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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-01 · Heft 1 (1.1.1874) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 1 (1.1.1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Dem Vater lande nach waren die Petenten: aus Ungarn 86, aus Galizien 41, aus Mähren 27, aus Böhmen 13, aus Oesterr.-Schlesien 4, aus der Bukowina 5, aus Oberösterreich 2, aus Triest 4, aus der Militärgrenze 2. Das heurige Jahr, das so Manchem zu seinem Beginne freudige, in seinem Verlaufe aber nur trübe Tage gebracht, hat für die Studirenden, wir können es gewiß sagen, meist nur trübe und traurige Verhältnisse zu Tage gefördert. Die Theuerung der Lebensmittel, der furchtbar gesteigerte Wohnungszins und die im Verlaufe des Jahres plötzlich eingetretene Verarmung vieler Familien, sowie die nothwendig gewordene Einschränkung häuslicher Bedürfnisse, haben den Studirenden viele traurige Stunden gebracht, und so manche müßten gänzlich ihre Laufbahn aufgeben, wenn ihnen nicht irgend welche Unterstützung zu Theil würde. Unsere Mittel sind jedoch sehr gering, und wir erlauben uns daher, in Anbetracht der traurigen Verhältnisse der Außenwelt, sowie der schwierigen Verhältnisse der armen Studirenden, die Bitte an unsere hochgeehrten Mitglieder, unserem Vereine weiter ihre Unterstützung zu leihen und wo es ihnen möglich ist, demselben durch Anwerbung von neuen Mitgliedern helfend zur Seite stehen zu wollen. Die Zahl der Mitglieder in diesem Jahre war 173. Herr Gemeinderath ^Gustav Figdor spendete im eigenen Namen und im Namen seiner Schwester, Frau Fanny Wittgenstein, von den im Testamente ihres am 28. April 1873 verstorbenen Vaters Herrn Wilhelm Figdor, k. k. priv. Großhändlers und Bürgers in Wien, legirten 10,000 st. laut dem ihnen zustehenden Widmungsrechte, dem Vereine 1000 st. Frau Cäcilie Königswarter, geb. Wertheimer testirte für den Verein 5000 fl." Abgesehen von diesen und einigen anderen Spenden zum Fonds, betrugen die Jahreseinnahmen 3845 fl., von denen 3497 fl. zu den Unterstützungen verausgabt wurden, 217 fl. blieben in Kassa, also doch ungefähr 100 fl. mehr als im Vorjahre. Der Fonds des Vereins stieg auf 22,950 fl. Daß dem Vereine noch viel mehr Mittel zufließen könnten, und dadurch seine Wirksamkeit sich bedeutend ausdehnen ließe, ist keinem Zweifel unterworfen. Immer noch finden wir kein einziges Mitglied außerhalb Wiens aus dem gesammten großen Kaiserstaate in dem Verzeichniß — während doch die unterstützten Studirenden bis auf einen verschwindenden Bruchtheil nicht aus Wien sind. Hoffen wir, daß endlich auch die hervorragenden Männer der Provinzen zum Bewußtsein ihrer Pflicht gegen die Kinder ihres eigenen Landes, ja ihrer Gemeinden, kommen werden. — In diesen Tagen ist hier eine Broschüre erschienen : „Der Judenhaß von I. W—m—r. (Wien, Gebrüder Winter.)" Dieselbe ist trefflich gemeint, und ganz gut geschrieben, aber einseitig, indem sie allen Judenhaß dem Clerus in die Schuhe schiebt. — Frankreich. Paris, 15. December. (Nach den Arch. isr.) Die Redaction der Arch. isr. legt ein großes Gewicht auf die Wahl eines Herrn Moritz Kuppenheim in Lyon zum Mitgliede der Gesellschaft des Gewerbeunterrichts, welche in dieser Stadt eine segensreiche Wirksamkeit übe und aus der Elite der lyoner Gesellschaft bestehe. Er wurde einstimmig von 158 Votanten gewählt. Der Vorsitzende der Gesellschaft ist übrigens auch ein Israelit, Herr Lang. — Algierer Zeitungen theilen mit, daß die Söhne der eingebornen Israeliten, welche durch das bekannte Decret Cremieux naturalifirt worden sind, von der Rekrutirung für 1874 ausgeschlossen werden sollen.. Die Blätter sind natürlich darüber entrüstet, und um so mehr, als zwar die altern Juden Dies gern sehen würden, die jüdische Jugend aber wiederholt ihre volle Neigung, diese Pflicht gegen das Vaterland zu erfüllen, laut zu erkennen gegeben hat. Gleiche Rechte müssen auch gleiche Pflichten zur Folge haben. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so wäre es ein intriguanter Schritt, um factisch die von gewissen Parteien ungern gesehene Naturalisation der eingeborenen Israeliten zu Hintertreiben. — Auf dem französischen Dampfboot Ville du Ilavre, welches einer so schrecklichen Katastrophe unterlag, befanden sich auch einige jüdische Familien. — In Besannen hat sich eine Gesellschaft zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten gebildet. Holland. Haag, im December. Vor Kurzem haben die Herren E. M. Kajen allhier ein neues Handlungshaus eröffnet. Bei dieser Gelegenheit übersandten sie 25,000 Fr. an das israelitische Ho. spital, indem sie bemerkten: sie wollten ihr neues Hauptbuch mit einer guten Ausgabe beginnen. e u i l f c i o n. Die große Parlamentsscene im englischen Anierhanse am 2l. Zuli 1851. Bekanntlich stand dem Eintritt von Juden, sobald sie zu Mitgliedern des Unterhauses gewählt worden, in England kein eigentliches Gesetz entgegen, sondern nur die Formel in dem abzuleistenden Eide: „Auf den wahren Glauben eines Christen". Im Jahre 1850 war der Baron Rothschild für London gewählt worden. Als er jedoch im Hause den Eid ohne die Formel

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