Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-01 · Heft 49 (1.12.1873) · p. Seite 808

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 49 (1.12.1873)
Date
1873-12-01
Page
Seite 808 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226956--32167-3255125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

808 der Probewahl erhielten die obengenannten Candidaten die Majorität. wenn auch keine sehr große. Stryj, 18. November. Ter Eandidat der Zßraeliten, I)r. Philipp Frucht in a n n, wurde mit 2PG Stimmen zum La ndtagsabgeordneten gewählt. Der Polencandidat Zatwarnicki erhielt 1OG Stimmen. Frankreich. Paris, 15. November. (Arch. isr.) Herr V. Levy, Professor der deutschen Sprache am Lhci'e t.oili^-Ie-Gr.imI. ist zum Gcneralinspeetor für den Unterricht in lebenden Sprachen ernannt worden.— Zn Algier wurde Herr Honel zum Batonnier des Advocatcnstandes erwählt. Italien. Ferrara, 20. October. (Nach den Arch. isr.) In den italienischen Zeitschriften hat sich vor Kurzem ein heftiger und lang andauernder Streit abgespielt, nämlich über die Befähigung der Israeliten zu Staatsämtern, namentlich zu den höchsten. Ta derselbe doch nur die verschiedenen Wege gegangen, welche über diese Frage in allen Ländern bis zum Ziele öeschritten ward, und die von beiten Seiten angeführten Arguniente nichts Neues zu Tage förderten, übergehen wir hier die Einzelheiten. Ter Sache des Rechtes und des patriotischen Freisinnes verblieb, wie überall, der Sieg, zu welchem nicht weniger ausgezeichnete christliche Männer, als solche der jüdischen Religion beigetragen haben. Zn Italien hat die Sache das Gute, daß der ganze Streit post fesium kommt, da sich bereits viele Zsraeliteu in Staats-- und Municipalämtern befinden; wir erinnern nur an Herrn Artom, der noch immer Gencralsecrctär im Ministerium res Auswärtigen ist. So wurde auch jüngst Herr Emil Morpnrgo aus Padua (Deputirter) Generalsccretär im Mitiislerilun dcö Ackerbaues und des Handels. Die eigentliche Ursache der oben erwähnten Polemik war, daß Herr Maurogonato in der letzten ministeriellen Krise zum Finanzminister tesignirt war. deicht bloß die rcaetionäreu Blätter waren darüber entrüstet, sondern ein Deputirter, der sich fast zur liberalen Partei zählt, Pasgualigo, sandte an den König ein Telegramm, in welchem er ihn beschwor, nicht einen Israeliten in den Rach der Krone auszunehmen. Der König antwortete dadurch, daß er selbst unseren Glaubensgenossen aussorderte, den Wünschen deS Ministerpräsidenten Minghctti sich zu fügen und das Aurt anznnchmen. Es geschah Dies jedoch nicht. Das Verfahren Pasgualigo's wurde bekannt nnd im Uiriuo hart gegeißelt. Hieran knüpfte sich der Streit. (Es wundert uns, daß bei dieser Polemik übersehen wurde, wie schon im Mittelalter das Finanzntinisterium öfters von Juden bekleidet worden ist. Zn unserer Zeit fiel auch das Znstizministerium in Holland und Frankreich Zuden zu, und in England bekleidet jetzt ein solcher das höchste richterliche Amt.) Rumänien. Botttschan, l 2. November. (Privatmitth.) Zch habe Zhnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß unsere Schule, die so überaus segensreich, besonders für die ärmeren Elasten wirkt, nunmehr bis für das Zahr 187-1 stnanciell gesichert ist. Wir haben Ties der Beisteuer der Wiener Allianz, des Prof. LazarttS und des Generalconsuls Peixolto zu danken. Das Motiv zu dieser edlen Handlung konnte aus den rühmlichen Zeugnissen des k. k. österreich-ungarischen Viceconsuls, des niederländischen und des Directors des Lyceums über die Ergebnisse der stattgefundenen Prüfungen gezogen werden. Gott gebe ferner Seinen Segen! Wir hoffen, daß bis Ende 1874 die hiesige Gemeinde sich aus ihren Spaltungen, mit denen die Schule eigentlich Nichts zu thun hat, wieder erhoben haben wird, nur die Erhaltung der Säule aus ihren eigenen Mitteln zu bewerkstelligen. Amerika. Washington, im November. Das Washington Chronicle stellt zu Ehren der Zsraeliteu fest, daß unter so vielen Fallissements, die jetzt in der amerikanischen Krise vorgekommen, keine einzige Bank, kein einziges Bankhaus gefallen, ja selbst nur die Zahlungen silspcndirt hat, welche Zsraeliteu angehören. Es schreibt diese Dauerhaftigkeit der Klugheit zu, mit welcher die Zsraeliten ihre Geschäfte leiten. „Sie wagen," sagt cs, „niemals ihr ganzes Gut; einer ihrer Lieblingsgrundsätze ist, daß man immer eine Reserve Hallen müsse; übrigens bei dem Geiste der Solidarität, der sie beseelt, verfehlen sie nicht, diejenigen ihrer Glaubensgenossen rechtzeitig zu unterstützen, mit welchen sie in Geschäftsverbindung stehen, und die sie in Verlegenheit wissen." Mit Recht fügt der Redaeteur der Arch. isr. hinzu, daß diese letztere Bemerkung nur in sehr mäßigem Umfange sich bewahrheitet; aber er irrt gewaltig, wenn er behauptet, daß auch in Wien und Berlin kein Jude unter den Falliten gewesen. Wir wünschten wohl, daß Dies richtig wäre, und unsere Glaubensgenossen in Berlin und Wien dem oben, den amerikanischen Juden zugeschriebeuen Grundsätze gehuldigt hätten!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.