Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1873)
- Date
- 1873-12-09
- Page
- Seite 824 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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824 Coblenz, ten k". November IST.‘4.?!r. 5752 S. C. Die Zunahme jüdischer Schüler an einer zu unserem Berwalttmgskreise gehörenden höheren Lehranstalt inacht es nns wunschenswerth, unsererseits diejenigen jüdischen Festtage der betresfenden Direetien zu bezeichnen, an welchen von der Forderung des Schulbesuches allen jüdischen Schülern gegenüber abzusehen sein wird. Nächstdein aber möchten wir auch diejenigen Festtage in Ersahrung bringen, welche zur Zeit nicht mehr von allen jüdischen Gemeinden durch vollständige Enthaltung von den Geschäften begangen, wohl aber von den Gemeinden der strengeren Richtung den höchsten religiösen Festen beigezählt werden. Wir beabsichtigen nämlich für die erslbezeichnetcn Festtage jüdische Schüler ein für allemal von dern Schulbesuch zu dispensiren, während die Ordnung erheischt, das; für die Festtage der anderen Kategorie den jüdischen Schülern nur auf Grund einer vorangegangenen, desfallsigen Anzeige der Eltern freigegeben werde. Wir würden es Ew. Hochehrwürten Dank wissen, wenn Sie die Gefälligkeit haben wollten, uns nach diesen Gesichtspunkten eine Uebersicht der jüdischen Feiertage aufzustetlen. Daß die Zahl derselben die geringste sei, welche mit orthodoxer Auffassung der jüdischen Religion vereinigt werden kann, werden Ew. Hcchehrwürden als ein gebieterisches Interesse der Schule nicht verkennen. König!. Provinzial Schulcollegium An Bardenleben, den Rabbiner Herrn Ben-Israel Hochehrwürden ’ hier. Rheidt im Siegkreise, 28. Nov. Die „K. Ztg." enthält folgende Zuschrift: „Am Samstag, 22. d. M., starb dahier die Ehefrau des zu Rheidt wohnenden Handelsmanns Isaac Eahu, Mutter von zehn unmündigen Kindern, weiche bei allen 'Rachbarn und ordentlichen Bürgern in sehr gutem Rufe stand. Nachdem es im hiesigen Orte bekannt wurde, daß selbige Sonntag Nachmittag 2 Uhr bestattet werden sollte, versammelten sich schon Morgens gegen! l Uhr sämmtliche Ultramontanen hiesigen Ortes,?!!! und Jung, sogar Eltern mit ihren Kindern, und belagerten das Haus förmlich, wo die Verstorbene lag. Erft fing man an mit Lachen, Schreien und Toben, dann wurde mit halben Ziegelsteinen ans Thür und Thor geschinissen, fand aber von innen von den Leidtragenden keinen Widerstand; dann sing man an und warf zum Hose hinein über einen Thorban, welcher 20 Fuß hoch ist, zertrümmerte die Dächer, warf gleichzeitig auf diejenigen Leute, welche im Hofe mit. Anfertigung des Sarges beschäftigt waren, lda bei uns gebräuchlich ist, daß der Sarg von uns selbst an- Zefertigt wird», so daß diese sich in einen versteckten Raum flüchten mußten, um sich vor den Steinwürfcn zu schützen. Nachdem mm die Thür geöffnet wurde, um die Leiche wegzubringen, sing das Geschrei und Getobe von 'Jieuem an mit dem Ausrufe: „Et eß "ne Iüd gcbasch!" Diejenigen, welche den Sarg zu tragen hatten, konnten mit knapper Roth durch die Menschenmenge hindurchkommen, foivie die Leidtragenden, welche den Sarg begleiteten. Der Zug wurde begleitet unter Lachen, Pfeifen und Sleiuwürfen l '/i Stunde Weges weit bis zu der Stelle, wo die Leiche eingeschifst wurde, um nach dem Friedhofe gebracht zu werden. Das Merkwürdige ist hier noch zu erinnern , daß den» Herrn Bicar ans hiesigem Orte, welcher der Führer rer hiesigen ultramontanen Partei ist, an demselben Morgen die Anzeige gemacht wurde, er möge doch die Güte haben, bei rer Bestattung der Leiche etwa für Ruhe zu sorgen, weil man schon vorher zu befürchten hatte, daß dieser Zug von den Ultramontanen vollführt werken sollte. Aber sich an Nichts störend, ging derselbe mit lächelnder Miene durch den wüthenden Haufen zwei bis drei Mal längs dem Hause auf- und abspaziren. — Vorstehendes bitten wir Unterzeichnete, welche für die ganze Wahrheit einstehen, doch in Ihre vermischten Nachrichten mit aufznnehmen, da wir für alles Dasjenige, welches gefordert wird, cinstehen. Sollte vielleicht die hochverehrte Redaction noch nähere Mittheilnngen wünschen, so bitten sie, sich an Isaac Cahn in Rheidt zu wenden. S. Gottschalk, Wolf Levh, Hirsch Hirsch, I. Jacob Levh, Simon Levy, Isaac Levh, Simon Eahn, Ernanuel Eahn, Eoßmann Levh. Im Aufträge sämmtlichcr-Unterzeichneten zeichnet hochachtungsvoll Samuel Eahn." (Der ganze Vorgang findet seine Ursache in der liberalen Wahl seitens der Juden.' Man sieht also, daß es nicht allein in Galizien so zugeht.) Paderborn, 2:;. Novbr. (Privatmitth.) Ten Freunden des israelitischen Waisenhauses diene es zur Nachricht, daß in seinen Mauern am verflossenen Haschana Rabba ein ebenso erhebender, wie sinniger Act vollzogen wurde. Schon längst war es der Wunsch der greisen Vorsteherin gewesen, für die Tafeln, aus denen die Na»nen der verstorbenen, edlen Wohlthäter rer "Anstalt verzeichnet sind, einen derselben würdigen Raum herzuftellen. Tie nunmehr für diesen Zweck dafür eingerichtete Gedenk- Halle, bei deren Einweihung wir am Haschana Rabba gegenwärtig waren, entspricht allen Anforderungen, die man in dieser Beziehung machen kann. Sie ist in sinniger Weise mit den Symbolen des Friedens und der Unsterblichkeit ausgeschmüett. Die Wände sind mit den großen Gedenktafeln bedeckt. Die unter ihnen angebrachten vergoldeten Consolen tragen silberne Armleuchter, in pietätvoller Weise von den Angehörigen rer auf diesen Tafeln verzeichneten theuren Torten gestiftet. Wir lasen auf den Tafeln, mehr denn dreihundert Namen. Biele waren im Leben mit dem. Glanze des Reichlhums und hoher Würden umgeben, viele auch waren still und einfach ihren Weg durch's Leben gegangen. Allen wird diese Anstalt in gleicher Weise gerecht, und feiert mit liebevoller Pietät ihre Iahrzeiten. Ja, an