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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-16 · Heft 51 (16.12.1873) · p. Seite 839

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 51 (16.12.1873)
Date
1873-12-16
Page
Seite 839 (sequence 7)
Language
German
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Oesterreichisch - ungarische Monarchie. Aus Oesterreich, 4. Teeember. lPrivatmitth.) Am 2. d. M. wurde im ganzen Kaiserstaate ras 25-jährige Regierungsjubiläum res Kaisers Franz Joseph festlich begangen. Es war eine wechselvolle Zeit für das. Kaiserreich und die Länder und Böller, rie zu ihm gehören, wechselvoll nach innen und nach außen; und daß das Reich eonsolidirt aus allen diesen Kämpfen hervorgegangen, kann nur der besonderen Fügung, md)t den Personen, als Verdienst zugeschrieben werden. Der Bestand des Kaiserreiches ist eben eine geschichtlich gewordene Nothwendigkeit für die zahlreichen Nationalitäten, die ihm angehvren, und für ganz Europa selbst. Auch die Israeliten, welche in den ausgedehnten Landschaften des Reiches wohnen, und die 1,200,000 Seelen zählen, haben, abgesehen als Glieder dieser Böller, auch als Bekenner deö Judenthnms einen mannigfachen Wechsel in ihren rechtlichen Verhältnissen während der Negierungszeit des Kaisers erfahren. - Ein Blick ans ihre Stellung vorher und gegenwärtig, wo sie nicht allein als Bürger gleichgestellt, sondern auch auf dem Grunde der confessionellen Gesetze, sobald diese erst vollständig ausgeführt sein werden, eine gleiche Behandlung ihres Enltus haben, lehrt den großen Unterschied, der hier eingetrcten. Selbstverständlich haben daher auch unsere Glaubensgenossen aller Orten den lebhaftesten Antheil an dieser Feier genommen; überall wurde in den Synagogen ein besonderer Gottesdienst abgehalten; viele Gemeinden, selbst arme, haben bedeutende Summen zu wohlthätigen Stiftungen an diesem Tage gespendet, namentlich auch in Galizien, wie in Tarnow, Colomea u. a. Auch Weiheschristen sind erschienen, und ich hebe ein in hebräischer deutscher und ungarischer Sprache erschienenes Gedicht Jom Malkcmi von Simon Bacher hervor, das in seiner hebräischen und deutschen Fassung, — die ungarische verstehe ich nicht, — ganz vortrefflich ist. Auch sandten mehrere Gemeinden Deputationen an den Kaiser, welche huldvoll empfangen wurden. Ueber die Audienzen der wiener Gemeinden füge ich die Berichte der Zeitungen hier an: Montag, am 1. Teeember, empfing Se. Majestät eine Deputation der türkischen Israelitengemeinde in Wien, bestehend aus den Herren Leon Israel Haim, Leon I. Eökenasy, Lazar de Majo und Abraham Israeli), welche ein künstlerisch ausgestattele Beglückwünschungsadresse überreichten. Der Kaiser nahm die Adresse gnädigst entgegen, und sprach der Deputation seinen Dank für die Theiluahme an seiner Jubelfeier aus. Hierauf wendete sich Se. Majestät an die einzelnen Mitglieder der Deputation, und erkundigte sich eingehend um die Verhältnisic der türkischen Israelitengemeinde in Wien. Die Deputation wurde hulrvoüst entlassen. Die Deputation der israelitischen CultnSgemeinde Wiens wurde heute ebenfalls vom Kaiser empfangen. Als Sprecher fungirte Herr Moritz Pollak, da der Präsident lir. Ignaz Kuranda durch Krankheit verhindert war, die Führung zu übernehmen. Mitglieder der Deputation waren R. v. Epstein, l»r. Max Engel, die Prediger l)r. Iellinek und I»> . Güdemann und Obercantor Sulzer, welche letztere drei im Ornate erschienen. Nachdem die Functionäre den beim Erscheinen vor einem gekrönten Haupte üblichen Segen in hebräischer Sprache gesprochen hatten, wurde eine Ergebenheitsadresse überreicht. Der.Kaiser erkundigte sich in huldvollster Weise über die Verhältnisse der Gemeinde. Frankreich. Paris, 1. Teeember. (Nach den Arch. isr.) In Rheims soll ein neues Nabbinat gegründet werden. Der Imlt'-pmul:,,»! ile l'Est sagt hierüber: Die letzte Zählung 1S72 ergab in Rheims 181 Israeliten; die Auswanderung ans Elsaß-Lothringen brachte diese Zahl aus 230 Personen für die Stadt Rheims, und SO Personen für die Stadt Epernay. Der Stadtrath hat daher die Frage in Erwägung gezogen, in Rheims ein Rabbinat zu gründen. Ten Gehalt der Rabbiner würde der Staat bezahlen, die Kosten der Wohnung aber die Städte RheimS und Epernay tragen, nach dem Verhältnis; der beiderseitigen israelitischen Bevölkerung. Für die nähere Feststellung ist eine Eonnnisston erwählt worden. — Die neugegründete jüdische Gemeindecasse von Paris hat zu den 100,000 Francs des Baron Gustav von Rothschild bereits noch 87,000 Francs erhalten, worunter 50,000 von den Erben des kürzlich verstorbenen Lanquiers Bischofssheim. Diese Erben haben außerdem den verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten von Paris 100,000 Francs zugewendet. - Das Institut von Frankreich hat abermals dieses Jahr den Volney'schen Preis dem Herrn Joseph Halevy für seine Arbeiten über die lybischen Inschriften zucrtheilt. — Am 14. November verstarb hier der als bedeutender Finanzmann bekannte L. N. Bischofssheim, Bruder des Senators in Brüssel. Wenn seine Verdienste hu Finanzfache uns hier nicht interessiren, so freut es uns doch, das wohllhätigc Wirken des Verstorbenen rühmend hervorzuheben. Er hat eine Unterstützungscasse für jüdische Studirende in Paris und Amsterdam gegründet und dotirt, und ebenso eine Arbeitsschule für arme Mädchen. Für diese letztere hat er 30,0<>0 Francs lcgirt, um für sie ein Grundstück zu erkaufen. 150,000 Francs sind, wie wir schon oben bemerkt, wohlthätigen Anstalten zugefallen. Am Leerdigungstage sandten rie Erben 25,000 Francs an den Seinepräfecten für hülfsbedürstige Familien. Er verstarb unerwartet in feinem 73. Lebensjahre. Belgien. Brüssel, im 'November. lPrivatmitth., Was wir früher als wahrscheinlich berichteten, ist in Erfüllung gegangen, und die

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