Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1873)
- Date
- 1873-11-18
- Page
- Seite 768 (sequence 4)
- Language
- German
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768 die Eingeborenen Jnner-Asrikas, Inner-Asiens. Amerikas, Australiens und Polynesiens. Bon allen diesen Böllern unterscheidet sich der Semite so sehr, und steht so vorthcilhast gegen sie ab, daß die Kluft zwischen ihm und ihnen eine fast unübersteigliche scheint, während von einer tiefen Kluft zwischen Europäern und Semiten kaum die Rede sein kann. Die Semiten sind uns also, wenn auch nicht nachweisbar verwandt, so doch geistig näherstchend, als viele andere Völkergruppen. Sollte eS nun möglich sein, eine in der Enltur zurückgebliebene semitische Bölkerschaft im Lause einiger Meuschcnalter auf die gleiche Eulturstufe zu heben, auf welcher die Europäer stehen? Nicht nur ist Dies möglich, sondern wir haben untrügliche Beweise, das; es geschehen kann. Ich brauche nur die Juden zu erwähnen, natürlich nicht diejenigen Europas, (denn deren Eulnir hat sich mit der unserigen gleichzeitig entwickelt, ist ein Stück derselben, und gar nicht von ihr zu trennen), sondern die Juden NerdafrikaS, namentlich Algeriens,, theilweife auch Egyptens, Kleinasiens, Syriens, selbst die jüdische Gemeinde von Aden in Südarabien. Alle diese Juden standen vor wenig Menschenaltern noch auf einer sehr tiefen Stufe der Eivilisation. Jetzt, seit sie in Berührung mit Europa und reffen Bildnngsmitteln gekomnien sind, haben sie sich emporgearbeitet, und zwar in kürzester Zeit, so daß Biele, deren Großeltern noch so zll sagen ungelenke Barbaren waren, nun mit dem Mittelschlage gebildeter Europäer auf gleicher, Einzelne sogar aus höherer Stufe der Eivilisation, als dieser Mittelschlag, stehen. Wir sehen daraus, daß in der Eulturfrage eine eigentliche Raeeuverwaudtschaft gar nicht nöthig ist, um zwei Belker geistig einander näherzubringen. Es genügt eine gewiffe geistige Homogenität." „In der semitischen Race liegt sicher kein Hineerniß, die europäische Cultnr in kurzer Zeit sich anzueignen. Zu dieser Raee gehören auch die Araber, die gewiß, im Princip ebenso eivilisationSfähig sind, als ihr Schwestervolk, nur der religiöse Fanatismus und politische Gründe haben bis jetzt bei ihnen die Bethätignng dieser Fähigkeit verhindert." ,/Nehmen wir eine andere orientalische Race, die Kopten. Religiöse Borurtheile und der alte Schlendrian widersetzen sich freilich bei ihnen vielfach einem freien Aufschwung zu ähnlichen Eulturzustärlden, wie sic in Europa bestehen. Aber diejenigen koptischen Familien, welche sich von jenen Borurtheilen cmancipirt haben, gelangen ebenso wie die Juden, im Laufe weniger Generationen auf eine der europäischen nicht nachstehende Cnlturstuse." Zu diesen Bemerkungen des Freiherrn von Maltzan fügen wir hinzu, daß es doch nicht zu vergessen sei, wie die semitischen Araber eine außergewöhnliche Eivilisationsbefähigung in wissenschaftlicher. künstlerischer und sittlicher Beziehung während einer großen Eultnrphase in einem Grade erwiesen haben, den die arischen Neuperser niemals erreichten. Ferner, daß die Araber wahrlich auch jetzt noch hinter dem neupersischen Volke und den Bölkerfchaften der Donanländer, der schwarzen Berge, der Daliiutinev u. s. w. nicht zurückstehen. Haben sich unter diesen Einzelne zur Höhe rer europäischen Eivilisation emporgeschwungen, so haben die orientalischen Bölker solche Beispiele auch aufzuweisen, und wenn die Zahl derselben bei den erfteven größer ist, so inacht Dies prineipiell Nichts aus, da hier die größere Nähe der europäischen Enltur und die engere Verbindung mit ihr einwirkt. Es kommt also auf diesem Gebiete wesentlich ans geschichtliche Berhälmisse an, so daß ans dem jeweiligen Zustande über Geistesanlage, Geistesbeschasfenhei: und Eulturbefähigung nicht geurtheilt werden kann. Der vorurtheilSkose Beobachter wird also mit dem Freiherrn von Maltzan in der Anerkennung der geistigen Homogenität der arischen und semitischen B ö l k e r scha ften nbcreinstimmen. Der Freiherr glaubt daher, daß B. in Egypten die Civilisation des Volkes durch eine vollständige Reform der Schulen, schon in mehreren Generationen bewirkt werden könne. Freilich nicht durch die Anlegung einiger europäischen Schulen, deren Erfolge für die Masse zu vereinzelt seien, und im Leben zu schnell verwischt werden, sondern durch die Umgestaltung aller vorhandenen arabischen Volksschulen, wofür selbstverständlich die Lehrer erst herangebildet werden müßten, und wozu gegenwärtig noch keine Aussichten vorhanden sind. Eine Anwendung dieser Ansichten auch auf die orientalischen Inden liegt nahe; doch haben wir Dies hier nicht weiter zu verfolgen, da es uns an dieser Stelle nur auf die richtigen Ansichten Maltzans über die semitischen Bölker ankam. 3&eihiu g6ti <xc&txclki eit. Deutschland. Berlin, 10. November. (Privatmitth.) Dem Vernehmen nach ist der Entwurf des neuen Gesetzes über die Verfaffung der jüdischen Gemeinden bereits aus den Ministerien des Enltns und deö Innern zn dem Justizministerium gelangt. An eine Berufung jüdischer Vertrauensmänner wird nicht gedacht; wozu amh? über die Inden kann man schon selbst verfügen. Da das neue Abgeordnetenhaus außer LaSker keine Inden enthält, so wären solche Vertrauensmänner doch wohl am Platze gewesen. Wie man hört, soll das berufene Elaborat, welches der berliner Vorstand den Gemeinden versprochen hat, gleich nachdem das Gesetz fertig, und im Gesetzblatt bekannt gemacht sein wird, versandt werden! Man nennt Dies: Eile mit Weile! — Von Stettin aus wurde ein vom Rabbiner Nr. Treuenfels verfaßter Pelilioiiseritwurf an das Unterrkchtsminiflerinm den Ge-