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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-11-04 · Heft 45 (4.11.1873) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 45 (4.11.1873)
Date
1873-11-04
Page
Seite 738 (sequence 8)
Language
German
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738 anstalten sich noch ein Streit erheben konnte. ES ist erstaunlich, welch' zäheS Leben das Vornrtheil hat. Schon das Edict vom I I. März 1812, der $. 2 des Gesetzes vom 23. Juli 18-17, die preußische Verfassung, und endlich das Bundesgesetz vom 3. Juli 1S Gl* haben eine solche Anstellung theils verheißen, theils als Recht ausgesprochen, — und man will sie noch immer bestreiten! Man giebt sich erst zufrieden, nachdem der Minister erklärt hat, in jedem einzelnen Falle eine Prüfung in fachlicher und persönlicher Beziehung einueren zu lassen! Eine sachliche Beziehung kann hier doch nur heißen, ob es denn gar so nothwendig sei, einen Inden anznstellen, und nicht lieber einen Christen, — eine persönliche, den Charakter und die persönliche Erscheinung des betreffenden Inden in besonderen "Augenschein zu ziehen. Denn die Lehrerqualisication an sich muß ja schon vorher feststchen. Also immer wieder Ausnahmen, Beschränkungen, Lorsichtsmaßregeln, welche die Sache in die Willkür der Berwaltungsbehörden versetzen, die. sich nach der Tendenz des jeweiligen Ministers richten. Dabei haben die bisher angestellten jüdischen Lehrer, wie die Thatsachen lehren, sich den besten Ruf erworben, und es ist ein solcher Mangel an tüchtigen Lehrkräften vorhanden, daß man sich freuen müßte, wenn eine Anzahl jüdischer Jünglinge sich dem Lehrfache widmet, wozu man ihnen aber wenig Aufmunterung zukommen läßt. Berlin, 23. Octoper. Am 21. Abends fand hier die Eröffnungsfeier des orthodoxen NabbinerfeminarS, welches Dr. Hildesheimer gegründet hat und leitet, vor einem ansehnlichen Auditorium, unter welchem sich auch einige Räthe aus dem Ministerium befanden, statt. Die Hauptrede hielt Hildesheimer, und Rabbiner Dr. Cohn auS Schwerin. —. Der durch feine Vorträge im Verein für die Geschichte Berlins bekannte Hofintendant des Königs von Schweden, unser Mitbürger Herr Per Magnus, ist mitten in seinen historischen und numismatischen Arbeiten in Swinemünde am 10. d. M., 33 Jahre alt, seiner Krankheit erlegen. Er hinterläßt unter Anderem einen werthvcllcn skizzenreichen Aufsatz mit genauesten Messungen jedes einzelnen Epitaphs vom allberlinischen Judenfriedhof. —. Die Vorsteher der Alterversorgnngsanstalt hiesiger jüdischer Gemeinde haben dieser Tage an die Mitglieder derselben ein Circular gerichtet, in rem sie denselben das veränderte Stadium dieser seit 182'.» wirkenden Anstalt schildern, und dabei betonen, daß dieselbe, besetzt durch 38 Greise und Greisinnen, überfüllt ist, Hunderte aber der Wohlthat der Aufnahme harren. Ein edler hochherziger Wohlthäter hat aus eigenen Mitteln einen Anbau hergestellt, der jetzt vollendet ist, und Aufnahme für 1 o neue Hospitaliten gewährt. Doch fehlt zur Verpstegung resp. Aufnahme derselben jedweder Fonds. Der schöne Anbau steht also leer. Das Circular legt deshalb nicht allein den Mitgliedern der Gemeinde, sondern allen Menschenfreunden die dringende Bitte an'S Herz, durch regelmäßige jährliche odereinmalige Beiträge der Anstalt zur Ausführung ihres humanen Zweckes an die Hand zu gehen. Durch Zahlung größerer Beträge können auf Wunsch Specialstiftungen in der Anstalt errichtet werden. Der Rendant derselben, Herr David Hirschfeld. Oranienburgerstraße 66, nimmt Beiträge gegen Quittung gern entgegen. Köln, 23. October. Nach einer ofsiciellen Mittheilung in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung beläuft sich die Ausgabe 1) der katholischen Elementarschulen auf- 139,238 Thaler. 2) der evangelischen auf 18,410 Thaler, und 31 der israelitischen auf 2713 Thaler. Nach Abzug der Einnahmen hat die Stadtcasse als Zuschuß zu zahlen, zu den ersteren 106,680 Thaler, zu den zweiten 13,750 Thaler, und zur dritten 187 0 Thaler, zusammen 122,300 Thaler. (Da die Schülerzahl in Obigem nicht angegeben ist, und wir deshalb, um das Verhältniß vom confessionellen Standpunkte aus beurtheilen zu können, zur Bevölkerungszahl greifen müssen, so ergiebt sich Folgendes. Nach der früheren Volkszählung gab es in Köln 103,616 Katholiken, 16,746 Evangelische und 2685 Juden. Hiernach käme für die Elementarschulen auf jeden Katholiken in Köln 1 * 3 Thlr., auf jeden Evangelischen l>/s Thlr., und auf jeden Juden 1 Thlr. von den Ausgaben. Von Seiten der Stadtcasse aber würde hierzu für jeden Katholiken 1 Thlr., für jeden Evangelischen 25 Sgr., für jeden Juden 27 Sgr. Zuschuß gezahlt. Hieraus folgt, daß von Seiten der Einwohner selbst durch das Schulgeld 10 Sgr. auf jeden Katholiken, S */2 Sgr. auf jeden Evangelischen, und 9 Sgr. auf jeden Juden kommen. Wir schließen hieraus wiederum, da diese Differenzen im Ganzen zu unbedeutend sind: 1) daß die Vermögensverhältnisse der drei Coufessionen in Köln im Durchschnitt dieselben sind, und 2) daß von der Stadt in musterhafter Weise die vollständigste Gleichberechtigung anerkannt und geübt wird, wie bis jetzt kaum wieder in einer preußischen Stadt. Die Redaction.) Erfurt, im October. (Privatmitth.l Die Allgem. Zeit, d. Judenth. hat seit ihrem Bestehen stets mit sichtlichem Erfolg auf Beseitigung von Vorurtheilen gegen Juden und Judeuthum hiugewirkt, und bereitwilligst jedes Factum registrirt, das einen Fortschritt nach dieser Seite zu bekunden geeignet war, daß ich mit Recht annehmen darf, sie werte ihren zahlreichen Lesern auch folgende Mittheiluug nicht vorenthalten wollen, welche, wenn auch das Judenthum nicht direct betreffend, immerhin principiell einen Fortschritt bekundet, indem sie den Beweis liefert, daß Verdienst und hervorragende Leistungen nunmehr auch in solchen Kreisen Anerkennung und gerechte Würdigung finden, wo man sonst auch die besten Bestrebungen in vornehmer Geringschätzung zu übersehen pflegte, wenn solche von Juden ausgingen, j Die vor etwa acht Jahren von Herrn Dr. M. Wahl hier ' in's Leben gerufene, und unter seiner speciellen Leitung stehende

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