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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1873-10-28 · Heft 44 (28.10.1873) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
37 (1873)
Issue
Heft 44 (28.10.1873)
Date
1873-10-28
Page
Seite 717 (sequence 5)
Language
German
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717 bung zu Gott durch das Auflösen des Materiellen in eie aufsteigenden Rauchwolken symbolisch dargestellt werken. Innerhalb dieser Idee des OpfernS muß natürlich, wo eine wirkliche, bewußtgewordene Unreinheit und Schuldhaftigkeit vorhanden, die symbolische Handlung des Blntsprcngens das Hauptmoment bilden, während cs anderweitig nur die vorausgesetzte Unreinheit bedecken soll, daher seeundär bleibt, und nur dem eigentlichen, Hauptacte des Auflösens in Rauchwolken vorangeht. Alles Ties, Das darf niemals vergessen werden, darf eben nur symbolisch aufgefaßt. und in seiner seelischen Rückwirkung auf den, in der symbolischen Ausdrucksweise noch befangenen Geist beurtheilt werden. Hier vor Allem 'ist nachdrücklichst zu erwägen, daß das mosaische Opfer. durchaus die reale Sühnung einer wirklichen Schuld und Sünde nicht enthielt. Jede wirkliche Schuld mußte gebüßt werden, die Bcnachtheiligung eines Menschen an seinem Cigenthum mußte zuvor durch' die Rückgabe des Beruntreueten und ein Fünftel Aufgeld, unter Umstanden noch mehr, gebüßt, und ein reuiges Bekenntnis; abgelegt sein; eine Verletzung an Vcib uuv sieben wurde nach dem Strafgesetze gestraft. Roch mehr: das Gesetz U Mos. 1 5>. 22—Hl) macht ausdrücklich einen Unterschied zwischen Nedertretungen, die ans Versehen und die mit Vorbedacht und vollem Bewußtsein {rnz^. rs) begangen werden, und verordnet nur für die ersteren ein Sühnopfer, läßt aber ein solches für die letzteren nickt zu. Wir muffen uns hierauf beschränken, und wenn wir den Leser noch nicht ganz überzeugt hätten, auf die angeführte Detailserörlerung verweisen. So viel aber ist doch hier erwiesen, daß jene rohe und jeder reineren Golleserkenntniß baare Auffassung des Opfers, wie sie Renan dem Jsraelitenthume imputirt, weder in der vorsinaitrschen Zeit, noch in dem mosaischen OpfercultnS' auf dem Grunde der Bibel, und mit dieser haben wir es hier zu thnn, vorhanden ist. Allerdings im Verlaufe der Zeit und mit der Entwickelung des Menschengeistes schwächte sich nack und nach das symbolische Verständniß, und starb allmälig ab. Der Meuschengeist lebte nickt mehr in der symbolischen AuSdrucksweise; er befähigte sich immer mehr, seine Gedanken und Gefühle klar zu fassen. und im Werre zur Aussprache zu bringen. Gerade deshalb mußte auch dem Opfer seine tiefere Bedeutung abhanden kommen, und es in seiner äußerlichen Auffassung zur bloßen Form und Formheiligkeil werden, dre zu Abirrungen veranlagte, lind den Propheten sowie den h. Säugern zu nachdrücklicken Abmahnungen Gelegenheit gab. Ter Gang der Entwickelung war also gerade ein entgegengesetzter, als Renan in seiner oberflächlichen und tendenziösen Betrachtungsweise hinstellt. Ursprünglich lagen in dem Opfcrenltus reinere und erhabenere Ideen symbolisch ansgedrückt; diese verloren sich jedock mit dem natürlichen Verständniß der synlbolischen Handlung, und indem so der Opfereultus abstarb und zur bloßen Form ward, reifte er seinem Untergänge zu. Reben ihm erhob sich der Gebetcultus, rer ans freier Bewegung des Geistes, wie dieser sich entwickelte, hervorgegangen, allmälig sich wiederum in bestimmten Formen fixirte. In diesen Formen mußte der Gebetcultus zu ähnlichen Verirrungen wie der Opfereultus, zur bloßen Form- Heiligkeit. zu abgegrenztester Verpflichtung, zum bloßen Hersagen, zum Glauben, mit ihm wirkliche Sünde und Schuld abzuthun. veranlassen, nur daß der Gebetcultus. da er sich in verständlichen Worten bewegt, leichter von diesen Verirrungen zurückgeführt werden kann, als Dies mit dem Opfereultus geschehen konnte, der mit dem Verluste seines symbolischen Verständnisses auch alles Leben und alle Umgestaltungsfähigkeit verloren hatte. Äus Frankreich. Paris, den 17. October. In der Fortsetzung meiner Correspoudenz muß ich auösprechen, daß die Sacke der Royalisten wieder Fortschritte gemacht hat. Die Delegirten derselben brachten aus Salzburg die Kunde heim, daß der Prätendent in das Arrangement gewilligt habe: die Nationalversammlung votire unbedingt die Monarchie; dann mache sie die Charte, in welcher die politischen, bürgerlichen und religiösen Freiheiten gesickert sein sotten, und entscheide in der Fahnenfrage, und der König wird Dies annehmcn. Daß hiermit Heinrich V. seinem Principe nur znm Scheine treu bliebe, denn aus seinem Principe heraus dürfte er nur die Verfassung geben, und daß die Royalisten jene Freiheiten nach ihrer Weise verstehen, wie sie Dies immer bewiesen haben, wenn sie an der Macht waren, darum kümmert sich die Partei durchaus nickt. Derjenige, der die Angen offen hat, hat zu diesem ganzen Ränke-' spiele, zu reu Zugeständnissen und der zu erwartenden Charte nicht daS geringste Vertrauen. Factrsch wird mit Heinrich V. die Pricsierpartci den Thron besteigen, und diese versteht es bekanntlich, mit gegebenem Worte nach ihrem Sinne umzugehen und zu herrschen. Der Kampf gegen jede freie Bewegung des Geistes, namentlich auch gegen die freie Wiffeuschasl und die Volksbildung, gegen die Freiheit deS Wortes wird von treuem und mit dem größten Rachdruck beginnen. Genau genommen hat dieser Kampf in Frankreich seit den Tagen der Terroristen niemals aufgehört, wenn er auch von 1SH"—185»" gemäßigt war, und daher kommt das Crgebniß, daß es in Frankreich jetzt nur Frömmler und lidn-pou.^eur-', d. i. Atheisten giett, und in allen sittlichen wie politischen Beziehungen die Frivolität herrsckend ist. Allerdings coucentrirt sich dem gegenüber gegenwärtig die republikanische Partei, und sie will sogar herauszählen, daß sie die Majorität, wenn auch nur eine knappe, in rer Nationalversammlung haben werde. Ich glaube DieS nicht. In Frankreich muß man mit zwei Factoren rechnen; ersten« mit der

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