Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1874)
- Date
- 1874-01-06
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
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24 lindern, das Gute zu fördern. Möge der Allmächtige dem Jubilar noch die Freude am Abend des Lebens bereiten, die dazu in der Synagoge fceigehaltene Stelle durch eine Orgel geschmückt zu sehen. Ehre und öffentliche Anerkennung solchem Ehrenmanne! Fürth, 26. Decbr. (Privatmitth.) Gestern, Donnerstag Abends 1V lji Uhr, verschied nach längerem Leiden sanft Herr Oberrabbiner, vr. Löwy, Ritter d. Verdienstordens d. h. Michael I. Classe, im noch nicht vollendeten 71. Lebensjahre. Die Leichenbestattung findet Sonntag Nachmittags den 28. December statt. (Näheres in der folgenden Nummer.) Oesterreichisch-ungarische Monarchie. Von der Theiß, 2 t. December. (Privatmitth.) Die Derouten in den sinanciellen Verhältnissen, in welche der ungarische Staat seit dem Jahre 1867 hineingerathen, üben auch auf andere Kreise ihren nachtheiligen Einfluß aus. Dieselben Zustände, oder besser Uebelstände, die sich im Großen, im gesammten Staatsleben zeigen, walten auch im Kleinen, in den Communen und Gemeinden ob. Auch in den meisten jüdischen Gemeinden sind es die leidigen Deficits, die die Vorstände beschäftigen. Auch hier ist, wie bei der Negierung und der Staatsverwaltung, das allgemeine Losungswort, dessen Werth und Bedeutung man zu spat erkannte, Neduciren und Sparen! Es ist Dies aber meist leichter gesagt, als gethan. Man ist zu weit durch prachtvolle Synagogenbauten in Schulden gerathen, das Einkommen der meisten Gemeinden ist durch die Verarmung der Steuerträger bedeutend kleiner geworden, die Ansprüche der Angestellten haben sich durch die Vertheuerung der Lebensmittel erhöht,— und es ist mit kleinen Reductionen da nicht abgethan. Es müssen radicale Mittel angewendet werden, wenn die Gemeinden von den Deficits sich wirklich curiren wollen. Nirgends ist der öffentliche Gottesdienst, der doch ursprünglich im Judenthume so einfach war, so übermäßig theuer als in Ungarn! Hier finden Sie in jeder Mittelgemeinde ein ganzes Heer von Angestellten: einen Obercantor und Untercantor, einen Bassisten und Organisten rc.; dabei machen die Herren Cantoren, die außerdem nicht das mindeste Amt in der Gemeinde versehen, solche immense Ansprüche, daß sie zu den bestbesolveten Gemeindebeamten gehören. Das Gehalt des Cantors in Kanischa z. B. ist ganz gleich mit dem des greisen Rabbiners Fasse!! Die Sporteln und Emolumente der Cantoren sind, wie Dies in der Natur der Sache liegt, überall höchst bedeutend. Dann kommen die zweiten oder Untercantoren, Korah, Bassisten und Regens chori, Diener und Schamoschim, Orgel und Chor an die Reihe, — und es ist kein Wunder, wenn die Gemeinde, die eine Schule mit 3—4 Lehrern zu erhalten hat, noch dazu ein eigenes Notariat und Secretariat schaffen muß, um ein solches Heer von Beamten zu bezahlen, Noch hat, die Stenern einzutreiben. Die Nothwendigkeit tritt nun immer mehr zu Tage, daß man die Stellen möglichst verschmelze und in eine Hand vereinige. Die Cantoren müssen theils in der Schule als Lehrer, oder als Secretäre Dienste leisten. Ich könnte Ihnen Gemeinden namhaft machen, .wo man ernst daran geht, anstatt 4—5 Personen, die beim Gottesdienst mitwirkten, dieselben auf 2 zu beschränken. Wenn die Gemeinden im Allgemeinen nicht so verfahren, so werden die Zustände sich noch mehr verschlimmern, und die Folgen werden sein, wovon auch schon einige Beispiele vorgekommen, daß man das Kind mit dem Bade ausschüttete, die Cantoren entließ, die Orgel (d. h. Organisten) beseitigte, — und zur allzu prosaischen Einfachheit zurückkehrte. Ich mag Ihnen die Namen der Gemeinden nicht nennen, aber es wäre mir ein Leichtes, meine Angaben mit zahlreichen Beispielen zu belegen. Fragen Sie z. B. in Arad, Kanischa, Temesvar u. s. w. an, was der Gottesdienst kostet, und Sie werden eine Summe vernehmen, die Sie für unglaublich halten werden. Hülfe muß hier bald geschafft werden, sonst werden die Gemeinden in ein Labyrinth gerathen, woraus sie sich dann gar nicht mehr werden herauswinden können. Prag, im December. (Privatmitth.) Seitdem den Juden in Oesterreich "burch die Verfassung gleiche Rechte und Pflichten mit ihren Mitbürgern ertheilt sind, und ihnen rechtlich und factisch der Zutritt zu allen öffentlichen Aemtern und Stellen offen steht, macht sich bei denselben ein immer regerer Wissens- und Bildungsdrang bemerkbar. Besonders gilt Dies von Oesterreichs schönster und gesegnetster Provinz, von Böhmen. Hier, wo der Jude durch sprachliche Verhältnisse in Betreff seines Schulwesens mehr auf sich selbst angewiesen war, finden wir dasselbe auch am besten entwickelt. Selbst die kleinste Judengemeinde im flachen Lande besitzt ihre eigene Hauptschule, die meist mit 2, bisweilen auch mit mehreren Lehrkräften besetzt ist, während durch Anschaffung von Schulbibliotheken für die geistige Selbstbildung des Kindes soviel als möglich gesorgt wird. Biele dieser Schu- , len besitzen bereits das Oeffentlichkeitsrecht, und werden von Kindern beiderlei Confessionen freguentirt, was auch bei vielen jüdischen Privatschulen in den böhmischen Landstädten der Fall ist. Bemerkenswerth ist übrigens, daß Dies zumeist in rein .czechischen Gegenden stattfindet, — in diesen kommen nämlich die zahlreichsten und stärksten Judengemeinden vor, — allerdings nicht zur großen Erbauung unserer oppositionellen Journalistik, die darin Germanisirungsversuche von Seiten der Juden finden will, wie denn auch jüngst das tonangebende jungczechische Journal mit einem Schrei des Entsetzens bemerkte, „daß die Zahl der jüdischen Privrtschulen in Böhmen, in denen Kinder ohne Unterschied der Confession Unterricht (natürlich in deutscher Sprache!) genießen, in einer erschrecklichen Weise zunehme." Günstiger noch als auf dem Lande, gestalten sich die Verhältnisse unserer Volksschule in unserer Metropole Prag. Während in sämmtlichen deutschen Prager Haupt- und Bürgerschulen