Hochheimer auszeichneten, stehen in Sprache, Form und Gedanken den besten deutschen Gelegenheitsreden nicht nach, und der Erstere gab eine religiöse Wärme zu erkennen, die wirklich zünden mußte. Der Rückblick, den die Redner auf den Anfang und das Wachsthum der Gesellschaft thaten, zeugte von dem schnellen Fortschritt, den ja Alles in diesem Lande erfährt, sobald es Lebenskraft in sich tragt. Der Verein hat im vorigen Jahre beinahe 7000 Dollars für seine Zwecke, nämlich an Arme für Feuerung im Winter, und an Fremde, namentlich auch für Eisenbahnbillete, um die letzteren an ihren Bestimmungsort zu bringen, ausgegeben. Die Collecte an diesem Abend brachte eine ansehnliche Summe ein. Auö Californien, im October. Bei Gelegenheit eines in diesem Lande verhandelten Processes erhob sich einer der Geschworenen mit der Ankündigung, daß es ihm in seiner Eigenschaft als Israelit unmöglich sei, am nächsten Tage, dem Versöhnungstage, seinen Sitz einzunehmen. Da drei andere Israeliten dieselbe Erklärung abgaben, so verlangten alle Geschworenen einstimmig die Verschiebung des Processes auf einen anderen Tag. Nach. einigen Augenblicken der Berathung stimmte der Gerichtshof dieser Forderung bei. e u i t f c f o n. Dichterklänge aus Spaniens besseren Tagen. In einem jüngst gehaltenen Vortrage über die „hebräische Poesie" sprach Prof. Steiner in Zürich sehr kurz über die ganze nachbiblische hebräische Poesie ab, daß sie ein Werk der Nachahmung der nichthebräischen Poesien und nicht aus dem Volke, sondern in der Studirstube entsprungen sei. Wir besprachen diesen Vortrag und dieses Urtheil in einem Leitartikel. Die tief und specisisch-jüdische Religiosität und dif eigenthümlichen nationalen Verhältnisse müssen schon von vornherein dieser jüdischen Poesie einen besonderen oft sehr originalen Charakter aufprägen, der sich erst in der neueren Zeit verloren hat. Wer die Meister dieser Poesie kennt, ja, wer sie nur in den Uebertragungen von Krafft, Steinschneider, Dukes, Geiger, Sachs, Kämpf, gelesen hat, wird jenes absprechende Urtheil verwerfen müssen. Wir haben jetzt ein neues Beweisstück vorliegen: „Dichterklänge aus Spaniens besseren Tagen. Auswahl aus den Meisterwerken jüdisch-spanischer Dichter, metrisch übersetzt, und mit Noten versehen von Dr. A. Sulzbach. (Frankfurt am Main, Erras 1873.)" Was diese Uebertragungen auszeichnet, ist, daß sie einfacher, ungekünstelter sind, als Dies immer bei ihren Vorgängern der Fall ist. Die epigrammatische Spitze ist hier meist glücklich bewahrt, während diese sonstwohl durch weitläufige Umschreibung verwässert worden ist, doch verhehlen wir nicht, daß wir auch hier manchen Verstoß gegen die Metrik, harte Apostrophien und unreine Reime finden. Der Verfasser übertrug Gedichte von Iehuda Hallevi, Charisi und Joseph Sabara. Unter den ersteren sind besonders die Seelieder interessant. Die zweiten sind meist Epigramme; von Sabara (am Ende des zwölften Jahrhunderts) giebt der Verfasser aus dem „Buche ver Tändeleien". (Scha'aschuim), die Fabel vom Fuchs und Pardel, und von dieser wollen wir hier einige Stücke wiedergeben, die unseren Lesern Lust machen werden, das ganze kennen zu lernen. Sie hebt mit folgender Einleitung an: 4*

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