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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-23 · Heft 52 (23.12.1873) · p. Seite 858

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 52 (23.12.1873)
Date
1873-12-23
Page
Seite 858 (sequence 10)
Language
German
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858 dadurch reich, der Staat ater bcnachihciligt wird, und daß auch auf den Wegen, aus denen man uns hinaustreibt, weder die Gesammtheit noch die Einzelnen Vortheile erzielen. Würde man auch nicht Einsicht genug haben, um sich von dem beredten Beispiele Spaniens belehren zu lassen, so überzeugt man sich doch allmälig , daß es in unserer Zeit unmöglich ist, die spanischen Mittel, Vertreibung und Inquisition, anzuwenden. Grollt man uns daher auch noch, laßt man von Zeit zu Zeit in den rumänischen Journalen den Wind des Haffes heulen, so läßt man uns doch thatsächlich in Ruhe, und Dies ist schon' ein großer Gewinn. Mit der Zeit legt sich dadurch die leidenschaftliche Aufregung; man wird zur Besinnung kommen, und endlich darauf denken, uns durch eine gesicherte Stellung zu gestatten, unsere bürgerliche Nützlichkeit so weit zu bethätigen, wie cs nur in der "Natur der Sache liegt. Dann wird eine bessere Zeit für Rumänien und für uns anbrechen. — Einen Wunsch muffen wir noch hinzusügen, nämlich, daß auch unsere Glaubensgenossen in diesem Lande diese Zeit der Ruhe immer mehr und kräftiger benutzen mögen, sich für die beffere Zukunft möglichst vorzubereiten. Dies besteht hauptsächlich in einen gutem Unterricht der Jugend, besonders auch in der rumänischen Sprache. Es muffen immer mehr gute Lehrer aus dem Anstande herbeigezogen und zu den inländischen Lehrern in der rumänischen Sprache zugesellt, innner mehr Schulen und Lehranstalten gegründet werden, koste Dies auch die größten Opfer. Wir wissen, solche Opfer zu tragen, sind jüdische Eltern für ihre Kinder stets geneigt, auch die ärmsten; aber es fehlt nur an der nöthigen Einsicht, und die Führer sind es, welche es an Energie und noch mehr an Einigkeit mangeln lassen. Am Geiste der Unterordnung fehlt es. Diese werden die Schuld tragen müssen, wenn die rechte Zeit vielfach unbenutzt bleibt. I e u i l 8er Äu-enteich. Eine Eriminalgcfchichte, erzählt von L. Schr. XI. <S ch l u ß.) Nach dem Geständnis; Fischers blieb Feitel, als ihm jenes vorgehalten worden, "Nichts übrig, als sich demselben anznschließen. Er gab die Beschuldigung seiner Frau auf, brachte seine Behauptung, die Uhrkette bei einem Besuche der Mordstätte gefunden zu haben, nicht einmal vor, leugnete jedoch standhaft, die Worte, die ihm Fischer in den Mund gelegt, gesprochen, am wenigsten eine Aufforderung, Leeser aus der Welt zu schaffen, mit Dem gemeint zu haben, was er Fischer auf seine Klagen über seine Schuld an Leeser erwidert haben mochte. Fischer allein habe diesen Plan gefaßt, entworfen und vorbereitet. Daß Weitere in Fischers Anssage gestand er zu. Doch selbst den Geständnissen dieser beiden Verbrecher gegenüber blieb Knorring bei seinem hartnäckigen Leugnen. Er wisse von Nichts, und Fischer und Feitel hätten wohl ebenso die That vollbracht, wie sie sie ausgesonnen. Auch die Beweise von seiner eigenen Person an Haupthaar und Füßen wies er zurück: so Etwas finde sich bei vielen Menschen. Doch auch für ihn schlug die Stunde. Die Untersuchung des Waldkruges wurde mit äußerster Sorgfalt und in größter Ausdehnung vollzogen. Da fanden sich denn noch die Spuren vieler andern Verbrechen, welche im Laufe der Zeit geschehen, und die zum Theil Personen und Oertlichkeiten aus so entfernten Gegenden betrafen, daß sie zur Kenntniß der hiesigen Gerichte gar nicht gelangt waren. Man durchbrach die Mauern, durchwühlte die Keller, Hof, Stallungen und Garten, um heimliche Verstecke ausfindig zu t e t o n. machen, und die Ergebnisse waren von traurigster Art. Diese Schandthaten des versteckten Sünders mußten verfolgt werden, und die Untersuchung zog sich deshalb außerordentlich in die Länge. Die Resultate waren so überwältigend, daß selbst Knorring dadurch endlich mürbe ward und plötzlich, da er sich unrettbar verloren sah, in ein seinem bisherigen Leugnen entgegengesetztes Verfahren verfiel. Er schien sich einen Ruhm daraus zu machen, der blutige Held so vieler, mit List und Muth ausgeführter Verbrechen zu sein. Er gestand Alles und mit ausführlichster Schilderung, selbst Manches, wovon man bis jetzt keine Ahnung gehabt. So wurden denn endlich die Untersuchungsacten über Leesers Tod geschlossen und an den zuständigen Gerichtshof abgegeben. Der Prozeß nahm keine lange Zeit in Anspruch. DaS Urtheil wurde gefällt: Fischer und Knorring sollten durch das Beil vom Leben zum Tode gebracht werden, Feitel als Mitwisser und Förderer der Mordthat, wahrscheinlich auch geistiger Urheber derselben, wurde zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt. An eine Begnadigung war nicht zu denken. Fischer entging jedoch der Strafe des menschlichen Züchters; durch den Mangel an Spirituosen und an frischer Lust verfiel er schnell, und starb noch in der Gefängnißzelle. Knorring erschien auf seinem letzten Gange noch mit derselben Frechheit, wie er gelebt, und seine Festigkeit wäre einer besseren Sache würdig gewesen. Der Rechtsanwalt, bei dem ich arbeitete, war zum Verteidiger Feitels gewählt worden, und in seiner Vertretung hatte ich mehrere Male Gelegenheit, Feitel im Gefängnisse zu sehen und zu sprechen. Er war und blieb von der düsteren Abgeschlossenheit, die er zum Theil auch in seiner früheren Lebenszeit gezeigt hatte. Niemals fragte er nach seiner Frau, und nicht einmal nach seiner Tochter.

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