Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 37 (1873)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1873)
- Date
- 1873-11-11
- Page
- Seite 752 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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752 wäre, damit jle nicht allzuoft über den einfachen Gegenstand hinausgreife. Vom R kl ei Nt, 2. November. Es ist ein eigenthümliches Ding mn unsere polnischen Glaubensgenossen. Wer möchte ihnen scharfen Verstand, originelle Gedanken absprechen? Und doch bleiben dieselben vollkommen fruchtlos, weil der polnische Israelit sich nickt entschließen kann, sie geduldig und bescheiden einer ordentlichen Schulung zu unterwerfen. Wenn er sick ungestüm durck ein halbes Hundert deutscher Bücher durchgelesen, und aus Dem, was er hier gerade im Kopfe behalten, sich sein System zurechtgezimmerl hat, glaubt er, als selbstständiger Denker und Lehrer in die Oessentlichkeit treten zu müssen. Diese, lei jenem Stamme so häufige Erscheinung, — bei keinem anderen möchte man sie in einer solchen Ausdehnung finden, — macht sich auch in dem vor einem Jahre erschienenen Buche geltend: „Theologie der Zukunft; ein kritisch-philosophischer Tractat zur Rechtfertigung des religiösen Bewußtseins, von Abraham Kr och mal; Leipzig, Kommission der Terigschen Buchhandlung, l 872." Herr Krochmal gesteht in der Vorrede ein, daß er nicht ordentlich deutsch schreiben könne; aber er verfaßt ein Buch in dieser Sprache, und, schlimmer noch, er veröffentlicht es. Er gesteht ein iS. 11), daß ihm nie gegönnt war, sich mir Sprachforschung zu befassen; aber Das hält ihn nicht ab, seine Theorien auf die abenteuerlichsten Ethmologieit zu begrünten. So kommt es freilich, daß seine Sätze gespickt mit Fremdwörtern, und zum Theil ganz unverständlich sind; daß er andererseits den Namen für den Begriff des höchsten Wesens, „französisch Ille», lateinisch Deus, griechisch Theos, sanskrit Dev.is, persisch I>ew>“ (welche sinnige Anordnung!» S. 7 von zv ableitet, oder auch, — auf derselben Seite, — „gatten, gut, Gott" zusammenstellt,. als von der Stammsilbe im Namen der Gottheit Gad, in nsi u. -ms, herkommend. Als Probe vom Style des Verfassers gebe ich folgende Definition der Freiheit lS. :m f.i: „Meines Erachtens ist die Freiheit Nichts anderes, als eine Form, die der Mensch sich aus der Natur, nämlich aus den beiden Thätigkeiten. nämlich der als solche und der nack Zweck aneignen möchte, daß eben wie die Natur in den besonsten zwei Weltthätigkeiten in ihrem gesetzlicken Wirken nicht gestört werden kann, als nur vermöge ihrer eigenen Gesetze; so auch der Mensch in seinem Wirken nach absichtlicher Thäligkeit keine Aenderung erleide, als vermöge der aus der eignen absichtlichen Thäligkeit hervorgehenden Gesetze." Aus diesem Beispiele möge man auch ersehen, wie der Verfasser längst bekannte Dinge neu entdeckt zu haben - meint, indern er sie in der ihm eigemhümlichen Weise vorträgt. Mehr originell, aber dafür auch meiner Ansicht »tack durchaus nnhalibar ist seine Behauptung, daß die Menschen zunächst Gott als eine Verkörperung der socialen und staatlichen Ordnung anfgefaßt hätten; Das ist eine Abstraction, deren die rohen Menschen der vorhistorischen Zeit wohl nicht fähig waren. Manche geistvolle Deutungen von Bibelstellen dagegen 'wird man in dem Büchlein finden, die freilich nur einen, so zu sagen, mirraschischen Werth besitzen. 1'. ^citi i ii cjAii <xc & ttcla t eiu Deutschland. Berlin, 21. Ockeber. iPrivalmillh.!*\ Die „Spenersche Zeitung" giebt ausführliche, gewissermaßen ossieiöse Berichte aus der Schnleonserenz, welche jetzt über die höheren Lehranstalten im Eultusiuinislerium stallsindet. Die Eonferenz zieht unsere specielle Aufmerksamkeit in ihrer Sitzung vom IS. d. aus sich. Sie beschäftigte sich da mit der r>. und ft. rer vorgelegten Fragen. 5. Ter Religionsunterricht. Sind die über die Stellung desselben im Lehrplan rer höheren Schulen, und über dce Rcligiouölehrer, deren Ansbildirng, Anstellung und Beaufsichtigung bestehenden allgemeinen ' Bestimlnungen einer Abänderung bedürftig, eveul. welcher? l«. In welchem Maße ist bei Fortdauer des gegenwärtigen Verhältnisses das Unterrichisbedürfniß der confefsionellen Minderheit von Schülern derselben Anstalt zu berücksichtigen? Wir geben noch einen Bericht über den schon in voriger Nummer besprochenen.Gegenstand, tbeils weil er ausführlicher ist, theits weil er denn doch den -Lachvcrliall anders, und zwar vict günstiger dar steUt. Rcdaetion. 0» Ist es. wenn bei den höheren Schulen für den Religionsunterricht angemessen gesorgt ist, uolhwendig, außerdem Einrichtungen zu treffen oder beizubehalten, wodurch sie einen besonderen confefsionellen oder kirchlichen Charakter darftellen? . In seinen einleitenden Bemerkungen führte der Referent der Unterrichtsverwaltnng aus, daß die Beibehaltung des Religionsuuierrichtes, als eines für alle Schüler verpflichtenden?ehrgegeustandes, auch bei den höheren Schulen immer für selbstverständlich gegolten habe und noch gelte; eine besondere Veranlassung habe im Februar v. I. eie Verfügung nörhig gemacht, durch welche die Dispensation unter der Voraussetzung eines genügenden Ersatzes gestattet worden sei. Es sei davon ein kaum nennenswerlher Gebrauch gemacht. Im Weiteren führte nun der Minifterialvcrtreter das Verhälmiß der evangelischen und katholischen Religionslehre aus, wobei es bemerklich ward, daß derselbe noch so ziemlich aus dem Mühlerschen Standpunkt steht, nnd sich ungern davon entfernt, weil es die Umstände erfordern. Er fuhr dann fort: Wenn der Religionsunterricht nun aber wie bisher sortgegeben werden solle, so müsse er ein eonfessioneller sein, und daraus