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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-18 · Heft 47 (18.11.1873) · p. Seite 767

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 47 (18.11.1873)
Date
1873-11-18
Page
Seite 767 (sequence 3)
Language
German
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767 und z. B. an die Erscheinung im Dornbusch Nichts weiter angeknüpft wurde, als wie der Gang in die 'Natur auf uns wirken solle? Man ging noch weiter und ahmte gebräuchliche Formeln des christlichen Predigers nach, indem inan sie so weit veränderte, wie es vor jüdischen Zuhörern schließlich doch nothwendig war. Mit dem stärkeren Wiedererwachen des religiösen Selbstbewußtseins im Judenthume mußte sich Dies ändern. Schon in den ersten Heften unseres „israelitischen Predigt- und Schulmagazinö" (33b. 1 S. 281 erste Auflage 1834), erhoben wir uns dagegen*); eö knüpfte sich eine literarische Polemik daran, die nicht ohne nützliche Wirksamkeit blieb. **) Die jüdische Predigt erhielt seitdem in der Form mehr Vielgestaltigkeit, im Inhalt aber eine andere, stärkere und höher fluthende Strömung. Die ursächlichen Momente dieser günstigen Wendung lagen aber nicht blos in der inneren Entwickelung, sondern auch in äußeren Veränderungen. Der Kampf um die Gleichstellung war heftig entbrannt, und hierdurch kam der jüdischen Predigt wie von selbst die Aufgabe, die Existenz des Judenlhums als vollberechtigt von innen heraus zu erweisen und zu beleuchten. -3m weiteren Verlause belebte sich der Kampf um die politischen und socialen Prineipien in allen Regionen der Gesellschaft, und hier konnte wiederum die jüdische Kanzel sich nur angeregt und aufgesordert fühlen, die politischen und socialen Prineipien, wie sie im Judenthume vom Mosaismus an ausgesprochen lagen, und in seiner Geschichte sich mehr oder weniger verwirklicht hatten, an's Licht zu ziehen, klarzustellen und zu erweisen, ohne sich irgendwie in die politischen Tagessragen einzulassen, was der Kanzel niemals zusteht.i) In derselben Zeit war aber auch in der christlichen Kirche eine große Wandelung vor sich gegangen: der Rationalismus war durch die Orthodoxie völlig aus der Kirche wieder herausgedrängt worden, und ihre Polemik wurde schärfer und schroffer gegen alle Andersgläubige, besonders auch gegen das Judenthurn, das man in seiner wiederbelebten Entwickelung mit dem christlichen Rationalismus für identisch zu erklären sich bemühte. Die Proselyten¬ *) Eö heißt da unter Anderem: „Aber auch hier ist eö ein Umstand, dessen tadelnd zu gedenken, wir nicht unterlassen tonnen. Eü ist Dies die oft lästig nnd entgegenstrebend werdende, allzugesnchte Nacheiferung der Theologen und theologischen Formeln anderer GlaubenSgenosscu. Der jüdische Prediger darf sich nicht allein in allgemeiner Moral herumbewegen, darf das Eharatleristische, welches in der beschichte deö Volles besonders ausgeprägt ist, nicht von sich streifen" ff. *♦) 2. dasselbe Werk Band 2 (l>3.'»> 2. 203 ff. Dieser Aufsatz ist auch in der zweiten Auflage (1 SO I) ausgenommen ,2. 301 ff.), während sämnttlicbe Bücherlrititen in der zweiten Auslage wcgbliebcn. ch) Vgl. Sitcab Bd. 2 von S. 235 an. Wir konnten in der Vorrede zu diesem 2.Bande tl>45) schon sagen: „Es ist nicht mehr jenes vage Hcrmntastcn nach den passenden Gegenständen, jene charakterlose Allgemeinheit, die in der. seil Jahrtausenden so besonderen nnd charaktervollen Synagoge sich so sonderbar nahm, und all' Augeudlieke ihre Fremdartigkeil vcrricth. Das ganze jüdische Leben und der ganze Religionsinhält des Jndenlbmnö wird znm Inhalte der jüdischen Predigt. Geschichte, Gesetz und Dogma haben in derselben nicht minder Platz gi-grifsen, als die allgemein menschlichen Lcbensbcziehnngeu. Damit hat aber die Predigt die rechte Lebenötrast für die Synagoge gewonnen, nnd sich derselben cinorganisirt". macherei begann mit neuen Kräften; cs war folgerichtig, daß auch die jüdische Kanzel der Obliegenheit nachkam. diese Angriffe znrückzmveisen, und die Lehren des Judcnthnms, wie sie sich durch die Jahrtausende fortgepflanzt und entwickelt hatten, energisch gegenüberzustellen. Aus allem Diesem wird es erklärbar, wie die innere Entwickelung der jütischen Homiletik in überraschendem Fortschritt eine schnelle und glückliche ward, weil sie eben jede 'Nachahmung abstreisle, und in Form und Inhalt sich charakteristisch und mit Benutzung ihrer reichen Mittel gestaltete. Unterziehen wir jetzt Stoff und Form auö diesem Gesichtspunkte der Homiletik einer weiteren Beleuchtung. Noch einmal die Semiten. Man kann gegenwärtig wohl jene Anschauung als so ziemlich überwunden ausehen, welche uvch vor Kurzem die rubricirenden Geister eine breite Kluft zwischen den arischen und semitischen Völkern auö Naeenverschiedenheit annehmen ließ, und sich in Gegensätzen gefiel, die diesen beiden Racen zugeschrieben wurden, z. B. Pantheismus den Ariern, Monotheismus den Semiten, was bekanntlich der Geschichte geradezu widerspricht. Doch wird es nützlich sein, immer noch Beweise gegen jene oft mit Geist und Scharfsinn, aber leichtfertig und oberflächlich vorgetragenc Anschauung heranznbriugen, besonders wenn jene sich auf wirkliche Beobachtungen und Erfahrungen stützen. Wir geben deshalb hier eine Stelle ans einer Abhandlung desFreihcrrn von Maltzan in Nr. 11 des „Magazin für die Literatur des Auslandes" d. I. über „Eivilisatiousbestrebüngen uuv Unterrichlsresormen in Aegypten." Bekanntlich hat dieser Schriftsteller eine Reihe von Jahren in tem Oriente zugebracht, und weite Reisen daselbst gemacht. Er sagt unter Anderem: „Besieht zwischen dem Europäer und dem Orientalen genug Homogenität, um es diesem möglich zu machen, sich die Enltnrerrungenschafren, die jener langsam und'mühevoll sich erkämpft, und aus seinem inneren Kern organisch entwickelt hat, anzneignen, ohne jenen langsamen Entwickelungsgang durchgemacht zu haben?" „Allerdings bieten sich große Schwierigkeiten dar, wenn es sich darum handelt, orientalische Völker ans dieselbe geistige und sittliche Höhe mit europäischen zu bringen. Die Raecnverwaueischafl mit indoeuropäischen Völkern ist hier (wenigstens was die Araber, Kopten, Türken, Tartarcn, Berber u. s. w. betrifft), gar itichl. uachznweisen, obgleich nicht geleugnet werden kann, daß einzelne orientalische Völkergruppen, wie z. B. die große semitische, den arischen Racen geistig ebenbürtig sind, was eine gewisse Verwandtschaft vermttthen läßt. Jedenfalls stehen die Semiten den arischen Völkern geistig viel näher, als 47*

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