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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 723

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 723 (sequence 11)
Language
German
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723 ist der Gedanke, Rabbiner einzusetzen, und dann die Gemeinden dafür zu erwarten. Aber bei der großen Wanderlust unserer Zeit, wo wir in verhältnißmäßig geringen Zeiträumen kleine Gemeinden zu großen, ja in's Außerordentliche anwachsen sehen, hat dieses Verfahren wohl die Wahrscheinlichkeit für sich; es kommt nun darauf an. welchen Anklang dieser nach vielen Seiten nützliche Gedanke bei unseren französischen Glaubensgenossen finden werde. Die Redaction der Arch. isr. spricht sich nicht sehr günstig darüber aus. Algier, 0. Oktober. Aus Constantine wird von einer eigenthümlichen Emente berichtet, welche dort zwischen Juden und Arabern stattgcfunden hat. Um 1 l Uhr Morgens fand am Ausgang der Rue Nationale in der Nähe der Brücke El-Kantara ein jüdisches Begräbniß statt. Ein Unterossicier von den eingeborenen Tirailleurs beschimpfte den Zug, indem er ihn, wie es heißt, anspie. Er war allein oder fast allein. Die Juden stürzten sich aus ihn, schlugen ihn mit Faustschlägen zu Boden, und warfen ihn einen nahen Abhang von mehr als hundert Metern hinab, zu dessen Füßen der Roumel fließt. Der dienstthuende Ossicier dcS nächsten Postens, ein Hanptmann von den Cpahis, ließ einige Jäger, die er gerade bei der Hand, hatte, da sie vor dem Divisionspalais Wache hielten, zu Pferde steigen. Inzwischen waren schon Araber herbeigelaufen, um ihren Glaubensgenossen zu rächen, und es hatte sich eine große und blutige Schlägerei.entsponnen, an welcher mehrere Tausend Individuen, Araber und Juden, theilnahmen. Die Reiter stellten die Ordnung wieder her und rafften die Verwundeten auf: an 20 Araber waren aus dem Platze geblieben, drei von ihnen tödllich verwundet. Gleichzeitig war es zu einem ähnlichen Eonflicte an einem anderen Punkte der Stadt, in der kleinen Straße unterhalb der Place Negrier, gekommen; hier Hallen die Juden die Polizei herbeigeholt, und ehe diese noch drei der arabischen Ruhestörer abführen konnte, waren dieselben von den Juden halb todt geschlagen worden. Bei Abgang der Post war die ganze Garnison auf den Beinen, und Patrouillen zogen durch die Stadt. Zenit Die Labbllihianer in Siebenbürgen. <S ch! u ß.) Die Fasttage übersteigen bei Weitem die der Israeliten; renn sie fasten jeden Mittwoch theils zur Besänftigung, theils behufs Zerstörung der Macht böser Geister, - wozu sie dem Fasten die größte Kraft Zutrauen. Ihr Aberglaube besteht auch in der Meinung: Gott habe die Minuten gegen die Mittagsuud Mittcrnachlsstnnde den Teufeln behufs Ausführung ihrer bösen Vorhaben zur Verfügung gestellt, die sonst an Düngerhaufen und Kreuzwege gebannt, aus Menschen - lauern, um diese Australien. Sidney, im September. Ein Herr Nelson hatte bei dem hiesigen Parlamente auf eine Unterstützung eines . israelitischen Waisenhauses angelragen. Bei rer Debatte äußerte sich der Vertreter der "Regierung dahin, daß zwar die Israeliten ihre Hülssbedürftigen ganz allein versorgten, und ebenso stets bereit wären, die Unglücklichen aller Eonfessionen zu unterstützen, und sich keinem gemeinnützigen Werke zu entziehen, daß jedoch die Regierung fick scheue, einer konfessionell gesonderten Anstalt eine Unterstützung zu gewähren, und damit ein Präjudiz zu geben. Dennoch fiel der Antrag nur mit einer sehr geringen Majorität durch. Marokko. Algier, im September. Der Moniteur de l'Algme enthält eine Correspondenz ans Tanger.- welche in ihrem Haupttheile einen betrübenden Bericht über die Mißhandlung, der die Juden in Marokko noch immer ausgesetzt sind, bringt. Sie muffen in einem gesonderten Stadttheile wohnen, dessen Thore am Abend geschloffen werden. 'Wenn sie die maurische Stadt betreten, so müffen sie die Pantoffeln ansziehen und in der Hand halten. Außerdem müffen sie eine besondere Kleidung tragen, und dürfen in der Stadt kein Pferd oder Maulthier besteigen. Insbesondere thut sich hierin der Pascha von Fez hervor. Es wurde auch in diesem Blatte bereits berichtet, wie dieser einen kranken Juden, dem der Arzt ein maurisches Bad verordnet hatte, deshalb summt seinen zwei Begleitern auf's Aeußerste -mißhandeln ließ, und sie noch im Kerker hält. Selbst zwei Franzosen jüdischer Religion wollte er zwingen, ihre europäische Kleidung abzulegen, so daß sie eS vorzogen, die Stadt zu verlassen, ohne das Geschäft zu vollenden, das sie dahin geführt. Interventionen helfen Nichts, da die Paschas in den Provinzen sich wie Souveräne gerircn. Der jüngst eingetretene Tod des Sultans von Marokko macht die Dinge noch ärger. feto«. in der Minute ihrer Entfesselung allsogleich zu erhaschen. Ferner: die bösen Geister ärgert Nichts so sehr, als wenn sich Jemand Freilag Abends kämmt, oder den Mist gegen Sonnenaufgang ausfchüttet u. dgl., — waö somit, um selbe nicht ohne Grund zu reizen, unterlassen werden muß. Eine dem Fasten gleiche Wirkung schreiben sie auch dem Fluche zu: eine Verwünschung, die aus ganzer Seele kommt, muß in Erfüllung gehen. Aus diesem Grunde fährt nicht so leicht ein Fluchwort über ihre Rippen; desto verschwenderischer jedoch pflegt sich dies über die Häupter der Spötter und Verfolger ihres Glaubens zu ergießen, und vermögen sie von der buchstäblichen Erfüllung solcher Flüche nicht einzelne Daten und 44*

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