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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 721 (sequence 9)
Language
German
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721 Gememdecaffe :c. in Anspruch nehmen. Ein großer Theil dieser Heimgekehrten machte freilich nicht den günstigsten Eindruck. Ihr Reiseziel war ihre alte Heimath Rumänien. Daß die Gemeindebeamten in der Regel zuerst und am Häufigsten von den wandernden armen Glaubensgenossen besucht werden, ist eine anerkannte Thatsache, und gewiß steht man den wirklich Nothleidenden gern mit Rath und That bei, mögen sich auch die Fälle, in denen Hülfe geschasst werden muß, in kurzen Zwischenräumen wiederholen. In der letzten Zeit wurde Schreiber dieses häufig von jungen Leuten, die sich als „Studiosen der Theologie" gerirten, heimgesucht, die aus irgend einem Grunde die Mildthätigkeit der Unterstützungscassen in Anspruch nahmen, dabei aber äußerlich durchaus nicht so aussahen, als ob sie in der That der Unterstützung bedürften. Es macht immer einen üblen Eindruck, wenn junge, kräftige Leute sich auf's Schnorren legen, (denn weiter ist es ja doch Nichts, wenn es auch in etwas feinerer Manier betrieben wird), die recht gut ihr Brod in anderer Weise suchen, und es-auch finden könnten. Die vorgelegten Zeugnisse, Empfehlungen u. 's. w. zu untersuchen und zu lesen, dazu hat man nicht immer Zeit und Lust; man sieht sich daher genöthigt, so gut es geht, der oft sehr lästigen Bittsteller sich zu entledigen. Gestern trat abermals ein schwarzgelockter, rothwangiger, anständig gekleideter, mit hohen Stülpst iefe ln versehener junger Mann bei mir ein, und stellte sich als „Studiosus der Theologie" vor. Er wollte bereits 2 Jahre das Seminar in Düsseldorf besucht haben, und war im Begriff, über Hannover nach Breslau zu reisen, und in das dortige jüdisch-theologische Seminar einzutreten. Er überreichte ein Empfehlungsschreiben des Herrn Nr. Plato in Düsseldorf; dasselbe war mit einem Stempel versehen, und konnte daher auf den ersten Blick täuschen. Aber wer genauer nachsah, mußte sofort entdecken, daß das Zengniß gefälscht war; denn die Unterschrift war in schnörkelhaften Zügen abgefaßt, das Wort „Director" mit ck, das Wort „Sympathie" in der ersten Silbe mit i geschrieben, die Kommata waren falsch gesetzt, und stilistische Schnitzer darin enthalten. Ich sagte dem hochgestiefelten Talmudjünger, daß das Zeugniß gefälscht sei; doch blieb er bei der Behauptung, es vom Herrn l)r. Plato erhalten zu haben. Als ich den jungen Betrüger, denn ein solcher war es. auf die Fehler, die das Schriftstück enthielt, ansmerksam machte, sagte er ganz naiv: „Nu, vielleicht hat sich der Herr Tcetor geirrt." Das ging mir denn roch zu weit. Ich redete dem Menschen in's Gewissen, und bat ihn, mir die Wahrheit zu sagen. Eö dauerte sehr lange, bis er mit derselben herausrückte. Erst, als ich ihm gedroht hatte, die Sache zur Kenntniß der Polizei, zu bringen, legte er ein offenes Geständniß ab; er will das Zeugnis; von einem jungen Manne in Cöln, der auch im Besitze des Stempels res Herrn Nr. Plato ist, erhalten haben. Ich entließ den jungen Menschen mit einer ernsten Verwarnung. Hoffentlich wird er sich die Entdeckung seiner Fälschung als eine ernste Lehre dienen lassen, nicht weiter auf dem begonnenen Wege fertzugehen. Er nannte sich mir gegenüber Adolph Rosen bäum, und wellte aus Jstedt gebürtig sein. Uebrigens möge vor dem Menschen, der mir ein abgefeimter Gauner schien, gewarnt sein.*) Oksterreichisch-nngarische Monarchie. Krakau, im Oktober. Um das Bild, welches wir von den galizischen Zuständen betreffs der Wahlen zu geben versucht habenzu vervollständigen, lassen wir hier einen Bericht über eine Sitzung des polnischen ostgalizischen WahlcomitckS folgen, in welcher Nr. Zyblikiewicz eine Resolution des Inhaltes beantragte, daß das Wahlcomitö es für seine Pflicht erachte, die Candidatur eines der Urheber des, von der krakauer israelischen Gemeinde erlassenen Wahlaufrufes, welcher das Zusannnengehen der Juden mit den Polen empfahl, zu unterstützen. Der Antragsteller motivirte diese Resolution in längerer Rete. Es seien, sagte er, im gegenwärtigen Augenblicke Wahlen erforderlich, denen ein politischer Charakter innewohne. Früher, als eS dem, den Polen feindlichen Elemente um die Herrschaft über die Polen ging, habe dasselbe sich bemüht, in Galizien Unfrieden zu säen, um dasselbe leichter zu bewältigen. Man reizte deshalb die Bauern wider den Adel, und profitirte von den Agrarverhältnissen. Als auf diesem Gebiete die Anlässe zum Hader geschwunden waren, suchte man die Nationalitätenfrage hervor, und hetzte die Ruthenen wider die Polen. Da nunmehr die ehrlichen Rnthenen den Polen die Hand reichen, und selbst die Russephilen den Deutschen sich entziehen, suche man die Juden und die Katholiken gegeneinander aufzuregen, indem man aus dem Unterschiede der Bekenntnisse Capital schlage, und denselben zu politischen Zwecken ausnütze. Das erste Attentat in dieser Richtung sei gelungen, wie der von den lembergcr Juden erlassene centralistische Aufruf bewiesen habe; die krakauer Juden aber.hätten dieses Attentat durch ihren Aufruf vom Juli zurügewiesen, in welchem Ausrufe sie erklärten, daß sie mit den Polen Hand in Hand gehen würden. Diesen der höchsten Anerkennung würdigen Schritt müsse man durch ein äußeres Zeichen belohnen, und diesen .^weck eben verfolge sein Resolntionsantrag. In dem nämlichen Maße aber, wie er die Wahl dieses Einen Inten für eine politische erachte, halte er seine eigene Wahl für eine gewöhnliche, welcher keinerlei politische Bedeutung beiwohne, da jetzt die Verhältnisse von denjenigen im Jahre 1Si'»7 verschieden seien. Deswegen ziehe er seine Candidatur zurück. Drei Redner, Nr. Dunajewski, Di*. Kanski und Nr. Gnmplowic; bekämpften Zyblikiewicz'- *) Wenn wir dieses eine Beispiel anssi'chrlich hier besprechen lassen, so geschieht Dies, um abermals ans diesen liebe Island, der nur allzubänfig ist, ausinerl'am zu machen, um zur äußersten Vorsicht zu mahnen. Redaction«

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