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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1874-01-01 · Heft 1 (1.1.1874) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
38 (1874)
Issue
Heft 1 (1.1.1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Geldern, im December. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Gemeinde ist in der Lage, eine neue Synagoge und Schule bauen zu müssen, und ist sie nicht im Stande, trotz langjähriger Anstrengung aus eigenen Mitteln solche herzustellen. Sie ist darauf hingewiesen, bei den Glaubensbrüdern um gefl. Unterstützung zu bitten. Der Vorstand erläßt daher eine dringende Bitte an Alle, die sich für solche heilige Werke interessiren. Möge er recht vieles Gehör finden! Wongrowitz (Posen), 15. December. (Privatmittheilung.) Am 10. December d. I. feierte der erste Lehrer der hiesigen jüdischen Elementarschule, Herr B. Marcnse, sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Die hiesige Gemeinde, in welcher der Jubilar während der langen Reihe von Dienstjahren wirkte, hatte es sich zur Pflicht gemacht, diesen Tag recht festlich zu begehen. Es begab sich um 9 Uhr der jüdische Schulvorstand, an der Spitze der Herr Bürgermeister Alberti und Herr Schulinspector Kolbe, zum Jubilar und überreichten ihm unter liefergreifenden Worten, worin die bedeutenden Verdienste desselben hervorgehoben wurden, eine Gratification von 50 Thlrn. Gleich darauf begab sich das Festcomitö unter Vorantritt des Herrn Salo Landek in die Wohnung des Jubilars und überreichte im Namen der hiesigen und auswärtigen Schüler ein Feftgeschenk im Werthe von 80 Thlrn. Ihm schlossen sich das hiesige Lehrercollegium von allen Confessionen an, und überreichten ihrem verehrten Collegen und langjährigen Freund ein kleines Andenken „Shakspeare's Werke von Schlegel und Tiek." Der Redner betonte, daß der Jubilar mehr auf den guten Willen sehen möge, als auf den materiellen Werth. — Auch die Damenwelt ließ es sich nicht nehmen, ihrem früheren Lehrer ein kleines Andenken zu verehren. Zahlreiche sonstige Geschenke, Depeschen und Briefe aus allen Weltgegenden bewiesen, mit welch' hoher Achtung und Liebe die ehemaligen Schüler noch an ihrem Lehrer hingen. Um 11 Uhr fand in der jüdischen Elementarschule eine würdige Schulfeier statt, der sich ein Festessen und ein Ball anschlossen. G. Spiewskowski, Lehrer. Metz, 16. Decbr. Der „Temps" meldet aus Metz, daß bei dem dortigen Banquier Goudchaux eine Wahlversammlung stattgefunden, und daß dieselbe Dupont de Loges, Bischof von Metz,, als Candidaten für den Reichstag aufgestellt hat. Goudchaux, ein Großneffe des bekannten Finanzministers der Republik von 1848, ist Republikaner und Israelit. Die Klerikalen, Liberalen und Republikaner wollen in Metz Hand in Hand gehen. Dupont de Loges ist bekanntlich ein Ultra der ultramontanen Partei. (Man sieht, daß hierbei die antideutsche Gesinnung alle politischen und religiösen Motive wirkungslos macht. Ein Jude und entschiedener Republikaner stimmt und wühlt für einen ultramöNtanen Bischof, weil dieser, — der deutschen Reichsregierung Opposition machen wird! Jetzt sage man noch, daß die Eigenschaft als Jude irgend ein politisches Gewicht habe! Redaction.) Metz, im December. Die „Metzer Zeitung" äußert sich sehr bitter gegen die Verwaltung des israelitischen Hospitals dieser Stadt, welche jüngst einen armen Kranken aus dem Hospital entfernt habe, mit dem Ausspruche, daß sie keinen deutschen Juden in die Anstalt ausgenommen haben wolle. Der Kranke mußte nach einem christlichen Hospital gebracht werden. Das gedachte Blatt .stellt diesem nationalen Fanatismus, der selbst das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit überwindet, das Benehmen der deutschen Juden entgegen', welche soeben eine Wohlthätigkeitsanftalt gegründet haben, die zur Unterstützung hülfsbedürftiger Juden ohne irgend welchen Unterschied bestimmt ist. Die Redaction der Arch. isr., die bei dieser Gelegenheit viel mit Prussiens um sich wirft, obschon sie wissen mußte, daß Metz jetzt nicht preußisch, sondern deutsch ist, verlangt erst die Bestätigung dieser Nachricht. Auch wir wünschten, daß eine Widerlegung stattfinden möge, bezweifeln aber eine solche, weil sie sonst nicht so lange hätte auf sich warten lassen. Oesterreichisch - ungarische Monarchie. Wien, im Dec. (Privatm.) Wie jährlich nach Abschluß des Vereinsjahrs mit dem 1. Oct., ist auch der „Zwölfte Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenden in Wien" vor Kurzem ausgegeben worden. Das Jahr 1873 war, wie für alle Wohlthätigkeitsanstalten Wiens, auch für diesen Verein ein Jahr der Prüfung — doch hat er diese glücklich überstanden. Lassen wir den Bericht selbst sprechen: „Wie in jedem Jahre seit der Gründung unseres Vereins, so haben wir auch in diesem vielen fleißigen und strebsamen Studirenden namhafte Unterstützungen und Beihilfe angedeihen lassen, dieselben in ihrem Streben nach Wissen theils während ihrer Studienzeit, theils nach Vollendung derselben unterstützt, sowie denselben die Wege ihrer Studien gebahnt und ihnen auf diese Weise die Mittel zur Begründung ihrer Existenz, so weit es uns möglich war, geboten. Bei Prüfung der uns vorgelegten Eingaben und Gesuche gingen wir mit aller nur möglichen Aufmerksamkeit vor und haben, da wir leider auch in diesem Jahre nicht über bedeutende Mittel verfügen konnten, nur jene Petenten abgewiesen, die nicht im Stande waren, uns Belege ihrer Verdienstlichkeit vorzulegen. Es gingen 214 Gesuche ein, von welchen blos 184 berücksichtigt werden konnten. Unter diesen waren: 5 Studirende der Philosophie, 150 Studirende der Medicin, 21 Studirende der Rechte, 7 Techniker und 1 Lehramts-Candidat für die Realschule. 1

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