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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-01 · Heft 49 (1.12.1873) · p. Seite 804

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 49 (1.12.1873)
Date
1873-12-01
Page
Seite 804 (sequence 8)
Language
German
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804 juv Errichtung eines Denkmals für denselben aufzubringen. Die Beiträge von Verehrern, Schülern und dankverpflichteten ehemaligen Patienten flössen, — selbst von jenseits des OceanS, — in so reichen! Maße, daß das Ziel in verhaltnißmäßig kurzer Zeit votlkonnncn erreicht wurde. Das Denkmal wird nach dem Beschlüsse des Eomites in einem 1<> Fuß hohen, in Erzguß ausgesnhrten Standbilde des zu früh Verblichenen bestehen, dessen Modellirnng Herr Professor Zumbusch in Wien (früher in München) übernommen hat. Dasselbe wird der Stadtgemeinde Erlangen als Geschenk überlassen, deren Gemcindecorporationen dessen Aufstellung aus dem Holzmarktplatze beschlossen haben. (Diese Ehrenbezeugung wird einem Juden zum ersten Male gewährt; denn die Standsäule Jnda-Touros wurde demselben durch seine Glaubensgenossen gewidmet. Nedact.) Stratzbnrg, im November. (Privatmitlh.) Wenn in Ihren! Blatte in der letzten Zeit wiederholt über die Verunglimpfungen unserer Glaubensgenossen, die jetzt in den französischen Zeitschriften täglich zu lesen sind, geklagt wird, so ist cs noch mehr zu bedauern, daß wir solchen, selbst in den sonst ernstesten und besonnensten Journalen begegnen. Im jüngsten Hefte der Uevue dos <I,>»x Mondes gicbt ein Herr Ernst Lavisse einen gntgeschriebcncn Artikel: „Ein Besuch im deutschen Reichstage." Derselbe ist nicht gerade mit leidenschaftlichem Hasse gegen die Deutschen geschrieben und nicht ohne richtiges Uriheil, wenn auch hier und da die innere Verbissenheit gegen die Deutschen durchbricht. Am schlinuusteu komnien die Nationalliberalen weg. Er spricht auch von Herrn Laster und fügt hinzu: „Seine Neligionsgenossen sind in Deutschland Gegenstand eines Hasses, welcher an das Mittelalter erinnert. Wagte Jemand den Antrag zu stellen: die Israeliten sind ins Ghetto znrückz'nführen, so würde die Zustimmung nicht lange auf sich warten lassen." — Tie Unwahrheit, die Uebertreibung, die in diesen Worten liegt, ist freilich weniger gegen die Juden, als gegen die Deutschen gerichtet. Hätte der Mann wirklich Beobachtungen im deutschen Volke angestellt, oder wäre es ihm um Wahrheit zu thun gewesen, so hätte er sich zu einer solchen unbegründeten Aeußerung nicht verstiegen. Im Gegentheil aber giebl er abermals ein Zeugniß von der Gesinnung ab, die leider gegenwärtig bei den französischen Wortführern herrscht. Die Erklärung dafür kann man nur darin sinden, daß die Franzosen 1$7<> mit vielem Anderem, was sie sich eingebildet, auch die Meinung hegten, die deutschen Juden ständen aus ihrer Seite, weil die Franzosen zuerst in Europa die bürgerliche Gleichstellung rer Juden verwirklicht haben. Nun fanden sie, daß die deutschen Juden denselben Patriotismus hegten und bethäligten, wie ihre christlichen Mitbürger, und diese Enttäuschung hat sie gegen die Juden, und besonders gegen die deutschen Juten'so überaus äehassig gestimmt. Hoffen wir, daß die Zeit auch diese Erregung mildern, wenn nicht beseitigen werde. Hannover, im Nov. «Privatin.» Soeben wurde ein „kurzer Bericht über die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover während ihrer 25-jährigen Wirksamkeit" versandt. Diese Anstalt hatte von Anfang an den Vortheil, vom Staate anerkannt (z. B. hinsichtlich der Prüfung ihrer Zöglinge) und mit einem Zuschüsse ans Staatsmitteln versehen zu werden, letzterer freilich in einem verhällnißutäßig schwachen Grade. Dagegen litt und leidet sie wie ihre Mitschwcstcrn an der so oft gerügten Misere, von den jüdischen Glaubensgenossen selbst in ärmlicher Weise bedacht und dotirt worden zu sein. Wir heben hervor, daß das Seminar am 7. November 1S4S mit 7 Schülern, deren Zahl zu Zeiten bis 52 stieg, eröffnet ward. Die durch freiwillige Gaben zusammengebrachte Summe als Fonds belief sich auf 6000 Thaler; die Beihülfe ans dem Provinzialfcnds ist jährlich 2000 Thaler. Im Laufe der 25 Jahre sind im Ganzen ca. 180 Schüler in die Anstalt ausgenommen worden, von denen nur 65 aus der Provinz Hannover stammten, die anderen aus den übrigen Theilen der Monarchie, bezw. Deutschlands, theilweise selbst über dessen Grenzen hinaus. 109 derselben habenden ganzen Cursus durchgemacht und die Abgangsprüfung bestanden (davon allein in den letzten 7 Jahren, von 1867 bis 1873 inclusive 53), und zwar 17 „sehr gut", 57 „gut" und 35 „genügend". Bon diesen Lehrern sindmehrere später zu höheren Studien übergegangen, und fungiren als Docenten, Rabbiner und Prediger. Da uns trotz-öffentlicher Aufforderung von den meisten nähere Nachricht nicht zugegangen ist, so können wir nur aus anderweitiger Kenntniß mittheilen, daß, soviel hier bekannt, 34 noch in der Provinz Hannover als Lehrer im Amte sind; 25 in den anderen Provinzen der Monarchie, und 18 in den anderen Ländern des deutschen Reichs. So anerkennenswcrth alles Dies ist, so kann man doch nicht verkennen, daß auch die jüdischen Anstalten aus jenen, ich möchte sagen, naiven Zuständen herausgetreten sind, in welchen sich mit den ärmlichsten Mitteln tüchtige und eifervolle Kräfte begnügten, uni gute Resultate zu erzielen, die, sagen wir es offen, unseren Glaubensgenossen in den Schoß sielen. ES ist Dies jetzt anders geworden. Bedeutende Lehrkräfte sinden jetzt auch an den allgemeinen Lehranstalten Verwendung, und auch der jüdische Lehrer will eine auskömmliche und selbstständige Stellung cinnehmen. Die Zukunft sämmtlicher jüdischer Lehranstalten ist daher durchaus gefährdet, und die volle Aushülfe vom Staate zu erwarten, ist eine Illusion, die sich bald genug als solche erweisen wird. Es wird den Juden bald die Frage vorliegen: wollen wir Lehrer, sei eS auch nur ReligionSlehrer, haben, so müssen wir etwas Erkleckliches dafür thun, wo nicht, werden wir keinen haben. Diese Alternative erweist sich auch ans diesem Bericht, der folgendermaßen schließt: „Wenn nach diesen Seiten hin der Rückblick auf die ersten 25 Jahre der Anstalt billige Erwartungen befriedigen darf, — so hat es leider in den letzten Jahren nicht gelingen wollen, die

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