Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1873)
- Date
- 1873-12-23
- Page
- Seite 855 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226959--32217-3255178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
855 fentern auch für die Familie des bekannten Residenten Be ermann in Halbcrstadt, wie für viele Adlige, Ritterschaften und Behörden in Norddeutschland, welche als Gläubiger der EoncurSmaffc auftratcn, von höchstem Interesse ist. Von ganz besonderer Bedeutung aber ist der Umstand, daß es dem Nr. Wiener, dem jetzt auch daS Original der von Jfaac Behrens verfaßten Mcgillah vorliegt, während daS von Jost benutzte Exemplar nur eine Eopic ist, vor kurzem gelungen ist, in den Besitz von Arten zu gelangen, aus denen unzweifelhaft herworgeht, daß die mehrgcdachten Kammeragenten völlig unschuldig waren, und nur durch die Schuld der englisciwn Regierung in ConcurS gerathen sind, in deren Aufträge ihr Vater Lessmann an den Bischof von Münster die bedeutende Summe von fast 150,000 Pfd. gezahlt hatte, ohne daß er oder feine Sichne trotz mehrfacher Mahnungen befriedigt worden waren. Mit dieser Schuld, welche von dem englischen Parlamente anerkannt worden ist, wie mit den seither anfgelanfenen Zinsen ist die Krone von England theils der ConcurSmasie, theils den Erben jener Kammeragenten noch jetzt verpflichtet, und es steht zu erwarten, daß, wenn die theils hier, theils auswärts lebenden Abkömmlinge der genannten Kammeragenten sich als Rechtsnachfolger derselben ausweisen, sie auf Befriedigung ihrer Ansprüche um so sicherer rechnen können, als die Schuld keineswegs als verjährt angesehen werden kann, da inzwischen zu verschiedenen Zeiten theils von der preußischen Gesandtschaft in London, thM wo« anderen Behörden in dieser Angelegenheit mit der englischen Regierung Verhandlungen gepflogen worden sind. SvLte Jemand im Besitze von Documcnten sein, die sich auf diesen Proccß ^beziehen, — und es dürften solche sich wohl in Münster, Wolfonbüttel, Halbersiadt, Hildesheim, Eelle und Mannheim noch vorsinden, — so würde Dr. Wiener sehr dankbar sein, wenn ihm hiervon Kunde gegeben würde. Cöln, 15. Dec. lPrivrtm.i Am <>. d. M. waren es 25 Jahre, seitdem die Lehrerin Fräulein E. Mayer an der Elementarschule der hiesigen Syuagogengemcinde wirkt. Wie sehr sie sich die Achtung und Liebe rer Gemeinde erworben hat, geht daraus hervor, daß Lrw Vorstand der Gemeinde ihr zwei Prämicnloose der eöln-mindcner Eisenbahn 5 tun Thlr., sowie ein braunschweiger Loos 5 20 Thlr. nebst einem Schreiben übersandte, worin er die Verdienste rer Lehren» hervorhob und bemerkte, wie sic in der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet wird. Außerdem wurde Frärrlein Mayer von schr vielen ihrer früheren Schülerinnen und deren Eltern reiflich beschenkt, ja, die Gratulationen und Geschenke mehren sich noch Tag für Tag. Selbst aus weiter Ferne liefen Telegramme und Glückwünsche von früheren Schülerinnen ein. Ehre einer solävcu Lehrerin, die sich so allgenreine Liebe und Achtung zu erKerbe» gewußt, und Ehre einer solchen Gemeinde, die auf solche Weise das Verdienst zu würdigen weiß'. Krotvschm, m Dec. fZur Schulinfpection]. Die Allgem. Ztg. d. Jndenth. brachte gleich anderen Zeitungen vor Kurzem ein von dem Vorstande der hiesigen Synagogengemeinde an den Pastor Füllkrug Hierselbst gerichtetes „Offenes Sendschreiben." In diesem wird auch daS Verhältniß dieses Herrn zur hiesigen israelitischen Rectoratsschule erörtert. ES wird nun vielleicht viele der Leser die Mirthcilung interessiren, daß der Pastor Füllkrug auf seinen Antrag von der königl. Regierung zu Posen dcS Jnspectorates über diese Schule enthoben, und die Localiuspcctiou dem Rector derselben, Herrn Huch, übertragen worden ist. Unseres Wissens ist Dies der erste jüdische Schulmann, dem, gleich den Rectoren der städtischen Schulen in Breslau, Posen und anderen Orten, die Jnspection über die von ihn, geleitete Anstalt, übertragen wird. Außerdem ist die gedachte Schule, die bisher unter der KreiSfchulinspeetion deS Superintendenten der Diöeese Krotoschin stand, nunmehr in das Ressort des königl. Kreisschulinspectors, Herrn Schwalbe übergcgangen. Steele, 0. Deecmber. (Privatmitthcil.i Wenngleich in jüngster Zeit mehrmals über goldene und diamantene Hochzeiten in Ihrer geschätzten Zeitung berichtet worden ist, so werden Sie doch, hochgeehrter Herr Dector, einer kurzen Beschreibung der am 3. d. M. stattgcfundenen Jubelfeier der Eheleute Leopold Rinrskopf von hier, die Veröffentlichung, schon der dieselbe begleitenden Umstände wegen, nicht versagen. Der Jubilar, Vater des Vorstehers der hiesigen Gemeinde, geboren in Fürth, kam im Anfänge dieses Jahrhunderts als Talmudjünger nach Westphalen, bekleidete in Schwelm mehrere Jahre das Amt eines ReligionslehrcrS und Eauters. Aber die Verhältnisse dieses Standes waren damals i?» noch zu drückend, und er wendete sich dem Kaufmannsstande zu, und erwarb sich durch Fleiß und Sparsamkeit ansehnliches Vermögen, hcirathete erst im 3'.». Lebensjahre, ist also gegenwärtig e0 Jahre, erfreut sich jedoch noch, ebenso auch seine Gattin einer seltenen Körper- und Geistessrische. Am Vorabend des Festes wurde zunächst der Armen aller Eonfessicnen hiesiger Stadt, sowie der rheinisch-wesiphälischen jüdischen Lehrerwittweueasse in einer den Wohlthätigkeitssinn des würdigen Paares manifcstirenden Weise gedacht. Am Morgen des 3. Dec. hatte ein großer. Theil der hiesigen Einwohnerschaft geflaggt, was um so mehr hervvrgehobeu zu werden verdient, weil hierorts fast Alles echt ultraniontau, und den liberalen Juden nicht sehr gewogen ist. Die Festrede wurde von Hcnn Lehrer Goldberg in der geschmackvoll decorirten Synagoge in Anwesenheit des Bürgermeisters nebst Beigeordneten und eines zahlreichen Auditoriums gehalten, auch die von Ihrer Majestät der Kenigin-Willwe dem Jubelpaare verliehene Bibel überreicht. Nach Beendigung des Gottesdienstes überreichte in der Wohnung des Jubelpaares eine Deputation im Namen der jüdischen Ge-! meinde ein Geschenk, bestehend in einem kunstvoll gearbeiteten ' silbernen Pokal, sowie eine hiesige christliche Gesellschaft, deren! Senior Herr RindSkops ist, und die er trotz seines hohen Alters