Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1873)
- Date
- 1873-11-18
- Page
- Seite 774 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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774 Am Versöhnungstag hielt Herr ltr. Beek, vom breSlauer Seminar antorisirter Rabbiner und Prediger, am Vormittage, sowie zum Schlußgebete Predigten, die sich eines allgemeinen Beifalles erfreuten; so daß derselbe aufgefordert wurde, auch am ersten Laubhüttenfesttage noch eine dritte zu halten. Da er sich auch durch diese einen allgemeinen Beifall errungen hatte, so erfolgte dessen Anstellung als Prediger und Schuldirector. Am Samstag, dem 25. October, hielt IN. Beek seine Antrittspredigt, und am darauf folgenden Sonntag die Einweihungsrede des neuerbauten großartigen Schulgebäudes. Diese Reden fanden einen nicht geringen Anklang in den Herzen der Gemeindemitglieder, so daß wir hoffen können, daß die Gemeinde in demselben eine glückliche Acqisition gemacht habe. Bukarest, 27. Oct. <Privalm.) Gestern wurde das neue Schulgebäude der israelitischen Elementarschule in der Straße Macea Voda unter Theilnahme vieler hochgestellter Personen eingeweiht. Ter Shnagogenchor trug mehrere Gesänge in trefflicher Weise vor, Herr Adolph Stern, als Präsident der Schulcommission, hielt eine ausgezeichnete Rede in rumänischer, der neue Prediger nnd Schuldirector, Herr Iw. Beek, in deutscher Sprache. Das Gebäude ist mit einem Aufwande von 07,000 Francs erbaut, nnd in sehr angemessener Weise mit den erforderlichen Utensilien ausgerüstet worden. Zu bedauern ist nur, das; die Schule bis fetzt, bei mehr als 000 Schülern, nur sechs Elasten errichten konnte, so daß in jeder Elaste zu viele Schüler angehäuft sind. Die Unterrichtssprache ist die rumänische mit sieben Lehrern, ferner wird unterrichtet von vier Lehrern im Hebräischen, zweien in der deutschen, einem in der französischen Sprache; geleitet wird die Anstalt von zwei Directoren. Die staatliche Volksschule ist streng griechisch-katholisch, weshalb die Nönlisch-Katholischen und die Protestanten ihre eigenen Schulen haben. Auch die Juden können deshalb nicht anders Vorgehen. Die Gemeinde hat außerdem in diesem Jahre eine höhere Ge- I e u i i Der Zudenteich. Eine Criminalgcschichte erzählt von L. Schr. V. Wie ich schon mitgetheilt, waren, da ich als Knabe am Rande des „Judenteiches" gestanden, bereits zwanzig Jahre über die Thal verflossen gewesen, ich aber ein Knabe von zwölf Jahren. Abermals zehn Jahre vergangen, und ich war wieder in meiner Vaterstadt, und zwar Nechtspractikant bei einem der gesuchtesten Rechtsanwälte. Meine Vermögenöverhältniste waren nicht glänzend, doch hatten mir meine Eltern so viel hinterlastcn, daß ich bei strenger Oekonomie und mäßigen Ansprüchen recht gut auökommen konnte, bis ich eigenen Erwerb erreicht hätte. An die ersteren hatte ich mich seit meiner Kindheit gewöhnt, und war ihnen auch auf der Universität nicht untreu geworden; der letztere stand mir in werbeschule gegründet, mit einem dreijährigen Lehrcursuß, in welcher rumänisch, lateinisch, hebräisch, deutsch und französisch, die exacten und die Handelswissenschaften gelehrt werden sollen. Hoffen wir, daß solche rühmlichen Anstrengungen auch in den maßgebenden Kreisen des Landes ihre Würdigung finden werden. Asien. Brussa, 7. October. Die „Levani Times“ enthält eine Correspondenz, nach welcher in dem Dorfe Kilmasti Castaba, in der Umgegend von Brussa, von der griechischen Bevölkerung wieder einmal eine Scene gespielt ward, wie sie bei dem Pöbel dieser Race allzuhäusig vorkommt. Ein griechisches Kind von acht Jahren war verschwunden. Alsbald hieß es, die armen Juden dieses Dorfes (von sehr geringer Zahl) hätten das Kind geraubt. Die Masse erhob sich gegen diese, und, — bezeichnend für dieses Volk, — alsbald traten auch falsche Zeugen auf, welche den Vorgang gesehen haben wollten. Der Mudir von Castaba sah den Unsinn ein und ließ die sämmtlichen Juden des Dorfes zu ihrer Sicherheit nach Brussa bringen. Man kann denken, waö aus der Habe dieser Leute ward. Zwei Tage darauf schrie ein Frauenzimmer auf der Straße: die Juden hätten ihre Tochter geraubt und aufgegessen. Jetzt ließ der Mudir genaue Nachforschungen anstellen, und man fand in einer Oelfabrik die Leiche des jungen Mädchens und die Kleider des Kindes. Ein junger Türke, Sohn einer der angesehensten Familien, war der Urheber der scheußlichen Verbrechen, und hat Alles bekannt. Man erwartet von Saffet-Pascha eine exemplarische Strafe der Schuldigen, namentlich der falschen Zeugen. So wuchert bei der griechischen Bevölkerung jener gehässige Wahn noch heute fort, den einst katholische Priester in Spanien in die Welt gebracht. t e i o n. naher Aussicht. Ernst und fleißig, wie es meine Gemüthsart mit sich brachte, hatte ich mir bald das Vertrauen aller Derer erworben, mit welchen ich in Berührung trat, und da meine Interessen bis jetzt die keines anderen Menschen kreuzten, lebte ich im Frieden mit Allen, was meine Zufriedenheit und fröhliche Stimmung nicht wenig beförderte. Doch selbst der genügsamste Mensch trifft auf Umstände, die ihm nicht erträglich werden, und und dazu gehörte besonders, daß mir von meiner Eltern Hause her die Reinlichkeit, ja eine gewisse Sauberkeit in meinen Umgebungen zu einem unumgänglichen Bedürfniß geworden, und hierüber hatte ich jetzt zu klagen genügende Veranlassung. An Wohnung und Kost konnte ich Das hier nicht finden, was ich in dieser Beziehung bedurfte. Der Rechtsanwalt, bei dem ich arbeitete, hatte auch den Herrn Ascher Feitel zu seinem Klienten, und dieser kam deshalb