Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1873)
- Date
- 1873-12-09
- Page
- Seite 818 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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818 hat gelehrt, daß die meisten derselben gar nicht ausführbar sind, weil sie einen Aufwand ven Mitteln erfordern, der nicht zu beschaffen, andere nur eine sehr beschränkte Wirkung haben würden, und endlich die übrigen durch die einmal vorhandenen Zustände doch nur illusorisch wären. Hierzu kommt, daß cs bei Unternehmungen in weiter Ferne, ganz besonders aber im Oriente und den daselbst obwaltenden Verhältnissen sich nicht blos um die Beschaffung von Geldmitteln handeln kann, um einen dauernden Erfolg zu erzielen, sondern mehr noch um das Vorhandensein von Männern, die am Orte selbst sich rer gewissenhaftesten Ausführung und der treuesten Obhut unterziehen, und Tics zu thnn auch verstehen. Ein theoretisch sehr einleuchtender Eedanke wird da oft zur Täuschung und zu nutzloser Vergendnilg der, der Barmherzigkeit abgcwonnenen Mittel. Vorsicht ist darum dort mehr als irgendwo geboten, und cs darf daher durchaus nicht als ein Mangel an Theilnahrne und Mitgefühl angeschuldigt werden, wenn ein selbst mit glühendein Enthusiasmus vergetragcuer Entwurf ohne großen Anklaug bleibt. Um so eher werden unsere Leser uns Bertrauen schenken, wenn wir einen seit einiger Zeit mehrfach besprochenen Plan ihnen dringend empfehlen. Derselbe geht von der richtigen Ansicht ans, daß für die so sehr verarmte und heruntergekommene Bevölkerung Jerusalems, — wir meinen hier den muselmännischen und den christlichen Theil ebenso, wie den jüdischen, — zuerst der materielle Boden, aus dem sie lebt, gebessert werden mliß, bevor an die Einwirkung geistiger Bildungsmittel gedacht werden darf, für welche sie in ihrem Elend noch gar keine Organe, noch nicht die geringste Empfänglichkeit besitzt. Sie leitet noch zu sehr an Existenzfragen, als daß sie schon für Culturfragen geeignet sei. Eine solche materielle Existenzfrage ist es, und zwar für die gesanunte Bevölkerung, für die der in Rede stehende Plan eintritt. Er beabsichtigt nämlich, eine Wasserleitung nach Jerusalem herznstellen. Bor uns liegt eine Broschüre: „Betrachtungen und Briefe zur Förderung des Baues einer Wasserleitnng für Jerusalem. Ben Henry Lnnley <2<» Burgstraße, Et. JameS, London). Mit Erlaubnis; des Verfassers aus den« Englischen übersetzt von Martin Jafse, Belfast in Irland. Leipzig, Hartknoch, 1873.) Eö heißt darin: „Wie dringend aber das Bctürsniß einer solchen Hülse sei, braucht kaum noch gesagt zu werden. Jeder der zahlreichen Reisenden, die von allen Welttheilen her sich in Jerusalem sammeln, würde dafür Zeuge sein können, und ohnehin sind die beklagenswerthen Umstände, die gerade dort den Mangel an Wasftr begleiten, schon oft und beredt genug dargelegt worden. In ber That würde nicht blos den schlechten Gcsundheiisverhälrnissen und der hohen Sterblichkeit, sondern überhaupt dem harten Not!)- stände der Bevölkerung Jerusalems sehr wesentlich emgegengewirkt, ja vielleicht ganz abgeholsen werden können, wenn eS gelänge, derselben einen ausreichenden Quell trinkbaren Wassers zu eröffnen." „Man denke sich 25,0.00 Menschen zusammengedrängt in eine Stadt, die ohne Abzugscanäle den größten Theil des Jahres hindurch einer brennenden Sonnenhitze ausgesetzt ist, und von den verschiedengestaltigen Epidemien des Fiebers wohl niemals ganz verlassen wird. Man denke sich die Armuth, die kärgliche Nahrung, die Ilnrcinlichkeit dieser Bevölkerung, und man wird die physische Verkommenheit derselben begreifen. Und doch wirkt noch verderblicher als alle jene Faktoren das entsetzliche Gemisch, welches der großen Masse des Volkes unter dem Rainen Wasser zum täglichen Getränk dient. Hier liegt die eigentliche Wurzel alles Nebels, und jede Heilung oder Besserung ist so lange unmöglich, als nicht eben von außenher mildthätige Hülfe geboten wird." Das Wesentliche, um welches es sich hier handelt, ist: eine Wiederherstellung der großen Teichbecken und des A q u ä d u c ts K ö n ig S a lo m o ’ s. Sir John Macneill und Capitän Wilson bemerken hierüber : „Das Erste, was hierbei in Angriff zu nehmen, wäre die Wiederherstellung der Leitung von dem unweit der Quelle Gihön (westlich von Jerusalem) gelegenen Becken nach Urtas, woselbst eine Dampfmaschine von 15 Pserdckrast aufgestellt werden müßte, uni das Wasser der Quelle in die Leitung heraufzupumpen. — Dies Unternehmen möchte ungefähr die Summe von 20,000 Pfd. Sterling erfordern, und würde eine tägliche Wasserlieferung von ziemlich 200,000 Gallonen ermöglichen, so daß bei dem gegenwärtigen Bevölkeruygsstande 8 Gallonen auf jeden Kopf kämen. (Wir veranschlagen die Zahl der Bewohner Jerusalems auf 25,00o, und DieS dürfte, — die Pilger eingerechnet, — nicht zu hoch sein.) Ein derartiger Bau könnte übrigens in weniger als Jahresfrist ausgesührt werden." „Das Nächste wäre alsdann die Wiederherstellung der großen Salomonischen Becken und der Leitung ven da bis nach Urtas. Ter ganze Aguäduct sollte aus Mauerwerk bestehen, und mit großen Quadern überdeckt werden, wie Dies theilweise noch jetzt der Fall ist. — Dies zweite Werk dürste etwa 3000 Psd. Sterling kosten, und einen weiteren Wasserzuwachs von täglich 137,000 Gallonen gewähren, an dem jedoch gleichzeitig auch die Einwohner Bethlehems und diejenigen des Dorfes Subahit Antheil haben würden. Tie Zahl der Nutznießer würde dadurch auf 30,000 steigen, und bei einem Gcsanrmtauswande von 23,000 Pfo. Sterling würden täglich 11 Gallonen pro Kopf geliefert werden." „Eine andere Ausgabe wäre: einen Theil des Wassers ven einem Punkte in der Nähe des Gihen in ein hochgelegenes Reservoir der Stadt emporzutreiben, von wo dasselbe alsdann durch Röhren zu den verschiedenen Straßenbrunnen geleitet werden könnte. Auch hierzu wäre eine kleine Danipfmaschine erforderlich, und ließe sich dieselbe sammt der Röhrenleitung für 4o00 Psd. Sterling Herstellen."