Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1873)
- Date
- 1873-12-09
- Page
- Seite 819 (sequence 3)
- Language
- German
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819 „Das endlich ist über jeden Zweifel erhaben, daß eine reichliche Zufuhr guten frischen Waffers für die Bewohner Jerusalems ein unschätzbarer Segen wäre, da die Fieber und andere Seuchen, von denen die Stadt säst ununterbrochen heimgesncht wird, sich vornehmlich aus jener unreinen nnd verdorbenen Flüssigkeit erzeugen, mit welcher die überwiegende Mehrheit ihren Durst zu loschen genöthigt ist." Zn einem Briefe an die Times heißt es: „Hier giebt es keine alten Gerechtsame, die durch Kauf abzulösen wären, indem es sich vielmehr nur darum handelt, Bauwerke wiederherzustellen, deren Ruinen noch heute von dem Wohlwollen und der Weisheit ihrer Urheber zeugen. Die Reihe dieser gewaltigen Aguärncte, wiewohl vielfach verfallen, hält in gerader Linie eine Gesammtlänge von etwa 7 englischen Meilen. Insbesondere sind die Wasserwerke aus rer Salomonischen Periode noch auf einer Strecke von engl. Meilen in wohlerhaltenem Zustande, so daß sie den Einwohnern Bethlehems eine reiche Fülle Wassers spenden. Es bestehen diese Salomonischen Bauten bekanntlich aus drei grandiosen Becken. Dieselben sind theils in den Felsen gehauen, theils aus Mauerwerk aufgeführt, und haben bei einer Gesammtlänge von 1385 Fuß eine Breite von 693 Fuß und eine entsprechende Tiefe. Tie umliegenden Hügel bilden den nährenden Schoos; dieser Teiche, sozusagen, ihr Quettbett, während natürliche Brunnen von Rah und Fern, darunter vorzugsweise die sogenannte „versiegelte Quelle", den Wasserschatz derselben noch vermehren." „Für das gegenwärtige Bedürfnis; würde eine Wiederinstandsetzung der alten Bauten genügen, und man könnte der Nachwelt die Sorge für einen etwaigen Mehrbedarf überlassen, in welchem Falle dann die Quellen und Riederschläge höherer und niederer Bergketten heranzuziehen sein würden." lieber diese Brunnen und Aquäducte Salomos erhalten wir folgende nähere Beschreibung: „Ich führe den Leser jetzt zu dem reichsten und ergiebigsten Punkte, der bei der Frage nach der Wasserversorgung Jerusalems in Rede kommt, und wiederhole zuvörderst, daß, so groß der Kostenaufwand eines solchen Unternehmens sein mag, derselbe der Größe des Zweckes gegenüber geringfügig erscheint. Dies ist einmal festzuhalten. Sodann aber handelt es sich in der That nicht um eine eigentlich neue Schöpfung, sondern um eine zweckmäßige und dauernde Restauration uralter Ballten, welche aber selbst noch in unserm Zahrhundert «wenn auch nur vorübergehend und theilweise) wieder benutzt wurden. Schon die flüchtigste Betrachtung der Salomonischen Wasserwerke muß den Beschauer mit Staunen rmd Bewunderung erfüllen; denn sie sind gewaltigere Zeugen von der Größe und Macht des königlichen Weisen, als irgend welcher andere Trümmerrest jener glänzenden Periode. Tie Bassins, — ihrer drei an der Zahl, — sind zum Theil in den Mutterfelseu gehalten, zum Theil mit Steinen ausgemanert; alle drei gleich großartig, liegen sie etwa 7 engl. Meilen von Zerusalern (in der Richtung auf Hebron», und ungefähr 2 */> engl. Meilen von Bethlehem, am Abfall einer Hügelreihe. Das oberste rer Becken erhebt sich noch beträchtlich über die höchsten Punkte Jerusalems. Der Weg dahin, ein rauher Bergpfar, steigt durch das Thal von Urtas auf, und führt an den Gärten Salomo'ö vorüber, welche jetzt, — Dank den Bewässernngsanstalten des großen Königs, — in fruchtbare Gefilde verwandelt sind. Lange sucht. daS Auge umsonst nach einem ersten Anzeichen deS ersehnten Zieles, bis dann plötzlich die mächtigen Mauerwerke vor tcm überraschten Wanderer sich anSdchnen, nur ein in seiner Art einziges Bild entrollen, das um so grandioser wirkt, je größer der Gegensatz zu der wilden und öden Umgebung ist. Tie Dimcilsioueu der einzelnen Werke , sind folgende: Das am tiefsten gelegene Teichbecken besitzt eine Länge von 582, eine Breite von 207 , eine Tiefe von 50 Fuß, und umfaßt eine Fläche, ans welcher etwa vier Daulpfschisse von der Große des Great - Lastern, — bekauutlich dermalen das größte existirende Schiss, — nebeneinander Liegen könnten. DaS zwcile, mittlere Becken ist 123 Fuß lang, 25<» Fuß breit und 3!» Fuß tief; das dritte endlich (also das obere) hat eine Länge von 38>>, eine Breite von 230 und eine Tiefe von 25 Fuß. Alle drei Becken sind jedoch von ungleicher Form; besonders weichen die Breiteverhältnisse ab. Das zweite und dritte Bassin erheben sich terrasseuartig über dem ersten und siud sehr verfallen. Das mittlerewar, als ich es sah, ziemlich wasserreich, das obere dagegen völlig ausgelrocknet. Ich bemerke jedoch, daß mein Besuch vor Eintritt der Regenperiode stattfand. Zu ankeren Jahreszeiten sind alle drei Becken gefüllt. Die Art und 'Weise des Wasserzuslnsseö ist folgende: Es entspringen in der umgebenden Hügelkette zahlreiche Quellen, die in die Bassins cinmünren, obschon natürlich nicht alle durch die ganze Stufenfolge hindurchgeleitet sind. Tie wichtigste dieser Wasseradern ist diejenige, welche den dünnen des „versiegelten Brunnens" trägt. Dieselbe liegt etwa 3uo Schritt rechts hinter dem oberen Becken, und wurde von mir sorgfältig untersucht. Man steigt aus unregelmäßigen Stufen in ein 20 Fuß unter der Oberfläche gelegenes Felsengewölbe. Inmitlen desselben befindet sich ein kreisförmiger Speicher von ungefähr 8 Fuß Durchmesser. Hierher gelangt raö Wasser durch drei Galerien, deren Länge sich indessen nicht ernütteln.läßt, da sie jetzt zum Theil verschüttet sind. Zn der letzten derselben stößt man ans einen wahrhaft cyllopischen Bogen, der jedenfalls einer der älteste» Bauten seiner Art ist. Das Wasser dieser Felfenkammer ist ausgezeichnet klar, und fließt offenbar durch verborgene Gänge und Nehren in die Basstns. Aber auch hier scheint eine Säuberung und theikweifc Erneuerung des Wasserlansö dringend gebeten. — Ein zweiter Quell entspringt links von dem untersten Becken, und weitere Zuflüsse müßten erst wieder ausgesucht und wieder geössuct werden, um die nöthige Wassermasse anzusammeln. Tie umliegenden Hügel bergen jedoch sicherlich noch reiche 50*