Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1873)
- Date
- 1873-11-11
- Page
- Seite 753 (sequence 7)
- Language
- German
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753 felge bei rer großen Mischung der Eonfessionen in unserem Staate, daß für die Unterweisung auch einer Minderheit gesorgt werten müsse; man komme daher zu der Frage, bei welcher Zahl der Minderheit diese Berpfkichtung beginnen solle. Er entscheide sich für 15, t. h. wenn überhaupt ans der ganzen Auftakt > -"> Schüler vorhanden seien, welche der von der Mehrheit abweichende:. Eonfessioil angehörleu. Aus ^rücksicht ans den eonfessionellen Charakter der Schulen dürfe nach dem Landrechl kein Schüler seiner Religion wegen zurückgewiesen werden; anders sei es bei den Lehrern. Tie tiefste sittliche Einwirkung, wie sie für die Erziehung uolhwendig sei, bedürfe einer religiösen Grundlage, und könne daher in der rechten und nachhaltigen Weise auch nur von der Gemeinsamkeit'der Lehrer geübt werten. Daher sei die Scheidung der Lehrercollegien in ganz evangelische und katholische wohl begründet (!), aber in ihrer früheren Ausschließlichkeit jetzt nicht mehr haltbar (sie), auch von der UnterrichlSverwaltung nicht schroff durchgesührl worden. Dabei kennte sehr wohl ein friedliches Zusammenleben und Zusammenwirken stattfindeu; aber es habe die Mischung der Eollegien doch ihre Grenzen den jüdischen Lehrern gegenüber. Tie ethische Ausgabe der Schule sei eine christliche, und hierin würde durch die Anstellung vieler Juten eine Störung eintreten. Man sieht, der Ministerialreserent kann der Anstellung jüdischer Lehrer nicht mehr opponiren; er zieht sich daher hinter das Grausen zurück, welches „die Anstellung vieler jütischer Lehrer" ihm verursacht, und, wie er meinte, allen Anwesenden verursachen müßte. Was hinter den vorgeblichen „vielen" steckt, ersieht man aus dem begleitenden Motive, das gegen die Anstellung jedes jüdischen Lehrers gerichtet ist. Er fand aber in der Versammlung lebhaften Widerspruch. Darüber zunächst herrschte allseitiges Einverständnis;, daß der Religionsunterricht den höheren Schulen erhallen bleiben müsse, schon des wissenschaftlichen Charakters wegen, den er in den oberen Elasten bekomme; wolle man ihn aber, so könne man ihn von den geschichtlich einmal gegebenen Eonsessionen nicht trennen, und daraus felge die Lerpflichtung, für die Minderheit zu sorgen. Eine Zahlbestimmung sei in dieser Beziehung schwierig, aber 15, sei sehr niedrig gegrissen, und diese Zahl würde schon ans sinanciellen Gründen kaum sestgehalteu werten können; denn denke man sich diese Schüler über alle Elasten zerstreut, so würden entweder mehrere Lehrer, oder mehr Stunden als zwei nethig werden, und dadurch unverhältnißmäßig große -tosten entstehen; der Ladenbergsche Entwurf eines Unterrichlsgesetzes habe der Belhma nn - Hellwegs che 25, vorgeschlagen. Unter eine von diesen Zahlen werde man schwerlich hinuntergeben können. Auch fordere es der paritätische Charakter unseres Staates, ras;'man reu Inden gleichfalls ichr 8iechr zukommen laste, zwar nicht so, daß man sie dazu zwinge, ihre Kinder in ren von der Schule eingerichteten Religionsunterricht zu schicken, - sehr viele Gemeinden hätten sich schon gegen eine solche Verpflichtung ausgesprochen, — aber doch überall da, wo die Synagogengemeinken es forderten. Es machte sich also in der Bersammlung die Meinung gellend, daß die höheren Lehranstalten auch für den Religionsunterricht ihrer jüdischen Zöglinge sorgen müßten, sobald die Zahl derselben die sestznstellende Zahl der Minderheit erreichte, nur daß derselbe für die Schüler nicht obligatorisch gemacht werde, weil viele Gemeinden sich hiergegen erklärt halten, sondern, daß die Herstellung eines jüdischen Religionsunterrichtes Seitens der Schule erst erfolgen solle, wenn die S.hnagogengemeinde sie fordere. Wir glauben, daß diese Eamel den Religionsunterricht für die Schule, aber nicht für die Schüler zu machen, bald auf christlichem Gebiete mehr Beri'nsnisr werten wird, als. sie es aus jüdischem sein wird. Ist einmal an einer Schule von dieser ein jüdischer Religionsunterricht hergestellt, so werden sich ihm die Schüler schwerlich entziehen. Daß derselbe erst aus Forderung der Synagogengemeinde hergestellt werde, hat aber auch sein praktisches Moment. Die Gemeinden an solchen Srten, wo die höhere Lehranstalt sich befindet, werden sich um so mehr angeregt fühlen, solche Lehrer zu beschaffen, welche een Religionsunterricht an einer höheren Lehranstalt zu geben befähigt sind. Ist aber die Gemeinde so klein und dürftig, einen solchen Lehrer selbst mit dem Zuschuß ans der Schulcaste nicht besolden zu können, so wird sie entweder die Forderung nicht stellen, oder, und daraus legen wir Gewicht, sie wird sich mir den Rachbargerneinten. ans denen Schüler die Anstalt besuchen, zu diesem Zwecke vereinbaren, da sic selbst in dem vorausgesetzten Falle nur eine geringe Zahl von Schülern stellen kann. - Wir übergehen die Auslassungen über die Zahl der Religionsstnnden, und die Stellung der Schule zur Geistlichkeit der beiden christlichen Eonfessionen. Man fuhr fort, es sei durchaus nicht die Scheidungder Lehrercollegien in evangelische und katholische zu billigen. Möglicherweise gäbe es einige Anstalten, bei denen sich durch Snstnngsurknnden dergleichen begründen laste, mir da mbge cs erhallen bleiben; aber die Verwaltung habe ren umgekehrten Weg eingeschlagen, zuerst das Priueip der eonfessionellen Sonderung ausgestellt, und dann künstlich bald ans Herkommen, bald aus Berwaltung und geschichtlicher Entwickelung, bald nach Dotations- Mitteln und Dolalionszuschüsten für jede Anstalt die bostiminle Eonfession festgesetzt. Diese ganze eonsessionelle Zuspimmg sei künstlich, und von obenher gemacht, dadurch rer Unfriede in die I Schule, ans der Schule in die Familie, aus der Fannlie in den i Staat hine'mgetragen; man habe Wind gesät unk Sturm geerntet.! Auch hier verlange die Parität, die in der Geschichte und den Gesetzen unseres Staates begrüntet sei, die Fouräumung aller : Schranken, und wenn der Ministerialreserent in dieser Beziehung an die Forderungen mifevcv Zeit und ihrer humanen Züchtung -einige Zugeständnisse mache, und an rem Prineip nicht durchaus . und schroff festhallen welle, so genüge Das nicht. Die ethische ' Ausgabe der Sckmle soll eine christliche sein, und ans diesem Satz