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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-06 · Heft 2 (6.1.1874) · p. Seite 25

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 2 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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25 die jüdischen Schüler und Schülerinnen mehr als ein Drittheil der gefammten Schülerzahl betragen, besteht noch, den immer zunehmenden Bedürfnissen entsprechend, eine große Anzahl besteingerichteter Privatinstitute, die sich, während ihres langen Bestandes bereits einen guten Ruf in- und außerhalb Böhmens erworben haben. Was von den Hauptschulen gesagt wurde, gilt in demselben Maße auch von den Mittelschulen und in erster Reihe von den humanistischen Anstalten, von unseren Gymnasien. Während auf dem flachen Lande von den Frequentanten der Mittelschulen niehr als auf die israelitischen Zöglinge entfällt, betrug die Zahl der letzteren im verflossenen Studienjahre an den drei deutschen Prager Mittelschulen weit über 500 (die Hörerund Hörerinnen an der deutschen Lehrerrespective Lehrerinnenbildungsanstalt in Prag mit eingerechnet), und stieg im heurigen Jahre so sehr, daß der Religionsunterricht, der bisher sämmtlichen Schülern der prager Mittelschulen vom Herrn Rabbinatsverweser Prof. M. Adler allein ertheilt wurde, getheilt, und für dieses Fach noch ein zweiter Professor in der Person des Herrn Rabbiners Dr. Tauber ernannt werden mußte. Und mit Befriedigung können wir berichten, daß eben die jüdischen Schüler stets zu den .strebsamsten und intelligentesten gezählt werden müssen. Was endlich unsere Hochschulen betrifft, so finden wir hier dieselben erfreulichen Verhältnisse, wie auf dem Gebiete der Volks¬ und Mittelschulen. Die Zahl der an den beiden technischen Hochschulen zu Prag, sowie an unserer alma mater studirenden Israeliten beträgt weitaus über ein halbes Taufend, und überall macht sich ein gewisses ernstes Streben, ein reger Eifer bei denselben bemerkbar. Zahlreiche Unterstutzungsvereine innerhalb der Studentenschaft selbst sind bemüht, dr zu helfen, wo eigene Mittel und die Wohlthätigkeit Einzelner nicht ausreichen. Daß diesem immer regeren Bildungsdrang, diesem geistigen Fortschritt der Juden in Oesterreich auch von ofsicieller Seite die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt wird, zeigt die besonders in jüngster Zeit immer häufiger vorkommende Berufung jüdischer Fachmänner an die Hochschulen, besonders an die prager Universität. Der nunmehr verstorbene Prof. Dr. Wessely war wohl seiner Zeit der einzige ordentliche jüdische Professor.an einer Universität Oesterreichs, und mit ihm beginnt eigentlich erst die Berufung jüdischer Gelehrten an Hochschulen; seiner Ernennung folgte die des Prof. Dr. Kämpf für semitische Sprachen an unserer Universität, und jetzt haben in sännntlichen drei weltlichen Facultäten der prager Universität Männer aus dem jüdischen Volke die wichtigsten Lehrstühle inne, und sie sind es, die da zeigen, daß der Jude in Oesterreich seiner Stellung als vollberechtigter Staatsbürger auch in geistiger Hinsicht, in jeder Weise gerecht zu werden, vollkommen im Stande ist. K. 0. V. Jeuil Eine Zuschrift des Herrn L. Schr. Sie gestatten mir wohl einige Zeilen, die ich durchaus nicht als eine Nachschrift angesehen haben möchte zu der Criminalgeschichte „der Judenteich," die Sie im letzten Quartal des vorigen Jahrgangs gegeben haben. Diese Erzählung hat die freundliche Aufmerksamkeit einiger mir Nahestehenden, welchen seit langer Zeit meine Pseudonymität nicht verborgen ist, auf sich zu ziehen das Glück gehabt. Aber ich will nicht hier wiederholen, was sie mir darüber gesagt, sondern nur erwähnen, daß sie meinten, der Kern und Wendepunkt der^ganzen Erzählung, nämlich der Erwerb und die Aufbewahrung der Haarschnur durch Ascher Feitel, sei nur schwach erklärt, und es dränge sich dem Leser auf, ob ein so vorsichtiger und schlauer Mensch, wie der Genannte gewesen/wirklich die Thorhcit begangen haben sollte, ein ihm ganz unnützes Ding aufzubewahren, das doch die Entdeckung seiner Mitschuld herbeiführen konnte, und schließlich herbeigeführt hat. Ich kann nur dafür dankbar sein, daß man sich mit meiner Erzählung so lange beschäftigt hat, um Zweifel und Bedenken zu finden und auszusprechen, und ich gestehe, daß ich mich davon geschmeichelt fühle, so wenig ich sonst Anlage zu Ehrgeiz oder gar Eitelkeit habe. Jedoch die Befürchtung ist l e 1 o n. natürlich, daß auch andere, vielleicht recht viele Leser denselben Anstoß gefunden haben, und Das wäre mir schon ärgerlicher. Sie müssen daher, ob Sie wollen oder nicht, mir einen kleinen Raum gewähren, um mich darüber zu äußern. Das, glaube ich, wird der Leser der Erzählung abgesehen haben, daß sie nicht aus der Luft gegriffen, sondern in ihren Grundzügen dem Munde des Volkes und den wirklichen Gerichtsacten entnommen ist. Und da könnte ich mich einfach auf die Thatsache berufen, vor der alle Zweifel schweigen müssen. Und es ist Thatsache, welche zahllose Criminalfälle erweisen, daß selbst die schlauesten und in Verbrechen erfahrensten Sünderin oft überraschender, ja unbegreiflicher Weise irgend eine Unvorsichtigkeit begehen, welche zur Entdeckung führt und zu ihrem Verderben gereicht. Wenn das Volk sagt: Es ist Nichts so fein gesponnen, es kommt doch an's Licht der Sonnen, so geschieht Dies eben dadurch, daß in dem Gespinnste des Verbrechens irgend eine Masche offen bleibt, durch welche das Licht einbricht, und das Geheimniß klar zu Tage gefördert wird. Freilich, das Publikum urtheilt, nachdem die Unthat offengelegt worden, und hält nun für eine unbegreifliche Unvorsichtigkeit, was bei der Verübung der That ganz unbedeutend war und auf's Leichteste übersehen 2

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