Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1873)
- Date
- 1873-11-25
- Page
- Seite 788 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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788 fehlt, sobald sie sich unter der Herrschaft des für Alle gleichen Gesetzes wissen. Wir wünschen aufrichtig, daß dergleichen Zwistigkeiten zwischen der Bevölkerung eines -und desselben Landes, einer und derselben Stadt aus consessionellen und nationalen Ursachen auf der ganzen Oberfläche der Erde verschwinden mögen. Sind sie aber leider nech vorhanden, so ist es sicherlich zu loben, wenn auch die Juden ihre Selbstständigkeit sich wahren, und nicht feige vor jedem Angriff zurückweichen. Berlin, 16. November. (Privat mitth.) In diesen Tagen hat der König ein Reglement genehmigt, in welchem die Bestimmungen über die Vollstreckung der gegen Militärpersonen durch gerichtliches Erkenntnis verhängten Strafen zusammengefaßt sind. Bemerkenswcrth daraus ist, daß einer Strafanstalt nnr Personen einer Confession zngeführt werten sollen. Die Juden verbüßen ihre Strafen resp. in Insterburg, Rawic;, Hameln oder Köln. Als ein Grundsatz ist festgestellt, daß ',auf die Religionsübungen der Gefangenen ein Zwang nicht auszuüben sei." Oels, im November. lPrivatmitth.) Es erregt in der hiesigen Synagogengemeinde große Freude, daß deren Rabbiner, Herr Nr. Cohn, vor einigen Tagen von der königlichen Negierung zum Mitglied der städtischen Schuldepntation hierorts gewählt worden ist. In den ersten Jahrgängen dieser Zeitung, die so viel zur Hebung des Indenthnms beigctragen, hat mün dergleichen wohl noch nicht berichten können. Marburg, im November. (Privatm.) In diesen Tagen habilitirte sich ein junger talentvoller Mann, Herr llr. Hermann Cohen, als Docent in der philosophischen Facultät der hiesigen Universitär, nno zwar für die Philosophie selbst. Seine Habili« raiionsrede behandelte einen interessanten Stoff aus der Kant'schen Philosophie. Wolfenbüttel, 13. Rov. lPrivatmitth.) Die Samsonschnle beging am 2t. Oclober die hundertjährige Geburtstagsfeier ihres verew. Inspectors, Sam. M. Ehrenberg. Die Festrede hielt der gegenwärtige Directvr, Herr Dr. Rosen stock, zunächst aus führend, wie die Anstalt unter der Leitung des Gefeierten und seines würdigen Sohnes und Nachfolgers alle Phasen der Geistesenlwickelnng des Judenthmns unseres Iahrhuneerts durchschritten, wie sie sich ans der dumpfen Enge eines Bet-Hamidrasch zu einer israelitisch-demschen Erziehungsanstalt emporgerungen, die mit den Mnsterinstituten ihrer Zeit zu wetteifern vermochte. Dann schilderte Redner die Kämpfe, die dem Inspector nicht erspart blieben, als er 1S07 mit seinem Amtsantüw die Umgestaltung des Institutes vornahm, mit den bestehenden, jämmerlichen Schuleinrichtungen brach, nin dem frischen \ rer die Pädagogik belebte, auch hier Raum zu schaffen.' Tein Material bestand ans unwiffenden, rohen Bachurim mit verderbtem Dialect und rohen Sitten, und an ihnen vollbrachte > er feine rühmlichste Thal. Ohne jedes Vorbild unter jüdischen Pädagogen, allein getragen von der Strömung seiner Zeit, ausgestattet mit seltener Energie und Liebe zur Jugend, und mit feinem Geschick, — so schuf er sich selbsteigen einen ErziehungS- und Lehrplan. — Den Beschluß der Feier machte ein Festmahl, das würdig mit einem Toaste ans den großen Gelehrten l>r. Zunz endete, den ehemaligen Schüler und Lehrer der Anstalt. Was nun die Anstalt selbst betrifft, so wirkt sie nach wie vor in abgeschlossener Stille Treffliches; doch sollen einige bedeutende Veränderungen, die ich vorfand, nicht unbemerkt bleiben. Die Anzahl der Schüler hat sich seit meiner fast zehnjährigen Abwesenheit um das Doppelte vermehrt, und wurde mir dieser erfreuliche Zuwachs begreiflich, als ich ans dem Lehrplane ersah, daß die Anstalt völlig den Anforderungen an eine höhere Realschule gerecht wird. Solches beweisen auch die bereits erzielten Erfolge:' von den Letztentlaffenen hat einer daS Aufnahmeexamen am Potytcchnicum zu Hannover bestanden, während die anderen, die alle ihre Befähigung zur Ableistung des Examens für den einjährigen Dienst bekundet, in bedeutende Geschäfte größerer Städte eintreten konnten. — Von der vortrefflichen Pflege überzeugte mich das kernige Aussehen der Zöglinge; doch bewies mir ihr munteres, offenes Wesen auch, wie bei aller sachgemäßen, strengen Zucht, bei der sorgfältigen Aufsicht Seitens der Lehrer, ein anmuthcndes Verhältniß zwischen Erziehern und Schülern besteht. Der Erziehung ist der religiöse Boden gewahrt, und die hebr.-literarische Wissenschaft findet trotz des erweiterten Unterrichtsplanes die ihr gebührende Beachtung. 8. Aus dem Rabbinatsbezirke Dürkheim, 22. October. (Privatm.» Gestern »vurde hier ein ebenso schönes, wie seltenes Fantiliensest gefeiert. Unser Mitbürger, Herr David Kauffmann, unv deffen Gattin, Fanny geb. Feist, begingen ihre Diamant- Hochzeit. — Wenn es schon eine große Gnade ist, 60 Jahre in ehelicher Gemeinschaft zu leben, so ist diese Gnade eine doppelte und dreifache, wenn solche bejahrten Ehegatten noch so rüstig und frisch an Körper und Geist sich besinden, wie Dies hier der Fall. Morgens schon war der katholische Ortsgeistliche, Nachbar des Jubelpaares, gekommen, um seinen Glückwunsch darznbringcn. In warmen und liebevollen, aus den Herzen kommenden und mit tiefer Rührung gesprochenen Worten hob er hervor, wie viel Gutes das Jubelpaar seiner Gemeinde schon erzeigt, wie er also nicht allein als Nachbar, sondern hauptsächlich als Vertreter seiner Kirchcngemcinde Dank und Glückwunsch darzubringen, sich gedrungen fühle. In der heutigen Zeit Ihnen solche Worte aus solchem. Munde doppelt wohl. — Bis zum Mittag waren Gäste aus Rah und Fern herbeigeeilt. Es waren deren nicht wenige, denn das greise Jubelpaar ist mit 10 Kindern, 45 Enkeln und 10 Urenkeln gesegnet. Zum Festredner war Herr Lehrer Marx aus Alsheim berufen, und löste dieser seine Aufgabe in trefflicher Weise.