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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 720

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 720 (sequence 8)
Language
German
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720 anstatt auch an hoher Stelle die Anerkennung gefunden hat, welche ihm von Seiten des Schulcollegiums niemals versagt worden ist, und knüpft daran den Wunsch, daß er sich dieser Anerkennung in rüstiger Thätigkeit noch lange erfreuen möge. Die dem bescheidenen Gelehrten zu Thcil geworrene, wohlververdiente Auszeichnung hat überall die freudigste Theilnahme gefunden. Der hiesige Sliftsgelehrte Dr. Holländer aus Altona ist zum Rabbiner in Wreschen erwählt worden. Von der internationalen Jury der Weltausstellung in Wien sind folgenden, in unserer Provinz wohnenden Juden Anerkennüngsdiplome als Auszeichnung ertheilt worden : der Verlagshandlung von Cohen und Risch Hierselbst für Zeichnungsvorlagen, Herrn Ludwig Lewenstein in Linden für Kunstwolle. dem Fabrikanten Oppenheim u. Co. in Hainholz für Glas- und Schmirgelpulver, dem Lederfabrikanten W. Golbschmidt in Wölpe für Roßleder und Stiefeltheile, und der Firma M. Neuberg u. Co. in Sarstedt für baumwollene und halbwollene Stuhlwaaren. Zur Wiederbesetzung des seit dem Tode des Landrabbiners LandSberg vacanten Landrabbinats Hildeöheim fand bereits vor mehreren Wochen ein Termin statt. Bon den 37 Gemeinden des Bezirks war Hildesheim durch 2 und 29 auswärtige durch je einen Wahlmann vertreten. Von den 31 abgegebenen Stimmen fielen 23 auf Dr. Guttmann in Breslau und 8 auf Dr. Wedell in Posen. Jener war also gewählt und hat die Wahl auch angenommen. Jndeß ist bis jetzt die Bestätigung von Seiten der Regierung noch nicht erfolgt und zwar, wie man allgemein glaubt, weil es noch nicht entschieden ist, ob das Institut der Landrabbinate überhaupt noch ferner bestehen bleiben soll, eine Frage, über welche sich gutachtlich zu äußern, die Landdrosteien bekanntlich vor Kurzem aufgesordert worden sind. Den künftigen Rabbiner in Hileesheim dürfte übrigens keine geringe Arbeit erwarten. Als Curiosum theilen wir von dort mit: Unlängst hat daselbst eine Beschneidung stattgefunden, bei welcher ein Christ Gevatter war, nach welchem das neugeborene Kind auch den Namen Karl erhalten hat. Der Privatdocent Dr. Alfred Stern in Göttingen, Sohn deS bekannten Professors Stern daselbst, hat einen Ruf als Professor der Geschichte nach Bern erhallen. In Deedcsdorf starb am 1. October Frau S. Elias in dem hohen Alter von 104 Jahren. Samoezyn, 8. September. Gestern verstarb hier im 61. Lebensjahre der Kaufmann Herr Pincns Scligsohn, ein Mann, der wegen seines wohlthätigcn Sinnes und seiner Liebe für wissenschaftliche Bestrebungen eines rühmlichen Namens sich erfreute. Groß war daher die Trauer, welche die Gesammtgemeinde ohne Unterschied der Confession mit den sehr zahlreich herbeigeeilten Verwandten und Freunden von Nah und Fern, mit der schwergeprüften Wittwe und den hinterlassenen 14 Kindern theilte. Obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, an einen -iccrr zu machen, fühlte sich doch Herr Rabbiner Brann aus Schncidemühl bewogen, seinem wackeren vielbewährten Jugendfreunde eine rrrnachzusagen. Wie ich eben gehört, hat der Verstorbene, einem guten Hausvater gleich, auch nach dem Tode noch für Diejenigen gesorgt, die er im Leben so fleißig unterstützte: für Studirende. Er hat nämlich der Stadtbehörte 3000 Thaler vermacht, mit der Maßgabe, die Zinsen derselben alljährlich an Studenten aus hiesigem Städtchen ohne Unterschied der Confession zu vertheilen, und 2<hi<» Thaler dem israelitischen Corporationsvorstanee behufs Ankaufs eines Grundstücks für die Cultusbeannen. Es zeugt Dies von der richtigen Ansicht des Verstorbenen: für die Allgemeinheit zu wirken und gemeinnützige Werke ohne alle confessionelle Rücksichten zu fördern und zu schafsin, aber auch durch das Recht rer Individualität zu confessionellen Stiftungen berechtigt zu sein. Das Andenken des Verblichenen, der durch Biederkeit des Charakters, Offenheit in Wort und That, sich die größte Achtung erworben, wird nie erlöschen im Herzen unserer Gemeinde. Möge das leuchtende Beispiel des Unvergeßlichen allseitige Nachahmung finden. 8p. — Bremen, 10. October. < Privatmitth.l Die hiesige israel. Gemeinde, welche bereits nahe an 100 beitragende Mitglieder zählt, und fortwährend in der Zunahme begriffen ist, konnte an den jüngst verflossenen hohen Feiertagen ihr gewöhnliches Betlocal nicht benutzen, weil dasselbe die große Zahl der Beter, die an diesen'Tagen 'erfahrungsmäßig durch die nur vorübergehend hier weilenden Glaubensgenossen beträchtlich vermehrt wird, nicht faßt;. vielmehr fand der Gottesdienst in einem sehr geräumigen, eleganten, mit einer Gallerie versehenen Saale, der» sogenannten „Gesellschaftshause" statt. Die Kosten, welche durch die Verlegung des Betlocals der Gemeinde erwuchsen, waren nicht unbedeutend; die Miethe allein betrug 150 Thlr., fast eine gleiche Summe wirb die Einrichtung dieses Locals, die Gasbeleuchtung rc. gekostet haben. Hoffentlich giebt diese außerordentliche Verausgabung, die sich alljährlich wiederholen wird, so lange unsere Gemeinde noch kein eigenes, den Verhältniffen entsprechendes Betlocal besitzt, Anlaß, recht bald an den Bau einer Synagoge zu denken. An Opferwilligkeit fehlt es unserer Gemeinde sicher nicht, unv dürfte es daher wohl nicht schwer sein, den schon bestehenden Baufonds, der sich auf etwa 8000 Thlr. beläuft, um ein bedeutendes Theil zu erhöhen. In jüngster Zeit sind viele Israeliten aus Rumänien, welche eine Zeit lang in Amerika ihr Heil gesucht haben, aber dort nicht reüssirten, und deshalb wieder nach Europa zurückgekehrt sind, durch unsere Stadt gekommen, und mußten, da sie in dürftigsten Verhältnissen sich befanden, die Unterstützung der

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