Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-13 · Heft 3 (13.1.1874) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 3 (13.1.1874)
Date
1874-01-13
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226960-3226964--32286-3255243
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

44 nach den Erwerbsverhältnissen Leider Parteien und verpflichtete den Beklagten schließlich, der Klägerin allwöchentlich 31/2 Doll. Unterstützung zu zahlen. Don Jüan Elias entschloß sich aber, zu seiner Ehefrau zurückzukehren, da es ihm in Folge der Börsenkrisis nicht möglich ist, neben seiner Junggesellenwirthschaft noch einen zweiten Hausstand von 31/2 Doll, wöchentlich zu unterhalten." Chile. Plymouth, 30. December. Das der Legislative von Chile vorgelegte Strafgesetzbuch enthält Bürgschaften für die freie Ausübung aller Religionen; der Clerus ist in gewissen Fällen der Einwirkung der Staatsbehörden unterworfen. Der Clerus hat dem Senate Bittschriften eingereicht, daß derselbe dem ihn betreffenden Gesetze die Bestätigung versagen möge. Ieuil Warnungstafel. Seit einer Reihe von Jahren lebte hier ein älterer Mann, Namens Fischer, seines Handwerks ein Schneider. Derselbe gab vor, früher Christ gewesen und iu Italien zum Judenthume übergetreten zu sein. Die von ihm dafür beigebrachten Beweise lassen gerechten Zweifel an der Wahrheit seiner Aussage zu. Wie Dem auch sei, — er macht unseren Glaubensgenossen keine Ehre. Anstatt, wie es ihm möglich gewesen wäre, seine Familie durch Ausübung seines Handwerks zu ernähren, überließ er es, sich einer völligen Unthätigkeit hingebend, der Privatwohlthätigkeit, für ihn zu sorgen. Nunmehr hat er seit fast einem Jahre unsere Stadt und seine Familie verlassen, um an den verschiedensten Orten, wie er auch früher schon gethan, die Mildthätigkeit unserer Glaubensgenossen zu mißbrauchen, während seine arme Familie sich in bitterster Noth befindet. Vor Kurzen! wurde er in London gesehen, woselbst es ihm gelang, unter dem Vorgeben, daß er ein. zum Judenthume übergetretener Graf Potoczki aus Warschau fei, Viele zu täuschen. Unsere dringende Bitte an unsere Glaubensgenossen geht dahin, den genannten Fischer nicht zum Zwecke seines zwecklosen Herumwanderns zu unterstützen, vielmehr dahin zu wirken, daß er zu seiner darbenden trauernden Familie zurückkehre. Kattowitz, im December 1873. Dr. Jakob Cohn, Der Vorstand der Synagogengemeinde. Rabbiner. Schalscha. Sämmtliche jüdischen Blätter werden freundlichst um Abdruck dieser Aufforderung ersucht. Correspondenz. Leichenbegängniß des Oberrabbiners der jüdischen Gemeinde in Fürth, Herrn Dr. Isaak LöwY, Ritter des Verdienstordens vom heiligen Michael 1. Classe. Fürth, 28. Dec. 1873. Heute Nachmittags fand die Beerdigung des Dr. Löwy unter außerordentlicher Theilnahme von Angehörigen aller Stände und l.e t 0 n. aller Confessionen statt. Löwy ist am 31. Januar 1803 in Adelsdorf bei Erlangen geboren, und hat sonach sein 71. Lebensjahr erreicht. Im Jahre 1827 als Rabbiner nach Uehlfels berufen, verblieb er seit 1831 in seiner hiesigen Stellung bis zu seinem Tode. Am 31. December 1830 bestätigte die bairische Regierung Löwy als Rabbiner in Fürth, fertigte bereits dessen Bestallungsdecrete aus, und ordnete seine Installation an, als auf erhobene Beanstandung, — die hier gegenwärtig herrschenden religiösen Verhältnisse lassen es nicht opportun erscheinen, auf die damaligen Vorgänge zurückzukommen, — erst am 10. März 1831 die allerhöchste Entscheidung erfolgte, wonach die Wahl des Dr. Löwy selbst höchsten Ortes sanctionirt, und worauf Montag den 21. März 1831 Löwy in seine neue Gemeinde eingeführt wurde, der er nun fast 43 Jahre Vorstand. Während der Verbringung der Leiche nach dem Gottesacker war ein großer Theil der jüdischen Läden geschloffen, und die Leichenfeierlichkeilen nahmen in der Hauptsynagoge ihren Anfang. Dieselbe war in allen ihren Räumen so überfüllt, — die Zahl der Anwesenden betrug wohl 2000, — daß nur Wenige im Verhältnisse zu den Einlaß Begehrenden Platz finden konnten. Nach einem ergreifenden Orgelpräludium, dem ein an erhebenden Melodieen reicher Gesang des Cantors Ebert und des trefflich geschulten Synagogenchors folgte, hielt Substitut Dr. Neubürger die nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Gedächtnißrede auf den Verstorbenen. Redner würdigte die Verdienste, die Löwy um die Emancipation der Juden nicht nur nach außen, sondern auch nach innen sich erwarb, wie er zu deren Hebung in der öffentlichen Meinung beigetragen, und betonte haupsächlich jene, die Löwy um die Förderung des Fortschrittes der Menschheit und Entwicklung der Menschlichkeit sich errungen. Er' schilderte die milde Auffassung des Verstorbenen, so daß sein von herzgewinnender Persönlichkeit unterstütztes Wesen selbst auf seine Gegner versöhnend wirkte. Schließlich gedachte Dr. Neubürger, daß der Frieden und die Eintracht in der Gemeinde auch das Werk des Verblichenen gewesen, und nach beendigter Predigt, der wieder ein Trauergesang folgte, bewegte sich der Leichenzug nach dem Friedhofe. Dem Zuge folgte eine unabsehbare Menschenmenge, der Magistrat, der aus eigenem Beschluß die Glocken sammt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.