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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-09 · Heft 50 (9.12.1873) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 50 (9.12.1873)
Date
1873-12-09
Page
Seite 825 (sequence 9)
Language
German
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S25 diesem Orte fühlt man, daß es dem Menschen gegeben ist, dem Tode seine Schrecken zu nehmen, denn hier ist allen Denen, die der Waisen in frommer Wohlthätigkcit gedacht haben, eine Stätte liebevoller Erinnerung und ewigen Gedenkens bereitet. Die Vorsteherin halte es sich, obgleich selbst leidend, nicht nehmen lassen, die Halle mit Laub und Blunren anSzuschmücken. Hell strahlte der Saal im Glanze vieler Kerzen, und sowohl Einheimische, wie Fremde sprachen in frommer Andacht die üblichen Gebete. Wir aber wünschen einer Anstalt bestes Gedeihen, die nicht nur ihre Kinder zu tüchtigen, sittlich braven Menschen erzieht, sondern auch in so inniger Weise ihre Dankbarkeit für verstorbene und lebende Wohlthätcr an den Tag legt. H. M. Frankfurt a. d. .Oder, 23. November. (Nekrolog.) Den Lesern dieser Blätter sind wir die traurige Mitthcilung schuldig, daß Herr Lehrer Louis Wehl, ein treuer Anhänger und häufiger Mitarbeiter dieser Zeitung, nicht mehr ist. Nach dreimonatlichem Leiden hauchte er, im fünfzigsten Lebensjahre stehend, seine fromme Seele aus (er hinterließ eine Wiinve und drei noch unversorgte Kinder), zum Schmerze der hiesigen Gemeinde, und man kann wohl sagen zum Leidwesen der ganzen Statt. Geboren in poln. Lissa und einer altedlen Familie entsprossen (der berühmte Oberrabbiner Wehl in Berlin war sein Großonkel), widmete er sich frühe dem Lehrerbcrnfe, dein er an 30 Zahre mit Wärme und Treue obgelegen. Und wie die Zahl seiner Schüler nach Hunderten zählt, also ist die Fülle des Gmen und Heilvollen, das er als Lehrer geleistet, unwägbar. War es doch nicht bloß das Wort und die Lehre, sondern auch die Thal und das Beispiel, mit denen er seinen Jüngern verleuchtete! War es doch nicht bloß der Pädagoge, sondern auch der edle Mensch, nicht bloß der Lehrer, ft.idcrn auch der Gelehrte, der aus rer Fülle schöpfende, der in jeder Lection Weisheit und Erkenntniß spendete! — Za, der Segen seiner Thäligkeit beschränkte sich nicht auf die Schule der Kleinen, er wirkte ebenso segensreich bei Großen. Zn den meisten Vereinen hiesiger Stadt wirkte er mit seinem beredten Munde in hervorragender Weise, und förderte im Bunde mir den edelsten Männern begeistert und begeisternd die Sache der Humanität und der Sittlichkeit. Er war Milvorsteher im «jüdischen 1 Brüderverein, im Hanrwerkerverein, im Sängerbund, im Forlbildnngsverein, im Eemitö für liberale Wahlen :e. Vom Fortbildungsvereine wurde er noch im Sommer als Tepntirter nach Leipzig zum Verbanestage geschickt, und betheiligle sich dort mit bekanntem Ernste an den Tagesfragen. Zn der hiesigen Presse war Wehl ein regelmäßiger und fleißiger Arbeiter. Daß er auch in der jüdischen Zournalistik mit Geist und Gemüth gewirkt hat, wissen gewiß die Leser dieser Zeitung. Sehr groß war daher die Theilnahme, welche sich in jüdischen, wie in nichrjüdischcn Kreisen bei der Trauerkunde von dem Tode dieses edlen Manneö zeigte. Jung unv Alt erwiesen dem Verklärten beim Leichenbegängnisse die letzte Ehre. Auf dem Friedhofe sprach unser Rabbiner, Herr Iw. Löwen meyer, eine ergreifende Rede, welcher der Text: „Die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und Die, welche Viele zur Gerechtigkeit führten, wie die Sterne immer und ewig" (Danftl Eap. 12, V. 3) zu Grunde lag. Möge das Andenken dieses Verblichenen nie erlöschen in unseren Herzen, p'-.s -ct. E. Abraham, Eantor. Ochm'tichisch -»ngm'ischc Moiiarchik. Lemberg, 21. November. Zn mehreren ostgalizischen Bezirken beschlossen die verfassungstreuen Ruthenen und Zuden, bei den Bezirksvertrelnngswahlen solidarisch vorzugehen. Lemberg, 21. November. Sännntliche Ergänzungswahlen für den ReichSrath werden in Galizien nach rem Schluß des Landtags stattfinden. Die jüdischen Wähler mehrerer Stadlwahlbezirke werden für den Fall rer Annullirung früherer und der Ausschreibung neuer Wahlen nur dann, wenn die Regierung für die unparteiische, gewissenhafte Leitung der Wahlen seitens der polnischen Behörden Sorge, tragen wirr, sich an rer Stimmabgabe betheiligen. Aus Oesterreich, im November. lN. fr. Pr.) Zn Böhmen soll ein feudaler Gras sich selbst zmn Ellenritter geschlagen und ein Mannsaetnrgeschäsl gegründet haben. Auch in Galizien geht, wenn das „Nene Fremdenblatt"' recht berichwt ist, ein polnischer Fürst eben daran, sich an die Spitze einer Productivgenossenschast von Schneidern und Handschuhmachern zu stellen. Das geschieh: nicht etwa, um die Wirkung reS „Krach" in Arelskreisen zu paralysiren, sondern um süße Rache gegen jene verdamnnlngswürrigen Juden zu üben, welche bei den letzten Wahlen treu zur Verfassung gehalten haben. Zn Böhmen aber, wie in Galizien, fürchtet man sehr, daß die neuesten nationalen Gründer zur Beschaffung der nölhigen Fonds wieder einen nicht mehr ungewöhnlichen Weg einschlagen und taö Geld — von Zuden borgen werken. Bleiben die föderalistischen Herren aber das Geld schuldig, — dieser Fall soll mitunter verkommen, — so wäre ihre Rache dann doppelt süß zu nennen. Serbien. Belgrad, im November. «P. Lloyd.) Die wiener „Alliance Zsraelite" sandte hierher einen Abgesandten zum Zwecke der Anregung und Beförderung der Zntenfrage. Da aber das neue Eabinet noch nicht einmal recht Besitz von den Porlefenilles genommen und sich nicht völlig m/ium hat, die Stupschtina aber r>u

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