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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 726

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 726 (sequence 14)
Language
German
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726 beschäftigten; doch hatte ich dafür die Genugthuung, daß ihnen um die Purimzeit bereits die hebräischen Gebete so ziemlich geläufig waren__" So viel unser Vorsteher. Aber selbst der erste lustige und fröhliche Purim wurde bald den „Onßim" des li». Jahrhunderts in Trauerlage verwandelt! Ein Jsraelite des benachbarten Dorfes, der in der Purimnachl als Gast der Sabbathianer zuviel des Guten genoß, — erkrankte Tags darauf nach seiner Heimkehr. Unser „Vorsteher" wurde allsogleich zu dem leidenden abgeholt, um in dessen Gegenwart die letztwilligen Verfügungen zu treffen, — und starb nach 8 Tagen. Jetzt erscheint eine „Untersuchungscommission" im Sabbathianerdorfe: die oft „Heimgesuchten" hätten, — laut Aussage eines Geistlichen,— dem Gaste als Christusmaske so arg zugesetzt, daß er in Folge dessen starb! Ties Märchen bildete sich zu einem förmlichen „Criminalproceß" anS! — Doch die „neuen Inden" hatten gar zu gute Vorbilder an ihren „älteren" Brüdern, als daß ein sogenanntes „Bilbul" sie auf lange verzagt oder gar entiuuthigt machen sollte. Ueberdies wiederholten sich die „Verhöre" so oft, daß sic sich allmälig daran gewöhnen mußten. Die Verfolgungen haben noch überall, — somit auch bei den Sabbathianern, — entweder völlige Abgestumpftheit, oder heroische Widersetzlichkeit erzeugt, wogegen der Fanatismus vergeblich anlämpft. Die Sabbathianer sind nun — Inden! Zur Erhärtung des Gesagten dürste wohl schließlich die auszugsweise Mittheilung eines, im ungarischen Original uns vorliegenden Freundschastsschreibens (15. Januar ISOlh des „Sabbathianerältesten Kovücs Abr. Andr.is — am Geeignetsten fein. Hier heißt es nämlich unter Anderem: 2)er Schächter ist im Vereine mit dem „Abraham behufs Spendensammlungen für unseren „Tempclbau entsendet." „Nun noch die Neuigkeit, daß nämlich der Bezirks- „stuhlrichtcr (jurüsi duldj in Gesellschaft eines katholi- „schen Seniors uns mit einem Besuche beehrend, gleich- ,.zeitig die zugestelltc Gubernialrcsp. Ministcrialver- „ordnung zu unserer Kenntniß brachte, der zufolge „allen Jenen, die zum israelitischen Glaubens, „bekenntniß übertraten und fortan darin beharren, „mit GüterconsiScation, Einkerkerung .... gedroht „wird. Unsere Antwort aber lautere ganz einfach „dahin: „Wir werden in dem freiwillig angenommenen Glauben biL zu unserem Tode auch verharren." Vermischtes. Wir lasen jüngst eine interesiant und geistreich abgefaßte Erzählung von Eherbonillez in der Revue des de,ix Mondes: „Meta Holdinis.“ In derselben waren jedoch auf eine empörende Weise die Rollen der Bösewichter een Deutschen, die der braven und edlen Menschen den Franzosen zuertheilt. Frömmelei, Heimtücke, Habnnd Gennßgier waren die Laster, deren Träger in dieser Erzählung die Deutschen sind, während Freisinn, Freigebigkeit, Offenherzigkeit, kurz alle niögliche Noblesse auf Seiten der Franzosen stehen. Einige Tage darauf lasen wir die soeben erschienene Erzählung von Spielhagen „blltimo." Hier dasselbe Spiel, aber in anderer Weise. - Die Tuaenthelden sind in diesem Buche die Christen; die Bösewichter, die gemeinen, heimtückischen Juden. Mau sieht, es kommt auf Eines hinaus, wenn der Dichter in tendenziöser Weise Gunst nnd Ungunst vertheilt. Bor dem Forum der Gerechtigkeit wird Herr Spielhagen gerade so schwer wiegen, wie Herr Eherbonillez, der sich eben so gut vertheidigcn wird, daß er nur diese Art Deutscher gemeint habe, wie Spielhagen, daß er nur diese Art Juden habe geißeln wollen. In Wirklichkeit mag Spielhagen ein-Vorbild für seine Zeichnung jüdischer Banquiers wohl gehabt haben; sieht man doch seiner Schilderung an, daß er in deren Salons oft gegessen und getrunken hat, so genau scheint er sie zu kennen. Wir wollen ihm die Existenz dieser Sorte nicht streitig machen. Aber ebenso wird Chcrbouille; darauf pochen, daß es derartige deutsche Frömmler und Heimtücker giebt. Wir können es ihm nicht ableugnen. Das schwere Unrecht beider Schriftsteller liegt nur darin, daß sie Untugenden, die bei allen ^Nationen und Confessionen gefunden werten, nur einer einzigen zuschreiben, und in einer anderen das Gegenbild aufstellen. Wie wäre eS z. B., wenn Jemand einen Unterschied zwischen Literaten und Belletristen einerseits, und den Männern der Gelehrsamkeit nnd der Wissenschaft andererseits machte, und nun Käuflichkeit, Niedrigkeit, Leichtfertigkeit und damit zusammenhängende Laster bei der ersten Classe, erleuchtete und erhabene Gesinnung, Aufopferung und Hingebung nur bei der zweiten finden, und hierfür irgendwie ein charakteristisches Tableau ausstetten wollte? Daß er seine Typen in beiden Classen finden könnte, wird ^Niemand leugnen, — nur daß er sie in der einen Classe allein finden will, Das ist die Unwahrheit und vaö Unrecht. In der Sknlpturabtheilung der permanenten Kunstausstellung des berliner Kunsivereins sieht man jetzt ein Werk eines jungen jüdischen Künstlers, über welches in der B. Z. folgendermaßen geurtheilt wird:

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