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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-06 · Heft 2 (6.1.1874) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 2 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 Constitution, wurde es später der Heerd der größten Neaction und des wieder Herr gewordene Absolutismus in Deutschland. Für einen-Mann, wie Herr Rothfels war, gab es da weder Auszeichnung noch Anerkennung von oben. Um so wichtiger war es, daß seine Mitbürger ihn wiederholt zum Mitgliede des Stadtrathes wählten, einer Behörde, die auch in den schwersten Zeiten ihr Amt musterhaft verwaltete, bis sie nach dem Umschwünge des Jahres 1866 das Aufblühen der Stadt erlebte, das so lange unterdrückt worden war. Herr Rothfels gehörte zu denjenigen seiner Amtsgenossen und Mitbürger, die nach dem jüngsten Kriege, in welchem er so hervorragende Beweise von Patriotismus gegeben, von ihrem Könige mit hohen Orden belohnt wurden. In Cassel war es aber auch, wo schon im Jahre 1808 die Juden des damaligen Königreichs Westphalen emancipirt wurden, und wo ein Israel Jacob so n an der geistigen und sittlichen Hebung seiner Glaubensgenossen arbeitete. Der auf diesem Gebiete ausgestreute Samen konnte nicht ganz untergehen, und so sehen wir denn in Hessen eine Reihe von jüdischen Institutionen, wie sie nirgends so frühe vorgekommen. Provinzialverbände mit Centralbehörden, eine Lehrerbildungsanstalt, öffentliche israelitische Schulen, definitive Bestallung der Lehrer haben hier seit einem halben Jahrhundert ihren Boden. Zum Glück fehlte es nicht an Männern, die bis zur Gegenwart herab im Geiste Jacobsons fortwirkten, und Herr Rothfels gehörte zu den eifrigsten unter denselben. Als langjähriges Mitglied des niederhessischen Provinzialvorstandes machte er sich besonders die .Unterstützung des Lehrerstandes, den er nicht allein als Bildner der Jugend, sondern auch als Träger der von ihm leidenschaftlich geliebten nationalen Sangesweisen beim Gottesdienste hochschätzte, zur Aufgabe. Selten wird ein aufrichtigerer Lehrerfreund in Wort und That angetroffen. Neben unzähligen einzelnen Acten seiner Gesinnung in dieser Hinsicht ist besonders seine im Jahr 1868 mit 25,000 Thalern errichtete Schulstiftung zu erwähnen, durch welche er dem hiesigen Lehrerseminar ein bleibendes Schulgebäude, den Lehrer-Wittwen und Waisen, sowie den emeritirren Lehrern in der vormaligen Provinz Niederhessen jährliche Revenuen sicherte. Wohlthätigkeit war es überhaupt, die dem geschilderten Leben den harmonischen, altgerühmten Dreiklang verlieh; und wie es eigentlich eine ununterbrochene Kette von edlen Handlungen war, und sozusagen mit der Feier der fünfzigjährigen Vorsteherschaft eines, wohlthätigen Vereines abschloß, so mußten auch die letztwilligen Bestimmungen der Vergangenheit entsprechend sein. Möchten sich die Edlen dieser Art in Israel doch mehren! Cassel, 15. December. (Privatmitth.) Das in so vielen israelitischen Familien fast in Vergessenheit gekommene Chanukkafest ist auf Veranlassung des Herrn vr. Adler dies Mal hier in würdigster Weise eingeleitet worden. Der gestrige Abendgottesdienst begann unter reger Theilnahme in dem festlich erleuchteten Gotteshause mit Choralgesaug und Predigt. Anknüpfend an die Festhymne "ü’ ‘■na* nyra, in welcher der Opfermuth jener Glaubenshelden, die für die Gotteslehre gekämpft, verherrlicht und der Vater des Lichts für den Sieg des Lichtes gepriesen wird, sprach der Herr Di-. Adler ein kurzes Gebet und hielt sodann über Jesajah 2, 5 „Haus. Jakobs, lasset uns wandeln im Lichte des Ewigen!" einen sehr gehaltvollen Vortrag, Zu wünschen wäre, daß diese schöne Idee zur würdigen Feier des Chanukkafeftes, welche Sie, geehrter Herr Redacteur, schon vor Jahren angeregt, in allen jüdischen Gemeinden verwirklicht werden möchte. B. Pr. Stargard, 20. Dec. (Privatmitth.) Heute fand in unserer Stadt bei dem hochgeachteten Mitbürger, dem Rathsherrn und Fabrikbesitzer Herrn I. Goldfarb, eine erhebende Feier statt. Derselbe beging sein 25jähriges Jubiläum als Vorsteher der Synagogengemeinde. Zur Beglückwünschung hatten sich außer zahlreichen Verwandten und Freunden Deputationen vom hiesigen Magistrat, vertreten durch den Bürgermeister Herrn Ewe und mehrere Rathsherren, vom Vorstande der Synagogengemeinde, vom Handwerkerfortbilvungsverein, vom Frauenverein zur Unterstützung armer Wittwen, vom Vereine gegen Hausbettelei jüdischer Reisender, vom Verein junger Leute zur Bekleidung armer Schulkinder eingefunden. In einer herzlichen Ansprache hob Herr Bürgermeister Ewe die Verdienste des Jubilars um das städtische Gemeindewesen und um die hiesige Synagogengemeinde hervor, und überreichte ihm sodann eine Adresse des Magistrats. Die Vorsteher der Synagogengemeinde und der Rabbiner Herr Dr. Brann begrüßten den Jubilar mit Hervorhebung seiner großen - Verdienste um die Synagogengemeinde, und überreichten nebst einer Adresse einen kunstvoll gearbeiteten silbernen Tafelaufsatz. In der Synagoge war des Jubilars Sitz von freundlicher Damenhand bekränzt morden, und der Rabbiner Herr 0r. Brann hielt eine auf das Tempelweihe- und das Jnbiläumsfest bezügliche Predigt. Tiefgerührt dankte Herr Goldfarb für die vielen unerwarteten Beweise allgemeiner Liebe und Hochachtung. Seinen unabläßlichen Bemühungen und seiner Opferwilligkeit, durch -bedeutende pecuniäre Mittel unterstützt, ist es gelungen, die vor 25 Jahren in einem Chaos liegenden Verhältnisse der hiesigen Synagogengemeinde derart zu ordnen, daß in der Provinz kaum eine zweite Gemeinde zu ermitteln sein wird, die ebenso wohlgeordnete Verhältnisse aufzuweisen vermag. Der Synagoge wie der Religionsschule widmete er unausgesetzt Aufmerksamkeit und Pflege, den schönen Begräbnißplatz, vor dem ein stattliches Wärterhaus errichtet ist, hat der Jubilar der Synagogengemeinde zum Geschenk gemacht. Aber auch andere Bewohner der Stadt und Umgegend, ohne Unterschied der Confession, sind von dem Wohlthatigkeitssinne des verehrten Jubilars nicht ausgeschlossen. Mit seltener Humanität sucht er die Noch zu

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