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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-04 · Heft 45 (4.11.1873) · p. Seite 740

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 45 (4.11.1873)
Date
1873-11-04
Page
Seite 740 (sequence 10)
Language
German
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740 Rubinstein, die überwiegende Majorität. Die Wahl dieses Verfaffungstreuen ist gesichert. Drohobycz, 25. October. Gestern und vorgestern Nachts durchzogen fanatisirte p o l n i s ch e W ä h l e r m a s s e n unter großem Lärm, verbunden mit Einschlagen von Fensterscheiben jüdischer Häuser, und Schirupfrufe gegen die Israeliten ausstoßend, die Stadt. ' Attö Böhmen, 26. Oktober. Die Präger Handelskammer wählte die Verfassungstreuen Dormitzer und Schwab in den Neichsrath. Die Handelskammer in Pilsen wählte mit 21 Stimmen Joseph Fürth aus Strakonitz zum Reichsrathsabgcordneten. Anö Oesterreich, 24. October. Bis jetzt sind aus den Wahlen zum Reichstage folgende Resultate uns bekannt geworden. In Wien wurde Kuranda mit großer Majorität wiedergewählt. - Im m ä h ri s ch e n Stadtbezirke N i kv ls b n r g - Anspitz-Göding-Austerlitz-9kanitz-Bulschowitz-Gaya-Wischau-Straßnitz-Luudenburg-Pohrlitz wurde der verfaffungstrcue Candidat Rudolph Auspitz, ein Israelit, gewählt, und zwar mit 1321 Stimmen gegen 309, die auf einen Czechen sielen. Diese starke Mehrheit ist um so bedeutungsvoller, als die Gegner gerade das jüdische Bekenntnis; wider die Wahl des Herrn Auspitz betont hatten. In Galizien sind von den 13 Stadtwahlbezirken erst neun Wahlen bekannt. Unter diesen haben die vereinigten Anstrengungen der Juden und Ruthenen doch nur zwei Sitze für ihre Caudidaten gewinnen können, sieben sind den Polen zugefallen. Es wurden nämlich in Brody Joachim Landau und in Kolomca Dr. Hönigsmann gewählt; die übrigen jüdischen Candidaten, wie Rabbiner Löwenstein, l)r. Gottlieb, Cohn, Landsberger u. s. w. konnten nur Minoritäten, und zwar recht geringe, auf sich vereinigen. Aber auch solche, welche mir den Polen gingen, wie die DD. Warschauer und Samelsohn, sielen durch. Wie Dies gekommen, darüber wird sich wohl Näheres noch mitthcilcn lassen. Rußland. St. Petersburg, 21. October. (Wir erhalten folgende Notiz zur Veröffentlichung. Es wurden uns dazu mehrere Mittheilungen über die Sachlage gemacht, die sich aber gegenwärtig noch der Oesfentlichkeit entziehen. Gerade deshalb jedoch können wir selbst unser Urtheil noch nicht feststellen. Redaction.) Der Verfasser des Artikels „Aus Rußland" in Nr. 40 dieser Zeitung hat, wie es scheint, den eigentlichen Inhalt und den tieferen Sinn des im Hammagid zum Abdrucke gekommenen CircularfchrcibcnS des Herrn I. E. Ginzburg an die russischen Rabbiner, nicht verstanden? Während die volle Beherzigung der in dem Schreiben enthaltenen Warnungen seitens der russischen Iudenheit eine sehr dringende Nothwendigkcit ist, sucht gedachter Verfasser die Wirkung desselben zu schwächen. Eine nähere Bekanntschaft mit der Beschaffenheit der Sache, ein tieferes Eindringen in reu Sinn und Zusammenhang des Schreibens, und eine gebührende Kenntnißnahme von Charakter und Bedeutung des Schreibers desselben würden ihn belehrt haben, .daß cs sich darin nicht um bloße Eventualitäten und Mnthmaßungen, nicht um leere Vertröstungen und Androhungen handeln konnte. Der Verfasser hat aber auch durch sein früheres öffentliches Schreiben an den Rabbiner von St. Petersburg hinlänglich an den Tag gelegt, daß er mehr Sentimentalität und warmes Gefühl für seine Glaubensbrüder, als gründliche Einsicht in ihren Angelegenheiten und Bekanntschaft mit den Leistungen und mit dem Zustand und Gang cer Dinge bei uns besitzt. Odessa, im October. Nach einer odessaer Correspondenz der russischen St. Petersburger Zeitung hat sich wieder ein unglücklicher Zufall ereignet, der die Aufregung der griechischorthodoxen Bevölkerung gegen die Juden zu mehren im Stande ist. Während des russischen Gottesdienstes in einer odeffaer Kirche warf ein Mann plötzlich einen Stein gegen ein Heiligenbild — wodurch dasselbe, welches auf Leinwand gemalt war, zerrissen wurde — sprang darauf auf den Altar zu, und hätte einen Kelch, nach welchem er langte, ergriffen, wenn ihn nicht Einige ans dem Publicum und dem Sängerchor zurückgerisscn hätten. Er wurde arretirt, und es erwies sich, daß er Hebräer war. Wahrscheinlich war rer Jude wahnsinnig. Er ist circa 30 Jahre alt und Buchbinder seinem Handwerke nach. Das Volk ist aufgeregt, und an demselben Tage fanden bereits drei Zusammenstöße mit den Juden statt. Es wäre nach einem solchen Ereignisse auch schwer, Streitigkeiten zu verhindern. Ueber den Vorfall wurde sofort in der Kirche ein Act ausgenommen, und .der Schaden, den das Bild erlitten hat, constatirt. Ieuil 8er Zu-cnteich. Eine Criminalgcschichtc erzählt von L. Schr. IV. Der Rabbiner war dem Assessor ein unentbehrlicher Gehülfe. Den Scharfblick, den jener sonst zur Auslegung des Gesetzes und der Schrift- und Thalmudstellen benutzte, verstand ( e t o n. er auch auf die bürgerlichen Dinge zu verwenden. DaS bewegliche und bewegte Leben Derer, die seine nicht sehr zahlreiche Heerde ausmachten, gab ihm Gelegenheit genug dazu. Sie holten sich Raths von ihm in allen Nöthen und Schwierigkeiten, wenn sie auch diesen Rath nicht immer benutzten. Man war damals auch noch gewohnt, Streitigkeiten vor den Rabbi zu bringen, und von seinem Entscheid an die Gerichte zu appelliren,

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