Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1873)
- Date
- 1873-11-11
- Page
- Seite 757 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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757 teilen hervor, veranlaßt gelrennte Anstalten, unk übt so einen hemmenden Einfluß auf die geistige und materielle Entwickelung des Volkes aus, die doch nirgend nothwentiger wäre, als in unserem Lande. Allerdings dalirt diese Spaltung nicht von gestern; sie besteht geschichtlich seit Jahrhunderten. Ter herrschende Stamm hat seine Herrschaft verloren, will sie aber, wo und wie es irgend möglich, immernoch ansüben; die früher so schmählich Unterdrückten wollen Dies nicht dulden. Die moderne Gesetzgebung hat alle Bewohner des Landes für gleichberechtigt erklär:, aber die früheren Machthaber wollen Dies sich nicht verwirklichen lassen; aus ihren Reihen sollen die Beamten, die höheren und niederen, hervorgehen, ihre Sprache soll die allein herrschende sein, ihnen sollen die Schulen gehören, ihre Kirche kominiren. Dies will rer andere Theil sich nicht gefallen lassen, und hält' deshalb um so fester an den geweuuenen Rechten. Diese tonnen wiederum nur durch die Verfassung, und die Zusammengehörigkeit mit den anderen cisleithanischcn Ländern bewahrt bleiben, und zur Ausführung kommen. So ist der Kamps ganz natürlich und must durchgeführt werten, die Einzelnen mögen wollen oder nicht. Soweit es sich bis jetzt ergeben har, sind Unruhen aus den Wahlen, wie man fürchtete, nicht hervorgegangen, und nach dieser, freilich einseitigen Hinsicht hat es einigen Vortheil. das; die Polen in den Städten nicht ganz unterlagen. Andererseits wird dieser Umstand diejenigen, welche noch zaghaft waren, ernmthigcn, um bei späteren Wahlen ohne alle Scheu aufzutreten. Krakutl, 2s. Dctober. Man schreibt von hier: Die jüdischen Wähler der Statt Krakau haben wieder einmal een Werth polnischer Treue schätzen gelernt. Das unwürdige Eemödienspiel, welches mit ihnen von den Führern der Nationalen getrieben wurde, wird ihnen das Gefühl der Demüthigung und Reue über die gegen ihre lemberger Glaubensgenossen geübte Untreue noch nachträglich verdoppeln. Mit welcher Emphase erklärte doch l)r. Zyblikiewic; in einer kra tarier Wählerversammlnng, das; er, um einem jüdischen Reicksrachscandidaten Platz zu machen, auf ein Mandat verzichte! Und in der Thal wußten es die Herren so einzurichien, daß bei rer Prcbeabstimrunng der Israeli! l>r. Warschauer einen Vorsprung vor Zybliliewie; gewann. Bei der entscheidenden Abstimmung aber, als die Juden nicht mehr zurück konnten, kehrten die polnischen Stimmen atlesammt wieder folgsam in die rippe res M . Zyblikicwre; zurück, und I>r. Warschauer sammt seinen Glaubensgenossen hatte das Nachsehen. Das ist die Fitlfs p"!,»!,'-.,. von welcher selbst rer Tziennik Polski sich nicht entbrechen kann, zu sagen: „Man muß bekennen, daß >irakau ziemlich jesuitisch verfahren iß." lMan kann nicht sagen, daß die krakaner Juden hierbei unbewußt in die Falle gegangen. Sie wußten recht gut, was ihnen Seitens der Polen bevorstehe. Sie wollten es aber dennoch, um, — ihre Furch! hinter dem Eompromiß zu verstecken! Jetzt geben die Polen vor, den zu ihnen übergelanfenen ll>. Samelsehn sohn in einem Bezirke, dessen Eandidat noch ein mal gewählt worden, wählen zu wollen um, — im entscheidenden Augenblicke abermals eine Nase zu drehen.» StüMSlan, 28. Deieber. Bei Eonstilnirung des hiesigen Gem einrera thes wurde Jgua; >t a m insli zum Bürgermeister gewählt. Als man zur Wahl des Vice bür germeiste rs schreiten wollte, verließen die versassimgslrenen jüdischen Wähler den Saal, um die Wahl res l>>. E m i n owie z, rer bei rer RVicksrathswahl seine gegnerische Stellung zur Verfassung sehr deutlich an den Tag gelegt Halle, unmöglich zu machen. Die Sitzung wurde wegen Veschlußunsähigleit geschlossen. Agram (Eroatien», im Dekoder. - Privalm.» Ihr gesch. Vlatt hat über die Thalsache, daß rer Landtag die völlige Gleichstellung der Inden beschlossen hat, berichtet, aber den Wortlaut des Gesetzes noch nicht mitgetheill. Er lautet: Entwurf zu rem Gefetzartitel, durch welchen die Gleichberechtigung der Israeliten mir den Bekennern der übrigen in Eroatien und Sla vonien anerkannten Glanbensconsessionen sestgestellt wird. 1. Die Bekenner des israelitischen Glaubens werden sowohl iu Hinsicht aus die freie Ausübung der Religion, als auch in Hinsicht ans den Genuß der politischen und bürgerlichen Rechte, als gleichberechtigt mit den übrigen in Eroatien und Slavonieu anerkannten Glanbensbekenmnissen anerkannt. 2. Tie dieser Bestimmung entgegengesetzten Vorschriften und Gebräuche werten abgeschafsr. tt. In Hinsicht aus die israelitischen Enlrnsangelegenheiten bleibt das Dberaufsichlsrechl dem Staate Vorbehalten, ebenso bleibt der aus die israelitischen Unierrichlsangelegenhciten gesetzlich bezngnehutende Einfluß desselben ansrecht. 1. Tie' Durchführung dieses Gesetzes wird dem Banns der Königreiche Eroatien, Slavonien nue Dalmatien anverlraut. Frankreich. Pariä, 2. November. lNach den Arch. isr.» Die Eensistorialverwaltung von Paris berief Donnerstag den 2.i. Der ober eine Versammlung in den Tempel der n>«- zu welcher I.')>> Personen ans den angesehensten hiesigen Israeliten erschienen. Den Vorsitz sühne rer Baron Gustave von Retbschild. Es handelt sich darum: 1) den gesarlitttten Anstalten res Enltus, der Wohlthätigkeil nnr res Unterrichtes einen neuen Jnipuls zu geben; 2) in Paris eine wirkliche Gemeinte zu bilden. Die Zahl rer Israeliten in Paris überschreite :;<>,,><><» Seelen; sehr wichtige philantropische Anstalten nnr Einrickmngen beständen hier, aber der religiöse Uiuerrlchi sei noch sehr-mangelhaft, die Enlinsbeamten könnten dieser großen Ausgabe nicht genügen; die Tempel hätten druigende Bedürfnisse, nur ihre Einkünfte wären sehr schwankender Natur. Man müsse daher eine Gemeindecasse 10*