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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-25 · Heft 48 (25.11.1873) · p. Seite 789

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 48 (25.11.1873)
Date
1873-11-25
Page
Seite 789 (sequence 9)
Language
German
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789 Oesterreichischmigarischk Biouarchie. Pest, 6. Nov. (Privatm.) Die zum Jnslebentreten der Rabbinerbildungsanstalt von dem Herrn Unterrichtsministcr ernannte Commission hielt een 4. d. M. im Sitzungssaale der hiesigen israel. Religionsgemeinde ihre erste Sitzung. Dieselbe wurde von Herrn Martin Schweiger, dem Präsidenten der Landescanzlei, mit einer kurzen Begrüßungsrede eröffnet. Zur Constituirung aufgefordert, wurde Herr Schweiger,zum Vorsitzenden gewählt. Behufs gründlicher Berathung der Gegenstände der Tagesordnung, als Anfertigung einer Haus- und Geschäftsordnung, Wahl der Professoren, Feststellung der Gehalte, Adoptirung der Localitäten, Acquirinrng einer Bibliothek u. dgl. m. theilte sich die Commission in eine Fach- und Oekonomiesubcommission. Mitglieder der Fachcommission sind die Herren: Samuel Deutsch (Pest», Wilhelm Frankl (Preßbnrg), Dr. Jg. Hirschler »Pest), Rabb. Hochmuth (Vcßprim), Nr. Kayserling (Pest», Nr. Kohn (Pest), Alex. Leopold (Szegzard), Rabb. D. Oppenheim (Gr. Becskerek), D. Pillitz (Velencze), Nr. Heinrich Pollak (Pest), Rabb. Steinhardt (Arad), B. Stern (Pest). Mitglieder der Oekonomiecommission sind die Herren Löbl Aronsohn (Kronstadt), Bernhard Deutsch (Pest), A. Fochs (Pest), Leo Holländer (Eperies), H. Neuwelt, M. Schweiger und Mor. Wahrmann (Pest». Die gesummte Commission-wurde Mittags 12 Uhr von Sr. Excellenz Herrn Minister Trefort empfangen. Herr Nr. Kohn gab dem Dankgefühlc der Commission beredten Ausdruck, worauf der Minister in leutseligster Weise erklärte, daß er gern bereit sei, jede fortschrittliche Bestrebung zu unterstützen, daher auch die Rabbinerbildungsanstalt in ihm einen unermüdlichen Förderer finde. Krakau, im November. (Privatm.) Ich habe Ihnen bereits das Resultat der galizischcn directen Ncichsrathswahlen mitgetheili. Unter 63 Abgeordneten, die Galizien in den Reichsrath entsendet, befinden sich blos vier Israeliten: die l)IW. Hönigsmann und Landau aus den Stadtgenieinden, und die Herren Katlir und Mendelsburg aus den Handels- und Gewcrbekammern. Die Wahl des Herrn MiseS in der meistens von Juden bewohnten Städtegrnppe Sarnbor-Drohobycz-Cteyj (im östlichen Galizien), wo durch Terrorismus von Seiten der dort in der Minorität sich befindenden Nationalen ein Pole aus der Wahlurne hervorging, ist noch problematisch, und werden wohl die Wahlverisicationcn im Abgeordnctenhause die Wahrheit ermitteln. Cs muß hervorgehoben werden, daß wir bei diesen directen Wahlen keinen neuen Abgeordnetensitz errungen haben, indem Brody (sowohl Stadt als Handelskammer) und Koloiuea, wo unsere Glaubensgenossen in der Majorität sind, immer Juden in den lemberger Landtag entsendet haben, und hier in Krakau ist Herr Mendelsbürg, ein hiesiger Banguier, nur dadurch von der Handelskammer gewählt worden, weil der bisherige Vertreter derselben, Herr Weigel, nnttelft eines CompromisseS in der Stadt als Candidat aufgestellt wurde, und die Handelskanuner, die darauf beharrte, einen aus ihrer Mitte zu wählen, keinen geeigneten Candidaten auszuwcisen hatte, der, waS hier besonders schwer in'S Gewicht fällt, der deutschen Sprache vollkommen mächtig wäre. Uebrigens zählt Herr M., sowohl seinen Antecedentien, als seinen commerciellen und socialen Beziehungen nach, zu den ausgesprochensten Nationalen, und hat, wie leider die meisten sogen, jüdischen Fortschrittsmänner, mit seinen Glaubensgenossen, mit der Sache des wahren,' positiven Fortschrittes wenig gemein. Die jüdischen Abgeordneten aus Galizien bilden demnach ungefähr Vic der gesammten, von dieser Provinz erwählten Abgeordnetenzahl, während die Inden, wie erst neulich durch Schimmer (die Statistik des IudenthumS 1873» nachgewiesen wurde, nahezu V? der hierländischen Gesammtbevölkerung auSmachen. Zieht man aber noch andere Factoren in Betracht, vornehmlich, daß die Juden die Majorität in den Städten bilden, daß sie den ganzen Handel, und die hier zwar noch im primitiven Zustande sich befindende Industrie in Händen haben, und also gewissermaßen den in allen normal organisirten Staaten sehr wichtigen tier8-et.it bilden, daß sic ferner in den Städten und auch meistens auf dem flachen Lande die höchstbesteuerten sind, — zieht man Alles das in Betracht, so wird sich das Facit der letzten Wahlen als ein für uns noch weit ungünstigeres Herausstellen. Es ist jetzt unnütz, die Fehler, die intra muros et exira, sowohl von Seiten des Schonier Israel, als der Polen begangen wurden, hervorzuhebcn, und die dieses für uns ungünstige Resultat herbeigesührt haben; Dies nur sei hier erwähnt, daß, nachdem die Juden in das bekannte politische Bündnis; mit den polenseindlichen Ruthenen eingegangen, die Polen durch das von ihnen ausgegebene Losungswort: die Nationalität und die Religion sind in Gefahr, die urthcilsunfähige Menge dermaßen sanatisirtcn, daß unsere Glaubensgenossen dadurch eingeschüchtert, jenen das Feld räumen mrrßten; die ruthenischen Führer aber, besonders die Geistlichen, denen unsere Glaubensgenossen zu ihrem großen Siege über die Polen wirksam und ehrlich verhelfen haben, getreu ihrer alten Ränkesucht, der gr;n*c:i fnli-s, erwiesen sich als treulose Bundesgenossen, denn im Geheimen agitirten sie selbst gegen die jüdischen Candidaten. Dazu ist es bekannt, daß in einigen Ortschaften des östlichen Galiziens, wie in Sta> nislau, Tarnopel, viele unserer, meistens der Fortschrittspartei angehörenden Glaubensgenossen, die mit dem Polenchmu liebäugeln. gegen die Wahl ihrer verfassungstreuen Brüder agitirten, und dadurch die eines Nationalen ermöglichten. Was speciell die Wahlen im hiesigen Stadtbezirke betrisst, wo bekanntlich 2 Inden, die IH»r. Warschauer und Lamelson, canditirten, so ist crftcrcr wegen fein" U-ibcliebthert bei den Inden, und letzterer in Folge des Anstoßes, den er durch sein zu grell hervortretendes Polenthum den Juden gegeben, durch diese selbst zu Falle gebracht worden; für beide, besonder« für l>r. 4S

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