Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1873)
- Date
- 1873-12-23
- Page
- Seite 854 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der $ welcher vieles Bedenken erregt. Der erste Passus desselben lautet: „Der Regierungspräsident ist befugt, neben cem ordentlichen Standesbeamten des Hauptbezirkes innerhalb bestimmter örtlicher Grenzen auch Geistliche zu Standesbeamten zu bestellen." liberale Blätter sagen es offen, daß hiermit die evangelischen Geistlichen mit der Führung der Standesbücher betraut bleiben sollen, und so der Eonstict mit der katholischen Geistlichkeit nur geschärft werde. -In Fällen, wo Individuen mit dem Geistlichen wegen kirchlicher Verhältnisse in Zwiespalt gerathen sind, würde das Lerhältniß, an ihn als Standesbcainten gewiesen zu sein, Unannehmlichkeiten herbeisühren. Was uns betrifft, so würde eö doch eine sehr eigenthümliche Zumulhung sein, daß jüdische Ehepaare, bevor sie die religiöse Trauung erhallen würden, zum christlichen Geistlichen gehen sollen, um sich bürgerlich trauen zu lassen. Man weiß, daß, solche Geistliche derartige Gelegenheiten wahrnehmen, uni sich Juden sehr unangenehm zu machen. Aber abgesehen hiervon müßte es dem Volke erscheinen, als ob die Juden, um sich trauen zu lasten, erst zum christlichen Pfarrer gehen müßten, und dieser die Erlaubnis zu erlheilen habe. Denn wenn der Geistliche beide Functionen zu versehen hat, so unterscheidet das Volk dieselben nicht mehr. Andererseits mutbet man wieder deni Geistlichen zu, als Standesbeamter Das zu vollziehen, was ihm die Kirche untersagt. Gewiß wird man diesen Paragraphen modifieiren wollen; '.uan hört jedoch, daß gerade dieser Punkt von Seilen des Ministeriltms zu einer Bedingung geniacht werde. Hannover, 7. Deeenrber. (Privatm.) Bon Seiten des hiesigen Gemeindevorstandes ist vor Kurzem unter Zustimmung res Itepräsentantencolleginms, von welchem nur zwei Mitglieder opponirten, eine Petition, welcher bereits der größte Theil der israelitischen Gemeinden unserer Provinz beigetrelen ist. an den Eultnsminister Herrn l)r. Falk abgegangen, in welcher energisch gegen die Zulassung eines Austrittes ans der Gemeinde, ohne daß mit einem solchen zugleich das Ausscheiden ans den Jndenthume verbunden sein müßte, protestirt und nachgewiesen wurde, daß ein derartiger Austritt nur aus materiellen, keineswegs aber aus eonsessivnellen Gründen stattsinden würde. Ein unter dem Vorgeben eonsessioneller Motive erfolgender Austritt aus dem bestehenden Gemeinteverbandc dürste, wenn der Bestand rer Gemeinden nicht durch die Willkür einzelner Mitglieder gefährdet werden soll, höchstens dann zngelassen werden, wenn die Ansscheidenden eine neue Synagoge errichteten, in welcher regelmäßig Gottesdienst stattsindet. *) Der hier bestehende Verein zur Beförderung von Handwerken unter den Inden beabsichtigt, seine bisherige Wirksamkeit zum Behufs der Erlernung einer Kunst oder Wistenschaft zu *) Diese Fassung ist sä wert ich eine giüttliche und zu rechlsertigende. R e d a e l i o n. erweitern, so daß künftig auch Jünglinge zum Besuche einer Gewerbe- oder polytechnischen Schule, auch eines jüdischen Lehrerseminars :c. Unterstützung sinden werden. Die demnächst stattstndende Generalversammlung wird über diesen Plan Beschluß zu fasten haben. Ter erste Bericht über die Unterstützungscasse für jüdische Lehrer, deren Witlwen und Waisen in der Provinz Hannover ist soeben veröffentlicht worden. Die Unterstützungscasse, die unter dem 12. Mai 187«) vom königlichen Oberpräsidium genehmigt war und am 1. Juli eröffnet werden sollte, hat in Folge des Krieges erst ein Jahr später in's Leben treten können. Als eine ihrer ersten Pflichten hat die Direction die thunlichste Förderung der Mittel der Easte bettachtet, und zu rem Behuse ein Rundschreiben an die Gemeinden gerichtet, um dieselben zu einmaligen, resp. jährlichen Beiträgen auszusordern. Außerdem haben .Directionsmitglieder eine von dem schönsten Erfolge gekrönte Sammlung zum Fonds der Easte in hiesiger Synagogengemeinve veranstaltet. Auch ist bei dem Gemeinrevorstande Hierselbst die dankbar anzuerkennende Genehmigung zu Spenden in der Synagoge für die Easte erwirkt, die der letzteren eine nicht unbeträchtliche Summe zugesührl hat. Da statutenmäßig in den ersten fünf Jahren keine Pensionen gezahlt werden, so konnte die, theilö aus dem von Herrn Banguier Eoppel geschenkten Grundcapitale, theils ans Sammlungen und Beiträgen entstandene Summe von 0512 Thlr. Ui Gr. 2 Pf. zinstragend sicher belegt werden. Achtzehn Lehrer hatten bei Eröffnung der Easte ihren Beitritt erklärt und ihr Eintrittsgeld eingesandt. Die von denselben versicherte Summe beträgt circa -1Ü00 Thlr. Im Laufe des Jahres .1872 sind noch 0 neue Mitglieder hinzngekommen, dagegen sind 5 wegen Uebernahme anderer Stellen außerhalb der Provinz ausgetreten. Zwei Mitglieder haben ihr Eintrittsgeld, nicht aber ihre Beiträge trotz Aufforderung der Direction eingezahlt, so daß die Zahl der Mitglieder zu Ende res Jahres IS72 neunzehn (resp. 17) beträgt. In dem zweiten Bande des dltrch das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur herausgegebenen Jahrbuchs für die Geschichte der Inden hat bekanntlich der selige Jost eine Faniilienmegillah verössentlicht, in welcher über die grausame Tortur berichtet wird, welche die eines beirüglichen Bankerotls angeklagten Kammeragenten Jsaac und Gnmperz Behrens Hierselbst im Jahre 1722 zu bestehen Hallen. In diesem Berichte wird von dem lorquirlen Jsaac Behrens häufig aus Acten verwiesen, in welchen das Mitgetheilte zu sinden sein soll. Der mit Forschungen über die Geschichte der Juden Hannovers beschäftigte hi-. Wiener hat die betreffenden Acten bereits vor längerer Zeit auf rem hiesigen Obergerichte ermittelt, und in denselben sowohl das in der Megillah Berichtete vollkommen bestätigt gefunden, als auch hierdurch von dem Berlanfe eines sich über ein Jahrhundert hinziehenden Procestes Kenntniß erhallen, der nicht allein für die genannten Kammeragenten und deren Erben,