Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-11 · Heft 46 (11.11.1873) · p. Seite 758

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 46 (11.11.1873)
Date
1873-11-11
Page
Seite 758 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226906-3226953--32114-3255069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

758 schaffen, die ihrc^Quellen in Spenden für immer und in Jahresbeiträgen haue. Nach einer längeren Verhandlung wurde befchloffcn, eine Commission zu ernennen, welche eie Subfcriptionen beschaffe und einen Plan fesistelle, den verschiedenen Betürfnisien zu genügen. Nach Annahme dieses Beschlusieö, zeigte der Baron Gustave von Rothschild an, daß er der neuen Eaffe ein Geschenk von 100,000 Francs mache. Seitdem haben die Subfcriptionen bereits 40,000 Francs erreicht. — Wir haben bereits über die Unruhen berichtet, welche jüngst in Eonstanline zwischen Juden und Muselmännern siattgefunden. Die Arch. iör. haben noch keine näheren Mittheilungen erhalten, sondern nur die dortigen Journale, welche die Ursachen der blutigen Schlägereien, die zum Nachrhcile der Muselmänner auöfielen, und den Verlauf derselben sehr verschieden und meist in ungünstigem dichte darstellen. Einige Tage lang fürchtete man die Wiederholung deö Kampfes, und zwar in größerem Umfange. Aber die Behörden ergriffen die nachdrücklichsten Maßregeln, und versetzten die eingeborenen TirailleurS nach einer anderen Garnison. Die Untersuchung ist in vollem Gange, und ihre Ergebnisse sind abzuwarten. Die rnuselmännische Bevölkerung lebt in der ärgsten sittlichen Verwilderung. Ter Munileur ile l’Algerie zeigt z. B. von einem einzigen Tage (14. October 14>7:-S> fünf Mororhaten, mehrere Brandstiftungen, Diebstähle mit bewaffneter Hand aus der arabischen Bevölkerung an! — Der Rabbiner JonaS Wehl von NimeS als Seelsorger der Eentralgefangenhäuser von Nimes und Montpelliers für die jüdischen Gefangenen hat. unter dem 30. September einen Bericht an den Generalinspector der Gefängnisse abgestaltet, aus welchem wir Folgendes entnehmen. Tie genannten beiden Gefängnisse sind in Frankreich die einzigen, nach welchen Beruriheilte jüdischer Religion gebracht werden. Das Gesängniß zu Nimes enthält gegenwärtig 42 Israeliten, das zu Montpellier nur 3, und zwar sind die letzteren Ausländer. In Nimes befindet sich keine einzige Israelitin. Die Gefangenen kommen nicht bloß zu dem obligatorifcheu Gottesdienst am Sonntag, sondern auch zu dem freiwilligen am Freitag und Sabbath. Aeußerst entwickelt ist in diesen Gefangenen cas Fanuliengefühl, und auch der Verstockteste giebt seinen Widerstand aus, sovald er an seine Eltern, oder an Frau und minder erinnert wird. Tie Wirksamkeit deö Seelsorgers, welche durch die Aufmerksamkeit gestärkt wird, die die Verwaltung allen von dem Rabbiner vorgetragenen Wünschen widmet, findet deshalb bis auf eine sehr geringe Zahl den Eingang in die Geister der Sträflinge. — Ter Großrabbiner des Consisterims von Bordeaux, Herr Simon Levy, hat das Ritterkreuz der Ehrenlegion erhalten. Es wurde ihm diese Auszeichnung nicht blos wegen seiner 20 Amtsjahre, sondern auch wegen der Tienste, die er bei der Krankenpflege und für die Gefangenen in Deutschland geleistet hat. — Der Rath am Cassationshofe, Herr Anöpach, hat für 43 Dieustjahre den Officiersgrad der Ehrenlegion erhalten. AnSpach ist auch Mitglied des Centralconsistoriums. Marokko. Paris, 2. November. Wir entnehmen dem Monatsberichte der Alliance folgende Notizen: Ter italienische und französische Geschäftsträger senden einen Berich! über ihre Bemühungen, gegen die den Juden in mehreren marokkanischen Städten zugefügten Mißhandlungen, und fügen beide hinzu, daß es durchaus nicht der Aufforderung der Alliance bedürfe; jeder Vorfall komme ihnen sofort zur Kenntniß, und sie unterließen niemals, die nöthigen Schritte zu thun. Der Sultan habe übrigens (noch vor seinem Tore) Befehl gegeben, die drei gefangenen Juden (wegen des arabischen Bades) frei zu lassen, während der Araber, rer ihnen dazu verhelfen, und sie dann verrathen hatte, bestraft werden soll. — Der Tod des Sultans flößte außerordentlich viel Besorgniß ein, bis der älteste Sohn des Verstorbenen in Tetuan als Herrscher auögerufen wurde. Doch mußte man erst abwarten, bis er auch in Fez, Marokko und Tanger ausgerusen worden. Sehr verdient machte sich der spanische Eonsul, Herr Ramon ^on, der von rem Gouverneur die Verguust erhielt, die Wachen im Judenviertel zu vervierfachen, dasselbe mit zehn Wächtern umstellte, und jede "Nacht die Wachen selbst visitirte. Die Alliance hat beschlossen, an den neuen Kaiser eine Adresse zu richten. I e u i l der Indciiteich. Eine Eriminalgcschichte erzähtt von L. Schr. V. Der Asiefsor sah ein, daß allerdings die meisten Anzeichen auf die Seite des Albert Fischer in E. fielen. Vecfev war von diesem bestellt und auf dem Wege nach E.; Fischer war ihm verbaltnißmäßig stark verschuldet, mußte wissen, daß er eine beträchtliche Summe bei sich trüge, und ein Raubmord war geschehen. Wie schwach waren dagegen die Berdachtsgründe gegen l e t o n. Ascher Feitel, noch dazu, da eine solche Thal aus Eifersucht und Nebe zu einem Frauenzimmer bei den Inden ganz unerhört und ohne Beispiel war. Da er sie aber dock nicht ganz abweisen durste, beschloß er. den Feitel zuerst vorzunehmen. Er ließ ihn fordern, wie, wenn es gälte, eine Zengenschasl ihm abzunehmen. Einen eigenthümlichen Eindruck machte auf ihn die Erscheinung dieses Mannes. Von gedrungener Gestalt, mit einem scharf markirten Gesichte, einer bleichen, fast fahlen Farbe, mit vielen Sommersprossen, enggeschlossenen bleichen Rippen, einerhohen Stirn von krausen, rothen Haaren, umrahmt, und welchen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.