Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1873)
- Date
- 1873-12-16
- Page
- Seite 841 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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841 Nationalität angehören, und demnach keineswegs zu den höchsten Stetten der Regierung zulässig seien. Der venetianische Deputirte beging bei dieser Gelegenheit manche, als unehrlich nachgewiesene Beweisführungen. Er veröffentlichte nämlich im Namen eines hohen ungarischen Reisenden, A. Vambery, einen Brief, den dieser öffentlich desavouirte, und eignete sich einen vom Prof. G. Levi im Educatore Jsraelita veröffentlichten Artikel zu, um seine These zu erhärten. Natürlich wurde der judcnfeindliche Deputirte von der Tagesprefse zurechtgewiesen, und eines Besseren belehrt. Ja selbst ein im italienischen Senate sitzender hochgeachteter Rechtsgelehrter übernahm es, die Nichtigkeit der von Pasgualigo vorgebrachten Beweisgründe und deren Folgerungen nachzuweisen. Schließlich erschien dieser Tage eine schön geschriebene, erwähntem Senator, Giuseppe Musio, gewidinete Bertheidigungsschrift vom Rabbiner Mortara, welcher Pasqualigo's Sophismen vom religiösen Standpunkte aus widerlegt. Hoffentlich werden Herr PaSqualigo und dessen 'Nachbeter sich riese Lection zu Nutze ziehen. Am 0. v. M. wurde in Turin eine dem Andenken Messime D'Azeglio's gewidmete Statue feierlich enthüllt. Bei dieser Gelegenheit bezeugte die Gemeinde Roms ihre Dankbarkeit für den wirksamen Antheil, den der edle gefeierte Staatsmann an der Emancipation der Israeliten Italiens hatte. Es wurde an jenem Tage im Gotteshaufe eine der eindrucksvollsten Stellen von Azeglio's Schrift über die Emancipation der Israeliten vor der versannnelten Gemeinde öffentlich verlesen, dann für das Seelenheil des Verherrlichten und für das Wohl des Herrscherhauses und des Vaterlandes gebetet, und eine telegraphische Depesche der Rabbiner brachte in der Stunde der Enthüllung Kunde hiervon an den Syndikus von Turin. Türkei. Konstantrnoptl. im November. Vor Kurzem fand hier die Einweihung eines großen Gebäudes statt, welches die schottische Missionsgesellschafl zur Bekehrung von Juden mit einem bedeutenden Kostenaufwande errichtet hgt. .Hervorzuheben ist, daß der englische Gesandte, Sir Henry ENiot. der Einweihung nicht allein beiwohnte, sondern die Feier mit einer große Rede eröffnete, und daß das englisch-türkische Organ, der Levuni Times, die Sache dieser Anstalt zu der seinigen gemacht hat. Die Mission in Konstantinopel besteht seit 10 Jahren, und will in diesem langen Zeitraum 70 Juden belehrt haben. Die Herren müssen aber selbst zugestehen, daß die Mehrzahl, sobald sie keine Unterstützung mehr erhalten, ihnen wieder entlaufen, und zu ihrem alten Glauben zurückkehren. Getreu bleiben ihnen vorzugsweise nur Solche, welche sie in ihrem eigenen Dienste anstellen. DaS Gebäude ist besonders zum Schulunterricht bestimmt, und hierzu aufs Reichlichste ausgerüstet. Man unterrichtet in zwei ALtheilungen: für die italienischen und für die deutschen Kinder; die Zahl der ersteren belaufe sich auf 70, die der anderen auf 120. Doch gesteht man auch hierin, daß die Bekehrung nur bei Wenigen gelinge, und tröstet sich mit dem auögestreuten Samen. Das Ganze ist eine englische Marotte, und wenn die Engländer ihr Geld dafür ansgeben, kann man Nichts dagegen einwenden. Jeuil Oer 2»i>enteich. Eine Eriminalgeschichte erzählt von §. Schr. X. Ter Wirth des Waldkruges wurde vorgeführt. Sein Aussehen flößte kein günstiges Vorurlheit für ihn ein. Es war eine Persönlichkeit, zu welcher man sich, wie der Jurist sagt, ein solches Verbrechen versehen konnte. Kaum waren auch seine Personalien protocollirt, als er in frecher Weise zu toben und zu drohen anfing, weshalb man ihn in seinem Hause überfallen, geschlagen und gefesselt habe. Er sei ein ruhiger Mann, der feinem Gewerbe nachgehe und seine Steuern bezahle. Der GerichtSrath beachtete sein Schreien nicht, gebot ihm Schweigen, und ließ ihn dicht an seinen Tisch treten. Er holte alsbald aus einem Kästchen, taö bei den alten Acten sich befand, jenes Büschel Haare hervor, das in der Faust veS Todten gesunden worden. Er hielt es an den Kopf des Wirthes, und, — eS konnte kein Zweifel sein, eS stimmte noch heute an Farbe und Beschaffenheit mit dem Hauptl e t di haar dieses Menschen. Knorring wußte nicht, waS das Thun des Richters bedeute. Er hatte in dem Momente des Kampfes mit feinem Opfer wahrscheinlich gar nicht gefühlt, daß Dieses ihm ein Büschel Haare ausgerauft. „Sehet", rief der Gerichtsrath aus, „die starre Hand des Torten streckt sich mit Eurem eigenen Haar ans dem schwarzen Wasser des Iudenleiches heraus, den Mord zu bezeugen, den Ihr begangen! ..." Jetzt kam dem Menschen wohl das Bewußtsein, was Dies zu bedeuten habe, und er erbleichte und antwortete Nichts. Er ließ sich auch willig auf einen Stuhl nieder, als der Richter ihm Dies befahl, zugleich jedoch zwei Polizisten hieß, ihn fest und den rechten Fuß in die Höhe zu halten. Er selbst trat mit dem genauen Abbilde der Fußspuren heran, die der Assessor K. mit großer Sorgfalt von dem Boden um die Stelle, wo die Leiche gefunden worden, ausgenommen hatte. Abermals paßte die eine in merkwürdiger Weife mit dem Fuße Knorring's. Dieser hatte nämlich außergewöhnlich breite Zehen, so daß die Vorderseite 51