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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 725 (sequence 13)
Language
German
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725 Gottes Ehre arg verletzen, Die am Sonntag sich ergötzen. Lied der Sehnsucht nach dem Meschiach. (Am Pcßachfest zu singen.) Himmlischer Vater, süß und theucr. Ach, wir warten auf den Befreier; Die sich a:n Simonsberg Dir weiden. Wirst Du sic nicht bald befreien'?! In Drangsalen und in Nöthen, Wir stets um ihn beten: Wann wirst Du ihn doch senden, Um Freiheit uns zu spenden?! Laß^ ihn kommen bald und schnell, Daß die Finsterniß werde hell. Der Refrain sämmtlicher Strophen: Meschiach, Meschiach, süßes Wesen! Wann wirst dein Volk du erlösen'?! „Die Neligionsgebräuche oer Sabbathianer, von Simon Pöcöy festgestellt, bilden ein eigenthümliches Gemisch von jüdischen und christlichen Gewohnheiten, jedoch ganz auf Grundlage des mosaischen Ritus." Ueber den jüngst erfolgten Uebertritt zum Indenthnme berichtet die gedachte Abhandtllng aus jenem Dorfe, wie folgt. „ldll7 erschienen Jünglinge oftgenannter Konfession bei dem Borsteher W. S. — einem Israeliten — mit rer Bitte: er möge sie mit den hebräischen Gebetstürken vertraut machen, was dieser auch in aller Bereitwilligkeit that. - Mil der Wiederherstellung der ungarischen Verfassung glaubten die Sabbathianer die Zeit der Erlösung-gekommen, d. h. des freien Ueberlrittes zum Iudenthume, und ersuchten ihren Vorsteher, ihnen hierin behülslich sein zu wollen. Die Ersten, die es wagten, waren: Koviics Ist van, der Bruder des Schwiegervaters unseres Vorstehers, und Kovacs Moses, ein Mann von Oll Jahren, welche Beide unter dem Rufe: „Schma Iisrael!" die übliche Operation in aller Hingebung an sich vollziehen ließen: „Mir blieb die schöne Beschäftigung," — berichtet unser Vorsteher, — „Jeden täglich bis nach deren vollständiger Genesung, die 1 -I Tage daraus erfolgte, drei Visiten zu machen. Als die Uebrigen sahen, daß die Alten sich der bekannten Eeremouie unterzogen, erschienen sie behufs derselben häufiger bei mir; und so ging es von Mai bis Eure Tecember ISO$ ununterbrochen fort, wo allwöchentlich ll, 8, zuweilen auch 10 Personen übertraten, deren Heilung ich natürlich als heilige Pflicht erachtete .'. . . So wurden während erwähnter Zeit nicht weniger als l ött auf ihr inständiges Ansuchen dem Iudenthume zugeführt..." Indeß wurde ihm Januar 1569 mittelst des Stuhlrichteramtes ein Gubernialbeschluß zugestellt, dahin lautend: daß nicht bloß der fernere Uebertritt, sondern jede auffallend eCcremonie bei strenger Strafe verboten sei, — als unser Vorsteher eben im Begriff war, 5 der Neujuden „Kidtischin" geben zu lasten. Eine Abschrift dieses Erlastes sich erbittend, fand er zu seiner Freude, daß hierin von Ujfalu die Rede sei, — und der Ungar, der wie der Engländer starr an dem Buchstaben des Gesetzes hält, ging mit den Brautpaaren nach dem benachbarten Szender, um hier die Trauungsfeier vollziehen zu lasten. Bald daraus ward eine „Untersuchung" wegen des Mastenübertrittcs eingeleitet, wovon wohl Folgendes der Mittheilung nicht unwürdig sein dürfte: Untersuchungsrichter: „Aber wie konntet ihr doch in euerem 72. Jahre einen neuen Glauben annehmen? Jude werden?" — . Kov.'ics Samuel: „Man nannte mich längst schon Jude, .bevor ich es wurde, da dachte ich: eS soll, mein Name auch der Wirklichkeit entsprechen. „Ob die That entspricht: trink' ich oder nicht, stets die böse Welt für Säufer mich halt; d'rum her mit dem Wein, will Säufer auch sein!" — lautet der Szäklerspruch." („Akar iszom, akar »em, rßszeges az en nevem; inkabb iszom semliogy, nom legyen igaz a nevera.“) UnterfuchungSri ch tc r: „Und wer hat e u ch denn, Frau SärS, zum Uebertritt bewogen?" K o v ä cS S ä r: „Der allmächtige Gott." Untersuchungsrichter: „Hat euch 2k i e m a n d hierzu genöthigt oder gelockt?" Kovücs S.'ir?«: „Niemand." U n t e r s u ch u n g S r i ch t e r: „Und wer hat euch in der neuen Religion unterwiesen?" Koväc s Sür?,: „O, hierin sind wir bereitseil Jahrhunderten eingeweiht." Hierzu kam noch, — weil variatio dulectat. — die verlaumderische Angabe: man habe einem Geistlichen einen leeren Sarg zum „Einsegnen" hingestellt, während die betreffende Leiche selber nach neuem Ritus zu Szender begraben wurde u. Vgl. m. „Unter schweren V e rs ll ch n n g e n und U nt e r s u - chungcn aller Art, aber auch unter fortgesetztem Lehren und Lernen der jüdischen Religionsgebräuche, verstrich der „strenge" Winter. So zeitlich früh ich mich auch zur Morgenandacht iu'ö Gotteshaus begab, harrten dennoch schon die Leute meiner. Ich hatte bloß drei Paar „Tefilin" und mußte mit -15» „Tefilin legen"! "Natürlich ward's Mittag, bis ich fertig wurde, ~ wo sich aber auch bald die liebe Jugend bei mir einstellte, die ich regelmäßig bis zum Abendgebete unterrichtete. Des Nachts kam die Reihe an die Erwachsenen, die mich oft bis 2 und 3 lihr nach Mitternacht

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