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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-06 · Heft 2 (6.1.1874) · p. Seite 22

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 2 (6.1.1874)
Date
1874-01-06
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 ^eilxuji^öitctcßtxcßtea. Deutschland. Berlin, 25. Dec. In der am Donnerstag stattgehabten allgemeinen Versammlung znr Begründung eines jüdischen ConsumVereins wurde, nachdem der Vorsitzende Herr Kelle die Versammlung eröffnet, das von der Commission entworfene Statut verlesen und im Allgemeinen für gut befunden. Der Zweck des Vereins ist, billiges koscheres Fleisch zu beschaffen. Mitglied kann Jeder werden, lohne Unterschied der Confession), welcher einen einmaligen Beitrag von 10 Thalern zahlt. Vorläufig ist die Mitgliederzahl auf nur 400 beschränkt. Bei der darauf stattfindenden Debatte zeigte sich das lebhafteste Interesse für den Verein, das sich auch dahin kund gab, daß über 100 Personen durch Zeichnung ihren Beitritt erklärten, während eine noch größere Zahl, am Erscheinen verhindert, ihren Beitritt anmeldete, und somit das Zustandekommen des Vereins gesichert ist. vr.-A. Berliner, der, wie unseren Lesern bekannt ist, einige Monate dieses Jahres in Italien zur Durchforschung dortiger Bibliotheken nach jüdischen Mannscripten zubrachte, wird eine, alle vierzehn Tage in einem Bogen erscheinende Zeitschrift „Magazin für jüdische Geschichte und Literatur" herausgeben, in welcher er die Ergebnisse seiner Reife, sowie Beiträge anderer Gelehrten über geschichtliche und literarische Gegenstände ans dem Gebiete des Judenthums veröffentlichen will. Aachen, 25. Dec. (Privatm.) Als ich meinen Artikel in voriger Nummer schrieb, lag mir die Nr. 307 der Aachener- Zeitung nicht vor, in welcher über die boshaften Aenßerungen des Pfarrers Michels aus Kohlscheid berichtet war. Ich muß daher noch einmal darauf zurückkommen. Es war in der sechsten Generalversammlung des „Congresses der christlichen Arbeiter von Rheinland und Westphalen", und es wurde über „die Gründung von Erwerbsgemeindcn" lProductivgenosfenschaften) debattirt, als mitten in der Debatte hierüber Pfarrer Michels das Wort ergriff. Die Aachener Zeitung berichtet: „Pfarrer Michels (Kohlscheid) polemisirte gegen das Judenthum, das sich auch in Aachen eingenistet und durch den von ihm betriebenen Zwischenhandel alle Gegenstände vertheuert habe. Das Judenthum suche sich überhaupt überall einzndrängen und mache sich leider auch in der Gesetzgebung breit. Man müsse daher auf Mittel sinnen, durch welche dieses Uebergrcifen der Juden beseitigt werden könne. Das Mittelalter habe sich wohl dagegen zu schützen gewußt; sollte denn Dies nicht auch uns möglich sein?" Wie wir schon bemerkt, giebt es in Aachen gar keine Juden, welche sich mit solchem „Zwischenhandel" beschäftigen, und hiermit ist die ganze Anklage als ein Act boshafter Verleumdung, unter Erregung von Haß zwischen den Bürgern einer nnd derselben Stadt, genügend gekennzeichnet. Und bei allen diesen nicht provocirten Ausbrüchen des Hasses seitens der Ultramontanen gegen die Juden, sollen diese noch die gehorsamen Diener und Schleppträger derselben bilden, und jene sind sehr verwundert, wenn sich diese nicht dazu hergeben und ihren eigenen Ansichten und Meinungen folgen! Breslau, 17. Dec. (Privatmitth.) In der Angelegenheit der jüdischen Gemeindcverfaffung hat sich der hiesige Vorstand der berliner Petition pure angeschlossen, wiewohl wir mit der Formulirung der Anträge nicht durchgehends einverstanden waren. Es schien aber für den nächsten Zweck einer möglichst einmüthigen Manifestation von untergeordneter Bedeutung, — wenn nicht gar nachtheilig, — abweichende Ansichten im Detail zur Geltung zu bringen. Ein Weiteres wird wohl für jetzt um so weniger geschehen, als dem Vernehmen nach in der gegenwärtigen Session die Vorlage der Staatsregierung nicht zu erwarten ist. Cassel, im December. (Privatmitth. Verspätet.) Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, deren Hingang in diesem Blatte verzeichnet wird, müssen wir nun auch den am 12. d. M. dahier verstorbenen Herrn Jeremias Rothfels zählen. Wenn ein späteres Geschlecht, vielleicht ruhig die Früchte genießend, die nach dem Entwickelungsdrange dieser Zeit gereift, die Gestalten durchmustern sollte, die ihm die Geschichte als die Träger dieser Uebergangsperiode nennt, so wird es jedenfalls ob der geistigen und sittlichen Kraft staunen, welche die bewährtesten unter ihnen beseelt hat. Wer als Dreiundsiebzigjähriger, wie Herr Rothfels. dahingegangen, der hat seine geistige Bildung nicht von der Oberfläche der Zeit geschöpft, sein modernes Wissen nicht von den jüdisch-nationalen Geistesschätzen losgelost. Der Verblichene war ebenso heimisch in der Sprache und Literatur, die am Jordan entstanden, wie in derjenigen Griechenlands und Roms; er versenkte sich ebensowohl in den Gang der Geschichte, wie er die Erscheinungen zu enträthseln suchte, die sich oben am Himmelszelte vollziehen. Und so war auch sein Charakter von jener Oberflächlichkeit frei, die sich in der Gegenwart so oft breit macht. Tiefe des Gemüthes, Innigkeit des Glaubens, volle Uebereinstimmung der That mit dem religiösen Motiv machten die Grundzüge im Seelenleben eines Mannes aus, den die gütige Vorsehung, indem sie ihn zugleich mit irdischen Gütern begabt hatte, an einen Platz stellte, der vielleicht erst von der Nachwelt recht gewürdigt werden wird. So gering auch das vormalige Kurfürstenthum Hessen an Land und Leuten war, so hat eö dennoch in der Geschichte der neuesten Zeit, nnd zumal in der neuesten Geschichte der Inden, mehr Bedeutung als mancher große Staat. Als Mittelpunkt des ehemaligen Königreichs Westphalen mit seiner freisinnigen

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