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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-20 · Heft 4 (20.1.1874) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 4 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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nur eine Reihe kleinlicher Kämpfe und Verfolgungen sei. Man muß sie nur kennen und verstehen. Die Geschichte der HaSmonäer und Herodianer, der Belagerung und des Falles von Jerusalem, die Kämpfe und Bestrebungen der egyptischen Juden und der Aufstand von Bar-Cochba bieten des Mannichfaltigen, Leidenschaftlichen und Großartigen so Viel, wie kein anderes Stück der Weltgeschichte mehr davon enthält. Dann die providentielle Führung in der Zerstreuung der Juden durch die damalige Welt schon lange vor dem Römerkriege, in dem Erstehen und reichen Wachsthum der Synagoge neben dem Tempel und in der Grundlegung und kräftigen Entfaltung des traditionellen Gesetzes während des Bestandes des zweiten Tempels, — welche außerordentliche Einsicht, welche interessante Einblicke in die Tiefen der Geschichte der talmudischen Geistesarbeit in dem Aufbau der Halacha und der Hagada, und wiederum die Uebertragung der Lehrthätigkeit und jüdischen Gelehrsamkeit aus Palästina nach dem babylonischen Osten und von diesem in das europäische Westen, das ist doch wohl ein großes Bild geistiger Energie und geschichtlicher Fügung. Der Kampf des zur Herrschaft kommenden Christenthunls gegen das Judenthum und wie dieses von jenem aus allen gesellschaftlichen, politischen und geistigen Kreisen allmälig hinausgedrängt ward, dagegen in der arabischen Welt zur neuen Geltung und Blüthe gelangte. Ferner die Geschichte der Wanderungen unseres Stammes mit seiner eigenen Geistescultur in die verschiedensten Länder, und wie die einzelnen Theile desselben in diesen eine verschiedene Eigenart angenommen; dann die Originalität der Kabala und der ihr entsprungenen Secten, die fortgesetzte.Arbeit in der Casuistik, das Aufblühen und Absterben der Religionsphilosophie, das ganze Schriftthum, — welche Fülle und Mannichfaltigkeit der geschichtlichen Erscheinungen und Ereignisse, noch dazu, wenn hiermit der bunte Reichthum von Biographien der hervorragenden Persönlichkeiten verbunden wird. Hieran erst reihen sich die Naturgemälde der eigentlichen Verfolgungen, und selbst das trübe Bild der bürgerlichen Ausschließung und Beschränkung wird durch lebhafte Züge der Sitten und des häuslichen Lebens der Juden gemildert. Vieles entbehrten sie, und doch besaßen sie Vieles. Dies führt dann zu der neuesten Geschichte der bürgerlichen Gleichstellung und des verjüngten Culturlebens, die freilich nicht mit einigen dürftigen Notizen, Namen und Daten abgethan sein will. Es lag uns hier nur daran, jenen groben Jrrthnm in Etwas zu beleuchten, und einige Fingerzeige zu geben, wie reichhaltig und interessant der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte ist oder doch wäre, wenn er richtig ertheilt wird. Wir meinen allerdings nicht blos in der Religionschule mit der ihr so knapp zugemessenen Zeit. Aber wir müssen mit allen Mitteln dahin streben, daß diese Geschichte auch dem größeren jüdischen Publicum immer zugänglicher und in ihm immer verbreiteter werde. Denn es ist nicht zu verkennen, daß hierin eine außerordentliche Unwissenheit bei der Mehrheit.^unserer Glaubensgenossen herrscht, die von jenem großen geschichtlichen Schatze kaum eine Ahnung hat. Bändereiche Geschichtswerke vermögen diesen Dienst nicht zu leisten; aber auch nicht bloße Phrasen, wie wir sie oft aus dem Munde Derer vernehmen, welche auf eine gründlichere Kenntniß hinwirken sollten. 8er Islam «nd das Indenthum. I. Der Islam, diese großartige religiöse Erscheinung, welche in so vielen Jahrzehnten, wie das Christenthum in Jahrhunderten, sich einen großen Theil der Menschen unterwarf und diesen noch heute beherrscht, und zwar um so vollständiger, als in den islamitischen Staaten die weltliche und geistliche Macht zu allen Zeiten einig waren, und jene stets auf dem Boden dieser stand, — der Islam war niemals ein Schooßkind der europäischen Wissenschaft. Bis zur neuesten Zeit wurde er, wie auch von Luther und Melanchthon, für das Werk des Teufels, und Muhammed für einen vom Satan Besessenen erklärt.. Erst im letzten halben Jahrhundert haben sich gründliche Forscher mit dem Islam und seiner vielfältigen Entwickelung, sowie mit denl Koran beschäftigt und wichtige Ergebnisse geliefert. Die großartige theologisch-philosophische Literatur des Islam ist noch heute wenig gekannt. — Es kann daher nicht auffallen, daß auch das Verhältniß des Islam zum Judenthume, die detaillirte Erkenntnis, wie der Islam aus dem Judenthume seinen Ursprung genommen, wie viel er diesem verdankt, was er von ihm entlehnt, wie weit er mit ihm gegangen, und wo er sich von ihm getrennt habe, noch lange nicht genügend erforscht und nachgewiesen ist. Da es sich herausstellte, daß der Islam in seinem Hervorgehen aus dem Judenthume sich vielmehr an das traditionelle Judenthum, als an die h. Schrift selbst lehnte, war es christlichen Gelehrten mn so weniger gegeben, diese Aufgabe gründlicher zu lösen. Geiger brachte in seiner bekannten Jugendschrist (1833) die ersten Materialien hierzu heran. Schreiber dieses gab in der achten seiner Vorlesungen über „die Entwickelung der religiösen Idee". (S. 113 der zweiten Auflage) zuerst eine Vergleichung beider Religionen in ihren höchsten Lehren und deren Consequenzen. Genauer in das Einzelne ging er in seiner Abhandlung : „Der Islam und sein Verhältniß zum Judenthum und Christenthum" (Weltbewegende Fragen Theil II S. 291 ff.), er hatte es aber seinem Zwecke gemäß mehr mit dem bereits ausgebildeten Islam, als mit dessen Vorstadien und Ursprung zu thun, auf welche er nur einen Blick im Allgemeinen warf, um der Entwickelung nachzugehen. Dieses Feld ist demnach noch sehr zu bearbeiten, und wir freuen uns einen bedeutenden Beitrag jetzt in Händen zu haben. Der vor Kurzem in Alexandrien,

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