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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-11 · Heft 46 (11.11.1873) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 46 (11.11.1873)
Date
1873-11-11
Page
Seite 760 (sequence 14)
Language
German
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760 Erkundigungen, die K. über ihn eingezcgen, verdienle er ein solches Unheil. Seine Bermögensverhältnisie befanden sich in stetem Wechsel; manchmal war Ueberstnß, dann wieder Armnlh, ja Noth in seinem Hause. Woher er immer wieder die Mittel nahm, konnte Niemand sagen. Schulden hatte er sehr viele. Niemand traute ihm, doch war er ein äußerst gewandter Unterhändler, und unerschöpflich in Kniffen und Pfiffen. Darum kamen die (Geschäftsleute doch immer wieder zu ihm zurück. Seine Züge verriethen?ist und Wildheit, fein Blick war unstät, sein wenig gepflegtes Haar hatte Flachsfarbe. Also auch dies war verschieden von rem Büschel Haare; seinen Fuß mit den gefundenen Spnren zu vergleichen, war noch nicht an der Zeit. Der Assessor begann seine Fragen, nachdem er Fischer dessen Wuth über die nächtliche Störung, die Haussuchung ». sw. hatte austoben lasten. „Hatten Sie den?eeser zu sich bestellt, um Waareu bei Ihnen in Empfang zu nehmen?" „Allerdings, dock nicht in Empfang zu nehmen, sondern erst darüber zu handeln." „Auf welche Weise hatten Sie ihn bestellt?" „Durch einen Brief, den ich ihm TagS zuvor schickte." „Aber Sie haben ja gar keine Waaren?" „Ich hatte sie. Als aber Leeser nicht kam, und ich TagS darauf von seinem . . . Tode hörte, verkaufte ick sie an einen durchreisenden Juden." „Wer war dies?'" . „ES war der Wollhändler Bär in Belitz." „Wie viel erhielten Sie von ihm dafür?" „Bierhuntert und sechsundachzig Thaler." „WaS haben Sie mir dem Ekelte gemacht, da Sie nur einige Thaler im Haufe haben?" „Ich habe damit die Bauern bezahlt, von denen ich die Waare hatte, und einige kleinen Schulden getilgt. Tie Qniltuugen liegen dort sämmtlich bei den Papieren, die sie mit Beschlag belegt haben. Uebrigenö wird der Bär es auch» bestätigen." „Sie sind dem Leefer verschuldet?" „Ter Befragte erschrak, und stotterte: „Früher ja. aber seit längerer Zeit nicht mehr . . . keinen Heller!" Bis dahin war Alles in Richtigkeit. die Papiere erwiesen es. Dieses leugnen war verdächtig. Ter Assessor fuhr deshalb nachdrücklich fort: „Sie sagen nicht die Wahrheit? Sie sind ihm 1210 Thaler 10 Sgr. 1 Pfg. schuldig." Fischer wurde rolh, aber ohne Berlegenheit erwiderte er: „Das ist ein Irrlhum; meine Feinte halten?eesern schon lange Berrachl gegen mich eingesleßt, und darum entzog er mir seinen Eredit, was mich damals in große 'Verlegenheiten stürzte. Seitdem zahlte er nur für die gerade empfangene Waare. Es können sich leine Schuldscheine von mir bei ihm gesunden haben," fügte er elwaö zögernd hinzu. „So müssen sich doch bei Ihnen Abrechnungen mit Veeser ' finden, noch dazu, da Sie so peinlich sich Quittungen von jedem i Bauer geben lasten?" „Das ist ganz etwas anderes. Mit dem .Kaufmann geht es Geld um Waare, und die Sache ist abgethan. Der Bauer muß mir feine Wolle anvertrauen, und ich bezahle ihm hernach. Da muß man eine Quittung haben. Mil dem Bär habe ich den Handel ebenso gemacht, und eine schriftliche Abrechnung ist nicht vorgenonnnen worden." Es siel dem Assessor auf, daß Fischer gar nicht darnach fragte, woher der Assessor die Summe so genau angeben konnte. Er sagte daher: „Tie Bücher?ecser's erweisen genau, daß Sie diese Summe ihm schulden." „Ach waS," schrie Fischer wie ärgerlich. „Der Jude konnte keinen Btichstaben deutsch schreiben, was geht mich da sein Buch mit den Firlefänzen an! Der konnte viel in sein Buck klecksen, was einem Ehriftenniensckeu ohne Schuld zur?ast fällt. Da können Sie nichts daraufgeben!" Der Assessor antwortete ruhig: „Das wird sich zeigen." Er fuhr dann fort: „Sie erwarteten also Leeser am Montage, und waren deshalb zn Hause?" „Nein, das nicht!" antwortete Fischer schnell. „Da Leeser erst nach Mittag aukommeu konnte und in E. zu übernachten pflegte, um mir mir nach einigen Gütern zu gehen, wo Wolle vorrälhig war, und DaS sollte gerate diesntal auch geschehen, blieb ich nicht zu Hause. Ich hatte vielmehr auf dem Iahrinarkte zll N. ein nothwentiges Geschäft mit dein Verwalter Ehristiani vom Gute deS Freiherrn v. und so machte ich mich zeitig dahin ans. Ehristiani aber trat erst später ein, so daß ich ungefähr erst uin zwei Uhr mit ihm verhandeln konnte. Ich kam erst, spät Abends wieder zurück.—" „Haben Sie, bis Sie den Ehristiani sprachen, mit Nieinandem verkehrt?" „Jawohl; da war der Wirlh vom Waldtrnge mit seiner Frau, die ich im Wirthsause „Zum?amm" traf und noch einige Andere." Er nannte sie. Der Assessor nahm den Mann noch in ein längeres Kreuzverhör. Aber feine Aussagen stimnilen immer wieder mit Dem. was er in obigen Antworten vorgebracht. Auch ein Verhör mit der Frau und der kleinen, äußerst beschränkten Magd, —■ einen Knecht wellte Fischer seit einiger Zeit nicht mehr haben, — brachte nichts Anderes zum Borschein. Als K. dem Fischer das blutige Stück Couvert vorlegte, erbleichte er zwar, erkannte cs aber sofort als das seinige an. meinte jedoch: Das müsse der Mörder aus der Tasche seines Qpfers genommen und zerrisien haben. Der Assessor sah ein, daß er hier ein Weiteres nicht erzielen würde. In der Thal blieb ihm Fischer überaus verdächtig. Der Utnftand, daß er seine Schulden au l'ecjcr völlig leugnete, sprach gegen ihn, aber genau genonimen doch nur gegen seine Ehrlichkeit, die sonst schon Jedermann in Zweifel zog.

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