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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-12-01 · Heft 49 (1.12.1873) · p. Seite 803

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 49 (1.12.1873)
Date
1873-12-01
Page
Seite 803 (sequence 7)
Language
German
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S03 Nach einer, nach allen parlamentarischen Regeln geführten ftiir=j mischen Debatte wurden die Vorschläge des Vorsitzenden ange-! nommen, und aus den Herren B. Borek, Pick und S. Finkelstein (sämmtlich Armenpfleger der hiesigen Gemeinde) unv den Herren Baum (Lissa), Lewin (Leipzig», Hirsch und Silberstein (Pinne»,! Rosenthal (Berlin), Fabisch und Melzinsky (Grätz», Hirsch (Stettin) und Rachelmann (Schwerin), eine Commission für die zu gründende Caffe ernannt. Das steigende Ansehn, desien sich die hiesige Universität erfreut, hat die natürliche Folge, das; auch sehr viele mittellose Stuvirende jüdischen Glaubens dieselbe besuchen. Die jungen Leute kommen, oft von allen Subsistenzmitteln entblößt, hierher, im Vertrauen auf den lieben Gott und die jüdische Wohlthätigkcit. Nun wird hier zur Unterstützung armer Studirender viel, sehr viel gethan. Außer dem „Mendelsohnvereiu" und der „Gesellschaft der Freunde", hat auch die hiesige „Unterstützungscasse" beträchtliche Summen zu genanntem Zwecke ausgeworfen, — von der, durch den unermüdlichen Gemeindevorstand stets in Bewegung gesetzten großartigen Privatwohlthatigkeit ganz zu schweigen. Und doch kann bei der großen Anzahl unterstützungsbedürftiger Studirender allen Ansprüchen nicht genügt werden. Es ist daher unvermeidlich, daß dieselben, namentlich in dem ersten Semester mit empfindlichem Mangel zu kämpfen haben, uiu so mehr, als bei dem Uebersluß an Unterrichtenden der Gelegenheiten zu Nebenverdiensten durch Stundcngeben u. s. w. Nur wenige sind. Mögen somit Diejenigen, die sich Studienhalber, — auch zum Besuch des Conservatoriums, der Handelsschule, — hierher begeben wollen, von Haus aus mit den ncthwendigsten Mitteln sich versehen, und nicht auf gut Glück sich verlassen. Im Gegensatz zu den Berichten auS anderen Gemeinden kann ich Ihnen mittheilen, daß die hiesige Fremdenunterstützungscasse ganz ausgezeichnet funetionirt, und von allen Gemeindeinitgliedern als wahrer Segen empfunden wird. Die Beseitigung der Hausbettelei ist hier eine vollendete Thatsache. Die Unterstützungscaffe ist für die Wandcrbettler eine „Erziehungsanstalt", die sie nach kaum minutenlangem Besuch nicht verlassen, ohne zu wissen, daß man fortan nur gegen Diejenigen jüdische Wohlthätigkeit übe, die sich durch redliche Arbeit ehrlich ernähren wollen. Würdigen Unterstützungsbedürftigen wird der beschämende und daß Ehrgefühl abstumpfende Weg der Privatbettelei erspart und, ihren Zwecken entsprechend, nachdrücklich geholfen. Leipzig, noch vor einem Jahre der Sammelplatz aller Schnorrer aus allen Wellgegenden, ist jetzt so ziemlich von denselben gesäubert. und zwar lediglich dadurch, daß sie die unerschütterliche Uebcrzeugung erlangt haben, daß hier die Bettelei nicht mehr lucrativ sei. In der Gemeinde hört man jetzt allgemein die Aeußerung: Jetzt weiß man doch, das; das zu wohlthätigen Zwecken gespendete Geld wirklich guten Zwecken diene. Um die Durchführung unserer Armenpflegereform haben sich die Vorsteherinnen Frau Oppenheimer, Frau Frankel und Frau j Fanny Finkelstein, sowie die Herren Armenpsleger Finkelstein,! Bodek und Pick große und bleibende Verdienste erworben. Die hiesige Gemeinde wird im Verein mit der dresdener dem .Könige Albert eine Beileids- und Hntdigungsadresie über-! reichen. Eine solenne Todtenseier für König Johann wird demnächst in hiesigem Gemeindetempel stattsinden. Leipzig, im 'November. (Privatmitlh.) Um sich mit den Mitgliedern des GemeindebundcS in engere Verbindung zu setzen, hat der Ausschuß desselben beschlossen, von Zeit zu Zeit „Mittheilungen" in losen Heften zu veröffentlichen. Die Nr. 1 liegt vor, und intern wir diejenigen Berathungen, die noch zu keinem Beschlüsse führten, übergehen, heben wir das Wichtigere daraus hervor. — In einem Rundschreiben vom Ende Oetober 1873 werden Vorstände, Rabbiner und Lehrer in Preußen aufgesordert, sich mit den Abgeordneten ihres Kreises in Verbindung zu fetzen, um für die Ausrcchterhaltnng rer Gemeindeeinheit zu wirken. — In der Ausschußsitzung vom 21. August c. wurde, da Berlin abgelehnt hatte, Vorort des Bundes zu fein, Leipzig dazu gewählt. —■ Der Eaffeubestaud zeigt eine Einnahme von 2332 D ' , n, und Ausgaben von 785 Thalern, bleibt Bestand von 1547 Thalern. — Der Ausschuß strebte fortwährend durch geeignete Vorschläge die Wander- und Hausbettelei zu beseitigen; indes; ist das Armenwesen der meisten Gemeinden noch zu wenig geregelt, um wirksame Maßregeln erreichen zu können. — lieber die Einordnung des jüdischen Religionsunterrichts in die Volksschule wurden Gutachten eingefordert, gedruckt, verbreitet, und dem preußischen Eultusminister überreicht. — Die Zahl der beitrcteuden Gemeinden ist noch irumer im Wachsen. — lieber die in Preußen jetzt obwaltende Frage über die Verfassung der jüdischen Gemeinden will der Ausschuß eine Broschüre veröffentlichen, in welcher mehrere wichtige Gutachten und 3 enthalten sein werden. — Zur Gründung einer GemeindebuntpensionScassc sind bereits I5>>0 THaler zugesagt, und einige Legate bis zur Höhe von 25,0 "0 Thalern in Aussicht gestellt. -- Man will Bevollmächtigte des Gelneinrebnndes in einzelnen Gegenden ernennen. — Außer diesen Gegen ständen kamen noch viele anregende Punkte zur Sprache, deren weitere Verfolgung mannigfachen Nutzen verheißt. Berlin, 20. November. Ter Privatdeceut in der juristischen Facultät hiesiger Universität, Sladtrichter l»r. Ru bo, ein Eriminalist von dünnen, hat einen Ruf als ordentlicher Professor nach Straßburg erhalten, aber abgelehnt. Derselbe ist Protokollführer der Commission zur Berathung der Reichomilitärstrasproeeßordnung, und hat cnv gleiche Stelle bei rer Vorberalhung res Reichsstrafgefetzbuches eingenommen. Erlangen, 11. November. Kur; nach dem, im September 1871 erfolgten Ableben des als akademischer Lehrer, Arzt und Menschenfreund ausgezeichneten Professors rer Meticin an der hiesigen Universität, Herrn.l»r. Jakob H e r;, hatte sich ein Eomitö zu dem Zwecke gebildet,^nrch. Sammlungen die Mittel

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