Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 49 (1.12.1873)
- Date
- 1873-12-01
- Page
- Seite 805 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226906-3226956--32164-3255122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SO 5 finanzielle Lage der Anstalt derart zu bessern und sicher zu stellen, daß eine gedeihliche Weiterentwickelung in Aussicht gestellt werden könnte. Die Besoldung ihrer Lehrer entspricht nicht den gesteigerten Anforderungen der Gegenwart, und bleibt weit hinter den rcgulativmäßigen Gehalten der sonstigen Seminarlehrer zurück. Kommt dazu, daß die Anstalt bisher nicht als Staats-und auch nicht als provinzialständische Anstalt anerkannt ist, daß daher die Zukunft der Lehrer, sowohl in Bezug auf das Aufrücken zu höheren Stellen, bezw. Gehalten, als auf Pensionen für sich und ihre Hinterbliebenen, gänzlich ungesichert ist, — so ist cs begreiflich, daß zum größten Rachtheil der Anstalt ein öfterer Wechsel der Lehrer eintreten, und die Freudigkeit des Wirkens gehemmt werden muß. — Ein in den letzten Jahren durch Schenkung hiesiger Mitglieder mit einem Capitale von 1000 Thalern begründeter Hülfsfond für die Lehrer der Anstalt ist begreiflich zu klein, um dauernde Abhülfe zu schaffen. — Die Zahl der Zöglinge hat auch in bedauerlicher Weise abgenommen, — es sind jetzt nur 1.6, — wozu außer anderen Umständen, naiuentlich der Mangel an Subsistenzmitteln beiträgt. Tie Anstalt ist ein Externat; die Zöglinge erhalten nur, soweit sie unbemittelt sind,— und das sind fast alle, — freien Unterricht, und müssen sich sonst selbst hier erhallen. Wenn nun auch, mit nicht genug zu rühmender Bereitwilligkeit, von den Mitgliedern der Synagogcngemeinden Hannover und Linden den Zöglingen, freier MittagStisch gewährt ist, — ohne welche, mit großen Opfern verbundene Liberalität die Anstalt überall nicht existiren könnte, — so sind doch für die anderen Lebensbedürfnisse, und namentlich für die in den letzten Jahren auf das Doppelte gestiegene Micthe und Feuerung, so bedeutende Mittel erforderlich, das; viele strebsame junge Leute sie nicht erschwingen können, und sich anderen, weniger kostspielige Vorbereitung erfordernden und pecuniär lohnenderen Berufsarten zuwcnden. — Die aus den Zuschüssen dcS Staates, bezw. des Provinzialfonds, seit tSOl den Zöglingen gewährten Stipendien von durchschnittlich 5<> Thalern per Jahr können nur denen aus der Provinz Hannover bewilligt werden, und die anderweitigen spärlichen Mittel des Stipendienfends, der durch eigene Schenkungen und Legate gestiftet ist, reichen bei Weitem nicht hin, auch nur die drückendste Noth abzmvehren." „Wir dürfen daher, im Hinblicke auf die 25-jährige Wirksamkeit der Anstalt und die oben dargelegten Resultate, die dringende Bitte an alle Betheiligten richten, unserer Anstalt wiederum, was seit Jahren unterblieben, freundlich gedenken und ihr freiwillige Beiträge zuwenden zu wollen. Namentlich an die Synagogengemeinden der hiesigen Provinz, für welche die Anstalt zunächst bestimmt ist, und in deren Mitte sie, — gewiß nicht zur Unehre, — wirkt, wie an die einzelnen Mitglieder derselben, ergehet die dringende Mahnung, den Fortbestand der Anstalt durch einmalige oder fortlaufende jährliche Gaben ermöglichen, und gegen die Wechselfälle der Zukunft sicher stellen zu wollen." Ein Begetiren oder gar Eingehen der Anstalt würde die heiligsten Interessen der Synagogengemeinden auf das Schwerste schädigen und den Fortbestand rer Gemeinden selbst, denen mit den Lehrern auch die Leiter des Gottesdienstes fehlen würden, ernstlich gefährden. Selbst wenn eS gelingen sollte, waS noch sehr fraglich ist, die Anstalt zur StaatSanstalt zu erheben, würde doch ras Bedürfniß für die Unterstützung der Zöglinge fortbestchen." „Mit einer sicheren, jährlichen Beihütfe von |»l. in..1000 Thalern, oder einem entsprechenden Capitale würde, wie wir glauben, die gedeihliche Fortentwickelung der Anstalt für die Zukunft gesichert sein. Möge das Bewußtsein der sittlichen und religiösen Pflicht, eine Stätte für Lehre und Gesittung zu erhalten, und die Dankbarkeit gegen die Leistungen derselben im ersten Vierteljahrhundert ihres Bestehens, uns baldigst die Mittel gewähren, mit freudiger Zuversicht für die Zukrrnfl und mit innigem Danke gegen die Spender, unser Wirken für die Anstalt sortsetzen zu können. Hannover, 11. November. «Privat«!.) Am 7. d. M. fand in der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer Hierselbst die Feier ihres 25-jährigeu Bestehens statt. Dieselbe sollte nach einem Beschlüsse der Verwaltnugseonnnission der Anstalt in Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeitverhältnisse keine officidle sein, wie Anfangs beabsichtigt war, und sie fand daher auch nur in Gegenwart der Schüler, der jetzigen und früheren Lehrer und des Laudrabbuiers statt. Letzterer sprach über die Bedeutung des Tages, wie über das doppelte Ziel, das die Anstalt zu verfolgen habe, indem sie ihre Zöglinge nicht blos zn Lehrern im Allgemeinen, sondern speciell zu jüdischen Lehrern ansznbilten suche, und nachdem sie in den verflossenen 25 Jahren ihr KindeSalter mit solchen! Erfolge zwückgelegt, sei die Hoffnung wohlbegründet, daß sie eine immer segensreichere Wirksamkeit entfalten werde, zumal wenn sie stets von Männern geleitet wird, wie der gegenwärtige Oberlehrer-der Anstalt, Herr Professor l»r. Frensdorfs, der mit der Anstalt sein Jubiläum als Leiter derselben feiere. Hierauf nah!« dieser, sichtlich bewegt, das Wert, pries die Gnade Gottes, durch welche allein die Hinderuisse, mit denen die Anstalt bei ihrem Entstehen zu kämpfen hatte, hätten überwunden werden können, erkannte die Treue seiner Mitarbeiter an, wies auf die Leistungen der Anstalt hin, wie sie in einem soeben veröffentlichten kurzen Bericht des Breilereu angegeben sind, und wandte sich schließlich an die Schüler mit der Mahnung zu Fleiß und Treue gegen die Anstalt, daiuit auch sie derselben einst zur Ehre gereichen. Ein Choral beschloß alsdann die würdige Feier, wie ein solcher sie eingeleitet hatte. Hieraus erschien eine Deputation auswärtiger Lehrer, welche früher das Seminar besucht hatten, und überreichte Herrn Professor Or. Frensdorfs, nachdem ihm zuvor eine die aufrichtigste Dankbarkeit athmente Arreste vergelesen werden war, ein Album, welches die Photographien sehr vieler Schüler enthielt, welche in den 25 Jahren auf der Anstalt ihre 'Ausbildung genosten haben. Auch 40