Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 38 (1874)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 nachsprach, gebot ihm der Sprecher des Hauses , sich aus diesem zu entfernen, was er auch that. Anders verfuhr David Salomons, als er 1851 für Greenwich gewählt worden, und es gab da am 21. Juli eine großartige Parlamentsfcene, die von den Engländern selbst für eine der interessantesten in der Geschichte des Parlaments erklärt wird. Eine genauere Schilderung derselben hatten wir bis jetzt nicht und fanden sie erst in der vor Kurzem erschienenen Uebersetzung eines Essays von Bernard Cracroft, über welchen wir im literarischen Wochenbericht Näheres mittheilten. Diese Parlamentsfcene aber ist von solchem Interesse, daß wir sie hier mit den Worten des Herrn Cracroft wiedergeben wollen. Wir thun Dies auch aus dem Gründendem würdigen Sir D a v i d S a l o m o n s, der nach einer glänzenden Laufbahn als Sheriff, Aldermann und Lord-Mayor von London und Mitglied des Unterhauses — im Jahre 1869 wurde er auch von der Königin zum Brronet erhoben — am 18. Juli d. I. im 76. Lebensjahre verstorben ist, gewissermaßen an dieser Stelle ein Denkmal zu setzen. . Der Bericht lautet: Nach einer bitteren Wahlschlacht im Juli 1851 wurde Herr David Salomons, Alderman der Stadt London und Magistrat und Vice-Grafschaftsvorsteher für Kent und Sussex, von einer beträchtlichen Mehrheit als Parlamentsvertreter für Greenwich erwählt. Er erschien am 18. jenes Monats im Unterhause, um seinen Sitz einzunehmen und den erforderlichen Eid abzulegen. Als er zu diesem Zwecke zum Tische gegangen war, verlangte er, daß ihm der Eid auf das alte Testament abgenommen werde, und gab (in Antwort auf die Frage des Sprechers) als Grund hierfür an, daß diese Art der Eidesleistung die für sein Gewissen am meisten bindende sei. Er leistete den Suprematie- und Unterthaneneid in der üblichen Form, und ebenso den Eid, der ihn zur Anerkennung der Obergewalt des Souveräns in Kirchensachen verpflichtete. Als er jedoch den Abjurations-Eid dem Sekretär des Unterhauses nachsprach, ließ er die Worte „auf den wahren Glauben eines Christen," welches die Schlußworte des Eides sind, aus. Cr wiederholte die Worte: „So helfe mir Gott," küßte das alte Testament und verlangte alsdann, den Abjurations- Eid unterzeichnen zu dürfen und nachzuweisen, daß er die Vermögens - Qualification habe. Dieses wurde ihm jedoch nicht gestattet, und der Sprecher wies ihn an, sich zurückzuziehen, da er den Abjurations-Eid nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise geleistet habe. Herr Salomons zog sich hierauf demgemäß auch hinter die Schranke des Hauses zurück. Hieraus erhob sich Lord Llanover (damals Sir Benjamin Hall) und sagte, daß er von dem Vertreter für Greenwich gebeten worden sei, zu erklären, daß er aus Achtung für das Präsidium sich zurückgezogen habe, daß er aber zu wissen wünsche, ob die Negierung ihn, wenn er in das Haus käme und seinen Sitz einnähme, wegen der vom Gesetze angedrohten Strafen gerichtlich belangen würde, damit die Rechtsfrage von einem Gerichtshöfe entschieden werde. Lord John Russell war abwesend, und die Frage wurde vertagt. Aber schon am 21., an einem Montage, begann der Kampf in einem vollen Hause. Sir Benjamin Hall wiederholte die von ihm bereits früher gestellte Frage. Lord John Russell gab zur Antwort, daß die Negierung nicht die Absicht habe, irgendwie gegen das ehrenwerthe Mitglied vorzugehen. „Dann," sagte Sir Benjamin, „bleibt dem Vertreter für Greenwich nur das Eine übrig, nämlich seinen Sitz einzunehmen." Hierauf erhob sich Herr Salomons, der hinter der Schranke gesessen hatte, und nahm unter den heftigen Zurufen: „Zur Ordnung," während auch Beifallsrufe nicht fehlten, seinen Sitz ein. Der alte Sir Robert Jnglis erhebt seine nestorische Gestalt und schickt sich an, das Haus anzureden, aber der Sprecher unterbricht ihn. Sprecher: „Es ist einem ehrenwerthen Deputaten nicht gestattet, seinen Sitz in diesem Hause einzunehmen, wenn er nicht den vom Gesetze vorgefchriebenen Eid geleistet hat. (Beifall.) Ich muß daher das am vergangenen Freitag von mir gestellte Ersuchen wiederholen und verlange, daß der Herr sich sofort zurückziehe." Trotz der häufigen und ärgerlichen, hauptsächlich von den Oppositionsbänken herübertönenden Rufen: „Abtreten, Abtreten!" behielt Herr Salomons seinen Sitz. Die Verlegenheit dA Hauses war unbeschreiblich. Endlich stand Lord John Ruffel auf, den Antrag zu stellen, „daß dem Alderman Salomons befohlen werde, das Haus zu verlassen." Bevor er jedoch seine Meinung erklären konnte, ließ Herr Bernal Osborne auf einem Stückchen Papier den Gegenantrag in die Hand des Sprechers gleiten. Der Sprecher rief laut der Versammlung zu, dem Präsidium beizustehen. „Ich erhebe mich, Sir," sagte Lord John Russell, „Das zu thun, und stelle den Antrag, daß Alderman Salomons Befehl erhalte, abzutreten." Mit außerordentlicher Geschicklichkeit gestaltete Herr Osborne seinen Antrag in ein Amendement um. „Ich stelle," sagte er, „das Amendement, dessen Inhalt ich in Ihre Hand gegeben habe." Der Sprechererklärte hierauf den Antrag und las Herrn Osborne's Amendement, „daß David Salomons rc. rc. berechtigt ist, seinen Sitz einzunehmen.". Unter lauten Rufen: „Abstimmen" beantragte Herr Anstey die Vertagung, da das Haus nicht in der geeigneten Stimmung sei, ein Votum abzugeben, indem es zu sehr von Leidenschaft hingerissen sei; aber der Antrag fiel gegen eine Mehrheit von 132 Stimmen. Seltsam wie es scheinen mag, bei dieser Abstimmung gab Herr Salomons sein erstes Votum. Rach einer langen und heftigen Discussion, an welcher Lord John Russell, der Solicitor-General, Herr Bethell und Sir Frederic Thesiger theilnahmen, wurde über Herrn Osborne's Amendement abgestimmt, welches schließlich mit einer Majorität von 148 Stimmen verworfen wurde. Wieder beantragte Herr Anstey die Vertagung, worauf Herr Salomons, auf die Aufforderung des Herrn Hobhouse hin, dem Hause mitzutheilen, welche Maßregeln er zu ergreifen denke, sich zum Sprechen erhob. Die nun folgende Scene war nicht wenig interessant. In der Mitte des Unterhauses stand ein höchst mild aussehender Mann von feinen l*