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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-20 · Heft 4 (20.1.1874) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 4 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Lald Quellen notwendig, die immer ergiebigere, nachhaltigere und allgemeinere Unterstützung gewähren könnten, als Dies von Seiten des Einzelnen überhaupt möglich war. Mit um so größerer Befriedigung ist daher die Bildung und das ersprießliche Wirken von Vereinen zu begrüßen, die sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht nicht nur den vorhandenen Uebelständen abzuhelfen, sondern überall belebend und vervollkommnend zu wirken sich zur Aufgabe machen. In ersterer Hinsicht wirkt besonders wohlthätig der „Verein zur U^erstützung armer israelitischer Erwerbsleute", der alljährlich seine unbemittelten Mitglieder mit Brennmaterialien für den Winter versorgt. Eine ähnliche Tendenz verfolgt auch der „Verein für israel. Hausarme", während zugleich israel. Waisenanstalten für das geistige und körperliche Wohl armer, elternloser >Kinder Sorge tragen, und ein israel. Krankenhaus arme Kranke ohne Unterschied des Glaubens unentgeltlich in Pflege nimmt. Außerdem besteht hier noch eine Versorgungsanstalt für dienstunfähige israel. Lehrer, und ein Wohnungsstiftungshaus für je 25 Familien jüdischer und christlicher Confession, und außerdem eine Anzahl israel. Studentenfreitischvereine. Wahrhaft rühmenswerth und anerkennungswürdig ist das Wirken des Vereins „Chanukka", der durch Anstellung tüchtiger Lehrkräfte für den unentgeltlichen hebräischen Unterricht armer israel. Kinder beiderlei Geschlechts sorgt und überdies alljährlich am Chanukkafeste eine große Anzahl derselben mit vollständigen Anzügen und diversen kleinen Gaben beschenkt. Erst gestern fand diese schöne erhebende Feier im Beisein vieler Gäste und Autoritäten statt. Herr Rabbiner vr. Stein, der seinerzeit aus Deutschland an die Prager Meiselsynagoge berufen wurde, hielt dabei den Kleinen vie Festrede, während der Cantor des Prager israel. Tempels, der rühmlichst bekannte Herr Tereles den gesanglichen Theil des Festes leitete. Unter den Vereinen, die sich bloß die Hebung der Wissenschaft im Iudenthume zur Aufgabe machen, ist in erster Reihe der Verein „Asike Jehuda" zu nennen, der durch sein ersprießliches, verdienstvolles Wirken dem Ziele, das er sich gesteckt, immer näher und näher rückt, indem durch diesen Verein allwöchentlich von den tüchtigsten, hiesigen Fachmännern interessante Vorträge veranstaltet werden, die sich eines immer größeren Zuspruches erfreuen. Was die jüdischen Vereine im flachen Lande betrifft, deren Zahl sich wohl mit der der Landjudengemeinden die Waage halten dürfte, so treten dieselben, wie leicht erklärlich, gegen das Wirken unserer hiesigen Vereine ziemlich in den Hintergrund. Ihre Tendenz ist zumeist die der Kranken- und Ärmenunterstützung, wobei sie jedoch recht viel ersprießliches leisten und so manche Thräne trocknen. Von ofsicieller Seite, wie von Seite hervorragender Privaten wird den israel. Vereinen die vollste Aufmerksamkeit und Würdigung geschenkt, und dieselben bei jeder Gelegenheit, gleichstehend mit den katholischen Vereinen, mit größeren oder kleineren Unterstützungen bedacht. Prag, im Januar. (Privatm.) Am 28. Dec. hielt der hiesige „israelitische Frcitischverein" im Saale des israel. Tempels seine statutenmäßige Generalversammlung ab. Nach dem Rechenschaftsberichte zählt der Verein 196 Mitglieder, an Jahresbeiträgen gingen 112 fl., an Spenden 208 fl. und an Interessen 253 fl. 22 kr. Dagegen wurden verausgabt für 6022 Speiseportionen 1029 fl. 32 kr., andere Ausgaben 145 fl. 33 kr. Das Vereinsvermögen beträgt im Baaren 1030 fl. 7 kr., und 4500 fl. in Werthpapieren. Am 1. Januar hielt der „israelitische Fortbildungsverein" seine erste Prüfung seit seinem Bestände. Zwei Schülerinnen begrüßten die'Versammlung mit Ansprachen, hierauf wurde die Prüfung vorgenommen, die zur allgemeinen Befriedigung ausfiel. Nach der Entfernung der Gäste wurden 28 Knaben und 28 Mädchen mit compteten Winteranzügen und mit Schreibrequisiten beschenkt. Frankreich. Paris, 17. December. In ihrer Sitzung vom gestrigen Tage hat die Nationalversammlung das Budget des israelitischen Cultus in folgender Höhe bewilligt: 1) für das Personal des israelitischen Cultus 174,000 Francs; 2) Beihülfe für die religiösen Gebäude des protestantischen und des israelitischen Cultus, zusammen 80,000 Francs. Paris, 1. Januar. iNach den Arch. isr.) Einen Wohlthätigkeitsact ohne Gleichen hat Herr Baron von Hirsch, der Gründer und Verwaltungspräsident der ottomanischen Eisenbahnen, geübt, welcher wohl allen Reichen in Israel als ehrenvolles Beispiel empfohlen werden dürfte. Er hat der Alliance israßlite universelle in Konstantinopel die Summe von Einer Million Franken zur Verfügung gestellt, mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß dieselbe zur Entwickelung des Unterrichtes in der israelitischen Bevölkerung des türkischen Reiches verwandt werden solle. - Diese Summe soll in sünfprocentiger französischer Rente angelegt werden. Je öfter wir in der A. Ztg. d. Judenth. die Gleichgültigkeit unserer Glaubensgenossen für die geistigen Interessen des Judenthumes zu tadeln hatten, desto größere Genugthuung empfinden wir über diesen Vorgang. Montag, den 29. December, begab sich das Comits der Alliance, fast vollzählig, zu Herrn v. Hirsch (in Paris), um demselben seine Glückwünsche und den Ausdruck des Dankes seiner Glaubensgenossen zu überbringen: der Großrabbiner Isidor und Herr Ad. Crömieux waren die beredten Dollmetscher der Gefühle, welche alle Anwesenden erfüllten. — Auch insofern hat das neue Jahr erfreulich begonnen, als abermals 39,530 Francs für die neue Gemeindecasse der pariser Israeliten eingegangen sind. — Das pariser Consistorium macht durch Circular an alle

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