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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 724

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 724 (sequence 12)
Language
German
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724 Anekdoten zum Besten zu geben. So von einem, oben bereits erwähnten Mönche, Namens Sinzerus, der sie beim Fiscus dennncirend, noch überdies am Sabbath gewaltsam zur Arbeit treiben ließ, und über welchen sie in tiefster Erbitterung den Fluch aussprachen: er möge zum Fräße dem Ungeziefer anheimfallen, — siehe da! er siel in der That gar bald darauf in eben solche Krankheit! — Ergötzlicher ist die Begebenheit Mikl>'»si Puls v. Gagy, der als Stuhlgeschworener, die Sabbathianer womöglich mauer..d und grausam verfolgend, sie überdies noch zur Zielscheibe seines mnthwilligen Spottes machte, indem er sie Kälber betitelte, — reizte endlich die Tiefgekrankten derart gegen sich, daß sie ihm fluchten: nicht eher von der Erde zu scheiden, bis er ein Kalb zur Welt gebracht, — und was geschah? Eines Samstags begab sich unser gute Miklüsi Päl nach Kereßtur, und hier natürlich in ein Wirthshaus, wo er sich seiner Gewohnheit gemäß wacker aufspielen, und wie ein Vadeschwamm den Wein in sich aufnehmen ließ. Ta kam auch unter Anderen bei den Zechbrüdern der Fluch der Sabbathianer mit der erheiternden Bemerkung zur Sprache, waS nun in der That mit dem Kalbe zu begiitnen, das von Mikl'.si P:>l in die Welt gesetzt wird. Genug Dem, er geht berauscht nach seinem Wohnorte Gagh, legt sich nieder, — und träumt: er sei wirklich eines Kalbes genesen! Während dessen kalbte richtig die Kuh im Stalle, und seine sorgsame Gattin trug den neuen Ankömmling in's Zimmer, band ihn zum Fuße des Bettes, legte sich auch nieder und schlief ein. Millüsi erwacht aus seinem Schauertraume, erblickt das zum Fuße des Bettes gebundene Kalb, — sollte er in seinem Halbtaumel nicht glauben: er habe ein Kalb zur Welt gesetzt? Er erschrickt . . . und um seine entsetzliche Schande vor der Welt zu verbergen, machte er sich sachte aus dem Bette . . . faßt das blöckende eorpus delicti . . . und wirft es draußen in den alten Brunnen! — Wohl ward es ihm später klar, daß seine Kuh eben kälberte, — und daß er ihr, nicht sein Kalb in den Brunnen geworfen habe; allein zu spät! Das Mikl'-si'sche Kalb bildete fortan einen herrlichen Stofs zmn Lachen. Statt der weitläufigeren Besprechung ihrer Ceremonicn und ihres Aberglaubens, wollen wir lieber einen Blick in den ehrwürdigeren, werthvolleren Theil ihrer Religionöbücher werfen. So besitzen und benützen sie noch unverändert jenes Gesangbuch, wie es ihnen von Pecsy Simon einst überliefert wurde, und das den Geist der alttestamentarifchen Poesie mit der Kernigkeit der ungarischen Sprache so schön vereinend, einen wahrhaft köstlichen Beitrag zur vaterländischen religiösen Dichtkunst bilde;. Das Gesangbuch der Sabbathianer von unseren gekehrten Sprachforschern Lugosfy und Kriza in unsere Literatur eingeführt, ward demselben alsogkeich die gebührende Anerkennung gezollt. Wir übertragen hiermit einige'Muster, wie sie unser Ouellenforscher aus den, bei einem der Bözöd-Ujfaluser Sab-, bathianer Vorgefundenen handschriftlichen ungarischen Exemplaren ausgezeichnet. Kaum dürfte der Inhalt, trotz der langen Zeitenreihe, irgend welche Abänderung erlitten haben; wohl aber doch das Ganze durch das Ab- und abermalige Abschreiben in den einzelnen Anödrücken, zumeist jedoch in der Orthographie einem Anschmiegen an die Zeitverhältniffe nun einmal nicht entgehen können. Die nachstehende Uebertragung einiger Piecen aus den uns vorliegenden handschriftlichen ungarischen Originalien, dürfte aber auch zur Genüge den Geist jener „Lieder" oder vielmehr „Kinder des Elends" karthun, wie sie sich der schnrerzersüllten Seele entwunden. Die Hebamme dieser „Geisteskinder" war daher nur selten die schulgcrechle Poetik, öfter jedoch die regel- und zügellose Polemik. So heißt es beispielsweise: Sabbathlieder. (Am Freitag Abend zu singen.) Den Sabbath, den süßen Laßt uns begrüßen. Frcudenliedcr stimmet an, Die Hohen Gottes klimmet hinan! Dient Gott wieder, Es schallen die Lieder! Feiert fronnn den Sabbath, hehr, Das Leben gebt für ihn her: Recht durchglüh' die Seelen, Die wir Gott empfehlen. Rein der Leib, rein das Kleid, Wenn du dem Herrn dich geweiht. Wenn Ruh' und Fried' in der Brust, Ist der Sabbath Seelenlust. Wie des Ki dd usch perlender Wein, Prüfe und wäge Dc8 Lebens Stege. Wer froh begehen mag Des Herrn heiligen Tag, Mehre stets Lieder Bon Neuem wieder. Wir wollen uns sammeln. Deinen Ruhm zu stammeln; Der den Sabbath erwählt, Deß' Ruhm erzählt! Uin Deine Hülse flehen wir, Heil in Führung ist bei Dir; Woll' uns dies bringen, Und laß Alle« gelingen. Abwehr gegen die Sountagöfeier. Haltet heilig Sabbathfeier, Hoch wie die Bätcr euer; Wie wir im Altcrthum Fanden darin unsren Ruhm Vertauscht ihn mit Sonntag nicht, Dem das Hobe Alter gebricht; Die Sabbathe allzumal, Umflosicn von der Schöpfung Strahl. Welche Schmach, o der Schand': Für's Gebitd rer Menschenhand, Was von Gott ist, zu verlaßen; Erfund'ncS lieben. — Göttliches hasten! Den Barer im Himmel tief;u tränten, Darob, was Menschen erdenken.

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